Projekt ohne Drittmittelfinanzierung

Die Krise der Repräsentation


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 20012003


Zusammenfassung
An der Schwelle vom zweiten zum dritten Millennium beherrscht die postmoderne These von der Krise der Repräsentation vielerlei kulturtheoretische, poststrukturalistische und semiotische Diskussionen und Diskurse. Statt mit einer dargestellten sehen wir uns mit einer konstruierten Wirklichkeit konfrontiert, und sogleich wird diese konstruierte Welt auch noch „dekonstruiert”. Die Mittel der Darstellung, die Zeichen, beginnen sich aufzulösen oder zu verselbständigen. Die Bilder der Realität verlieren ihren Abbildungscharakter und werden zu einer bloßen Virtualität. Die Texte verlieren ihre strukturelle Autonomie und münden in ein Netz der Hypertextualität. Verwandt mit dem Thema der Krise der Repräsentation sind die Diskussionen um die „Dezentrierung” des semiotischen Subjektes auf Grund seiner evolutionsgeschichtlichen Determiniertheit einerseits und infolge der Produktion der Zeichen durch Maschinen andererseits. Die Diskussionen um das „posthumane Zeitalter” stehen symptomatisch für diese Variante der Krise der Repräsentation. Doch der Diskurs ist ein gespaltener. Während die kulturkritische und philosophische Postmoderne die Krise heraufbeschwört, sind Kognitionswissenschaftler in Verbindung mit den Computerwissenschaftlern umso mehr um Modelle der mentalen und künstlichen Repräsentation der Welt bemüht. Andererseits findet aber in den Geisteswissenschaften der Diskurs von der Krise der Repräsentation auch durch die Forschungen der "Realwissenschaften" Physik und Mathematik Rückhalt, etwa durch die Quantentheorie, die die Unmöglichkeit des unvoreingenommenen Beobachtens unterstreicht, durch die Katastrophentheorie, die Brüche in dynamischen und scheinbar kontinuierlichen Prozessen aufzeigt, oder durch die Chaostheorie, die Gleichheiten und Selbstähnlichkeiten im scheinbar Chaotischen nachweist und dabei dem Gedanken der Selbstreferenzialität der Diskurse theoretische Nahrung gibt. „The Crisis of Representation” war der Titel eines Internationalen Kolloquiums, das unter Beteiligung von 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Italien, Brasilien, Rumänien und Holland vom 18.?19.2.2000 im damaligen WZ II der Universität Kassel mit Unterstützung des Kasseler Hochschulbundes und des Italienischen Kulturinstituts Frankfurt/Main veranstaltet wurde. Im Berichtzeitraum wurde die Publikation der Ergebnisse erarbeitet, die in der renommierten Zeitschrift Semiotica (Berlin & New York) erschienen.

Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 13:50