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Zurück zum philologischen Unterricht


Project Details
Project duration: 01/200112/2003


Abstract
Der Schwerpunkt dieses Projekts liegt auf den alten philologischen Studien, wie sie vor allem auf den Gelehrtenschulen praktiziert und mit der philologischen Arbeit gleichgesetzt wurden. Als spezifizierter methodisch angeleiteter Rückbezug auf geschriebene Texte geht ihre Tradition zurück bis zur (Spät-) Antike. Deren Ethos war ganz wesentlich von der Nähe des Philologen zum Text, zur Schrift, geprägt und von hier aus stets neu motiviert.
Den (alt-) philologischen Umgang mit kanonischen Texten zum Gegenstand eines Forschungsprojekts zu wählen, scheint nahe liegend, da die kulturellen und akademischen Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens sich grundlegend verändert haben. Konnten sich die Geisteswissenschaften einst auf eine kulturelle Prägung verlassen, die Politik und Gesellschaft verband, so existiert heute ein kultureller Kanon nicht mehr; der Distinktionswert historischer oder literarischer Bildung verblasst. Heute muss Wissenschaft etwas nutzen und dafür selbst den Beweis erbringen. Nicht zuletzt dies verweist darauf, dass unsere Konzeption von Literatur und die Arbeit an ihr kulturell geprägt sind von Arbeitsformen, die nun an die veränderten epistemologischen Bedingungen der Gegenwart nicht mehr anschließbar sind.
Literarische Texte als Organisationsform der Schrift zu behandeln ist es, was eine Auseinandersetzung mit dem spezialisierten, methodisch angeleiteten Rückbezug auf geschriebene Texte der (Alt) Philologen in den Blick rückt, dessen man sich als Grundlage philologischer Arbeit bis zur Wende zum 19. Jahrhundert, die den Beginn unserer modernen Wissenschaften markiert, bewusst war. Nur aus der Kenntnis einer weit zurückliegenden Tradition, in ihrer Tradition auf die lateinischen und griechischen Texte oft mit der Alt-Philologie gleichgesetzt, sollte für Friedrich Schlegel die Frage klären, wie man mit den modernen Texten verfahren soll.
Nicht zuletzt neue ?integrierte Deutschbücher? zeugen von den didaktischen Anschlussmöglichkeiten an die philologische Tradition. Wird hier literarisches Verstehen so zusammengebracht, dass SchülerInnen literarische Texte nicht mehr allein als Kulturgüter, sondern mehr als Instrumentarien zum besseren Verstehen dessen, wie Kultur funktioniert, kennen lernen.
Das skizzierte Arbeitsvorhaben wird vorerst nur einige Bausteine liefern können. Angeknüpft wird dabei an meine vorangegangenen Arbeiten, die um Funktion und Funktionswandel der germanistischen Literaturwissenschaft und ihrer Didaktik in der Spät-Moderne kreisen und deren Innovationspotential zu reflektieren suchte.

Last updated on 2017-11-07 at 13:53