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Antike in Arolsen. Ideal und Alltag


Project Details
Project duration: 05/200603/2010


Abstract
Im 18. Jahrhundert avancierte die Identifikation mit antiker Kultur und Geisteshaltung zu einem bestimmenden Moment des Lebens in ganz Mitteleuropa. Vor allem die sensationellen Berichte von der Entdeckung untergegangener antiker Städte rund um den Vesuv (Pompeji, Herculaneum) faszinierten die Menschen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein reger Antikentourismus: Wer etwas auf sich hielt, wallfahrte nach Neapel, an den Vesuv, nach Sizilien oder sogar nach Griechenland. Und wem dies nicht gelang, beschaffte sich wenigstens die entsprechenden Reiseberichte, Fachbücher, Bildbände bzw. am besten gleich die Realien selbst (antike Fundstücke, Repliken, Fälschungen). Auch die Waldecker Fürsten Friedrich, Georg und ihr Bruder Prinz Christian August wurden bald von diesem "Antike-Bazillus" infiziert. Prinz Christian August nahm die Antike sogar vor Ort gemeinsam mit Goethe in Augenschein. Vermutlich waren es der Vater, der Italien und Griechenland bereisende Fürst Carl August Friedrich (1704-63), und die Mutter, die literaturbegeisterte Fürstin Christiane, die ihre Kinder schon früh mit Literatur, Kunst und vor allem mit der Antike vertraut gemacht hatten.
Ein großer Fundus antiker Texte und Kupferstiche in der Arolser Hofbibliothek zeugt von der fürstlichen Begeisterung und Leidenschaft für die Antike. Über Textausgaben, Bild- und Kartenwerke, Reiseberichte, wissenschaftliche Abhandlungen, Chroniken, aber auch belletristische Antikenromane, die Antike idealisierende Schriften und literarische Sittengemälde hatte man in Arolsen Zugang zur antiken Welt - und zwar auch, wenn man nicht wie Christian August zu den Ausgrabungsstätten reisen konnte oder wollte. Letztlich war die Antike in Arolsen zu jener Zeit kaum weniger gegenwärtig als in Italien, Sizilien oder Griechenland. Die sensationellen Funde in Herculaneum konnte man in monumentalen Bildwerken am Arolser Fürstenhof in einer Qualität bestaunen, die das Original fast vergessen machten. Spuren der Antike fanden sich bald überall im Fürstentum: in der Erziehung, der Staatskunst, der Philosophie, der zeitgenössischen Musik, der Kleidung, der Möblierung und nicht zuletzt im Denken der Menschen.
Handschriftliche mittelalterliche Zeugnisse wie der "Waldecker Alexander" und eine Waldecker Abschrift des "Eneas"-Romans Heinrichs von Veldeke aus dem 13. Jahrhundert (heute im Staatsarchiv Marburg, Best. 147 Hr 1 Nr. 12 u. 13) oder die umfangreich bebilderten Antikepassagen in der sog. "Arolser Weltchronik" (seit 1929 in der Staatsbibliothek in Berlin, mgf 1416) lassen erahnen, dass diese waldeckische Antikenbegeisterung weit zurückreichende Wurzeln hatte. Letztlich scheint man sich schon in den waldeckischen Anfängen an der Antike erfreut, vielleicht sogar orientiert zu haben.


Im 18. Jahrhundert avancierte die Identifikation mit antiker Kultur und Geisteshaltung zu einem bestimmenden Moment des Lebens in ganz Mitteleuropa. Vor allem die sensationellen Berichte von der Entdeckung untergegangener antiker Städte rund um den Vesuv (Pompeji, Herculaneum) faszinierten die Menschen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein reger Antikentourismus: Wer etwas auf sich hielt, wallfahrte nach Neapel, an den Vesuv, nach Sizilien oder sogar nach Griechenland. Und wem dies nicht gelang, beschaffte sich wenigstens die entsprechenden Reiseberichte, Fachbücher, Bildbände bzw. am besten gleich die Realien selbst (antike Fundstücke, Repliken, Fälschungen). Auch die Waldecker Fürsten Friedrich, Georg und ihr Bruder Prinz Christian August wurden bald von diesem "Antike-Bazillus" infiziert. Prinz Christian August nahm die Antike sogar vor Ort gemeinsam mit Goethe in Augenschein. Vermutlich waren es der Vater, der Italien und Griechenland bereisende Fürst Carl August Friedrich (1704-63), und die Mutter, die literaturbegeisterte Fürstin Christiane, die ihre Kinder schon früh mit Literatur, Kunst und vor allem mit der Antike vertraut gemacht hatten.
Ein großer Fundus antiker Texte und Kupferstiche in der Arolser Hofbibliothek zeugt von der fürstlichen Begeisterung und Leidenschaft für die Antike. Über Textausgaben, Bild- und Kartenwerke, Reiseberichte, wissenschaftliche Abhandlungen, Chroniken, aber auch belletristische Antikenromane, die Antike idealisierende Schriften und literarische Sittengemälde hatte man in Arolsen Zugang zur antiken Welt - und zwar auch, wenn man nicht wie Christian August zu den Ausgrabungsstätten reisen konnte oder wollte. Letztlich war die Antike in Arolsen zu jener Zeit kaum weniger gegenwärtig als in Italien, Sizilien oder Griechenland. Die sensationellen Funde in Herculaneum konnte man in monumentalen Bildwerken am Arolser Fürstenhof in einer Qualität bestaunen, die das Original fast vergessen machten. Spuren der Antike fanden sich bald überall im Fürstentum: in der Erziehung, der Staatskunst, der Philosophie, der zeitgenössischen Musik, der Kleidung, der Möblierung und nicht zuletzt im Denken der Menschen.
Handschriftliche mittelalterliche Zeugnisse wie der "Waldecker Alexander" und eine Waldecker Abschrift des "Eneas"-Romans Heinrichs von Veldeke aus dem 13. Jahrhundert (heute im Staatsarchiv Marburg, Best. 147 Hr 1 Nr. 12 u. 13) oder die umfangreich bebilderten Antikepassagen in der sog. "Arolser Weltchronik" (seit 1929 in der Staatsbibliothek in Berlin, mgf 1416) lassen erahnen, dass diese waldeckische Antikenbegeisterung weit zurückreichende Wurzeln hatte. Letztlich scheint man sich schon in den waldeckischen Anfängen an der Antike erfreut, vielleicht sogar orientiert zu habe

Themenkomplexe von Ausstellung und Katalog

A) Mittelalterliche Grundlagen der waldeckischen Antikenbegeisterung

B) Antiker Alltag in der Waldecker Gegenwart des 18./19. Jh.s - Fiktion vs. Realität

C) Die Antike als Folie einer neuen Lebensführung (Geschichte, Musik, Philosophie, Päda-gogik, Staatskunst)

D) Antike, Nation und Zeitgeschichte

E) Kultur- und Bildungsraum Fürstentum Waldeck

Last updated on 2017-11-07 at 13:51