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Ideenwettbewerb Boye - Alternative Planungsvariante zum Umbau des Emschersystems am Beispiel der Boye


Project Details
Project duration: 20012002


Abstract
In weiten Bereichen des Einzugsgebietes der Emscher fand in großem Umfang Bergbau statt. Dadurch war eine unterirdische Ableitung des Abwassers unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten vielfach nicht möglich, da die Kanäle durch Bergsenkungen immer wieder zerstört worden wären. Das Abwasser wurde daher oft ungeklärt in die oberirdischen Gewässer, die abschnittsweise tief ins Gelände eingeschnitten verlaufen, eingeleitet und später der gesamte Gewässerabfluss in einer Kläranlage behandelt. Inzwischen sind der Bergbau und die damit verbundenen Bergsenkungen weitgehend zum Erliegen gekommen, eine weitreichende naturnähere Umgestaltung der Gewässer ist damit möglich geworden. Die Gestaltung der neuen Gewässerläufe im Bereich der Emschergenossenschaft hat vornehmlich Zielvorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zur ökologischen, physikalisch-chemischen und morphologischen Qualität von Fließgewässern zu beachten. Die EG-WRRL fordert u.a. das Erreichen des guten Zustands der Gewässer bis zum Jahre 2016. Im Einzugsgebiet der Boye, einem kleineren Nebengewässer der Emscher, mit ca. 80 km? Einzugsgebietsgröße, wurden daher modellhaft eine Reihe von Maßnahmen für den Rückbau der offenen Abwasserableitung untersucht und auf Vorplanungsniveau planerisch entwickelt. Wegen der besonderen Bedeutung und den hohen Kosten, die dieser Rückbau im gesamten Einzugsgebiet der Emscher in den nächsten Jahrzehnten verursachen wird, hat die Emschergenossenschaft einen Ideenwettbewerb zur Umgestaltung der Boye ausgeschrieben. Der Ideenwettbewerb hatte die Aufgabe, unter Berücksichtigung der Rahmenplanung und weiterer Randbedingungen (insb. Versiegelung des Einzugsgebietes, Sohllage, begrenzte Flächenverfügbarkeit zur Gewässerentwicklung) ein umsetzbares Konzept zur ökologisch optimierten Gewässerentwicklung der Boye unter besonderer Berücksichtigung gewässerökologischer Leitbilder, immissionsbezogener Zielgrößen, der EG-WRRL und sozio-ökonomischer Belange zu erarbeiten. Für den Ideenwettbewerb wurden vier Arbeitsgemeinschaften aus verschiedenen Ingenieurbüros und universitären Einrichtungen ausgewählt. Die Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe erfolgte mit teilweise neu entwickelten methodischen Ansätzen, deren Anwendung auf das Einzugssystem der Boye exemplarisch erfolgt. Das Lösungskonzept sieht die konsequente Umsetzung eines kombinierten Ansatzes unter Berücksichtigung des Emissions- und Immissionsprinzips vor. Hierbei findet die Emissionsanforderungen für die siedlungswasserwirtschaftlichen Fragestellungen und das Immissionsprinzip für die Beurteilung der quantitativen Gewässerbelastung Berücksichtigung. Das methodische Konzept zur Gewässerentwicklung besteht aus den nachfolgend genannten drei Stufen: - Ableitung und Konkretisierung des Gewässerleitbildes. - Analyse des Ist-Zustandes in Hinsicht biozönotischer und hydrologischer Eigenschaften. - Definition und Ausrichtung des Gewässers hinsichtlich des Entwicklungszieles. Da etwa 50 % des Einzugsgebietes der Boye besiedelt sind (der Versiegelungsgrad beträgt rd. 20%) kommt es schon bei kleinen Niederschlägen zu einer starken hydraulischen und stofflichen Belastung der Gewässer. Durch diese Belastung wird eine naturnahe Gestaltung der Gewässer weitgehend unmöglich. Die Berücksichtigung der Vorgaben des BWK-Merkblattes M3 ergibt ebenfalls, dass zur Reduzierung der Einleitungen aus dem Kanalnetz in einem erheblichen Umfang Retentionsraum hinter den geplanten Entlastungsanlagen erforderlich wird. Im Rahmen der Projektbearbeitung wurde iterativ eine optimierte Lösung entwickelt. Dabei wurden folgende Elemente berücksichtigt: - Reduzierung der Abflüsse von versiegelten Flächen in Siedlungsgebieten. - Schaffung von Retentionsraum hinter den geplanten Entlastungen. - Abschnittsweise naturnahe Umgestaltung des Gewässers (ökologische Trittsteine). Ein besonderes Augenmerk lag dabei darauf, das erforderliche Retentionsvolumen zu minimieren ohne dass die kritische Belastung der Gewässersohle bei mehr als 20% der Gewässerstrecke überschritten wird. Hierbei zeigt sich, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Strukturgüte des Gewässers und zur Verbindung der ökologisch hochwertigen Gewässerabschnitte gegenüber den Maßnahmen zur dezentralen Retention und Behandlung des Niederschlagswassers kosteneffizienter und vor dem Hintergrund der erreichbaren Verbesserung der Gewässerstruktur und - qualität effektiver sind. Weiterhin ist anzumerken, dass die Boye über weite Strecken rd. 3 bis 7 m unter dem eigentlichen Vorlandniveau verläuft. Durch die tiefe Sohlenlage ist die Breitenentwicklung der Boye stark eingeschränkt. Das vorgesehene Trittsteinkonzept vermag dies zu kompensieren, wenn in ausreichenden Abständen ökologisch hochwertige Lieferflächen entwickelt werden und in den Gewässerzwischenabschnitten mit tiefer liegenden Ersatzauen gearbeitet wird. Die engen Randbedingungen durch die vorhandene Bebauung und die, durch die Bergsenkungen, problematische Entwässerung des Einzugsgebietes führen dazu, dass nur in einigen ausgewählten Bereichen eine naturnahe Umgestaltung möglich ist. In den anderen Bereichen soll das vorhandene Potenzial so weit wie möglich ausgeschöpft werden. Das erarbeitete detaillierte Nachweisverfahren enthält die Operationalisierung von Leitbild, Restriktionsanalyse, Bestimmung des Entwicklungsziels und Kriterien der Nachhaltigkeit. Es stellt einen eigenständigen methodischen Wettbewerbsbeitrag mit entsprechender Übertragbarkeit dar. Vom Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft wurden dazu die erforderlichen hydrologischen und hydraulischen Berechnungen durchgeführt und Vorschläge zur naturnahen Umgestaltung der Boye ausgearbeitet.

Last updated on 2017-11-07 at 13:53