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NATURBILDER - Naturbilder und Klimawandel in der interkulturellen Perspektive


Project Details
Project duration: 10/200106/2003


Abstract
Zielsetzung
Das Ziel diese Projektes war es, die Wahrnehmung und Bewertung globaler Umweltveränderungen in verschiedenen Kulturen zu analysieren. Es wurde untersucht, in welcher Hinsicht Unterschiede in der Wahrnehmung des Klimawandels, als ein ausgewähltes Beispiel globalen Wandels, beobachtet werden können. Auch wurde betrachtet, welche Faktoren maßgeblich sind für Akzeptanz von Schutzmaßnahmen, wie z.B. der "Ökosteuer". Des Weiteren wurde geprüft, ob verschiedene Naturbilder diese Wahrnehmungen beeinflussen.

Ergebnisse
Die Studie trägt zu einem besseren Verständnis der sozialen und kulturellen Einbindung des Umgangs mit dem Klimawandel sowie anderer Probleme des globalen Wandels bei. Die Studie wurde mit insgesamt 588 Studierenden aus vier Ländern durchgeführt: Deutschland, Indien, den USA und Peru. Die Wahrnehmung des Klimawandels sowie die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen wurden mit der Hilfe eines integrierten psychologischen Handlungsmodells untersucht. Die folgenden Ergebnisse zeigten sich:

  • Die Integration von drei Handlungstheorien war erfolgreich. Die Theorie des geplanten Verhaltens von Ajzen (1991), die Schutz-Motivations-Theorie von Rogers et al. (1987, 1997) und das Norm-Aktivations-Modell von Schwartz et al. (1977, 1981) berücksichtigen teilweise identische Komponenten, aber teilweise auch wichtige unterschiedliche Aspekte, die in ein integriertes Modell einbezogen werden sollten. Die entsprechende Modellstruktur wurde mit Strukturgleichungs-Methoden berechnet, dessen empirische Passung zufriedenstellend ist.
  • Es lassen sich Unterschiede in der Wahrnehmung des Klimawandels, der Bewertung und folglich in der Akzeptanz von Schutzmaßnahmen zwischen den Personen aus den vier Ländern feststellen. Jedoch scheint sich länderbezogen kein eindeutiger Trend zur Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz abzuzeichnen, mit Ausnahme der deutschen Befragten, die den Schutzmaßnahmen in der Tendenz immer positiv zugeneigt sind. Zudem erklärt Nationalität an sich Unterschiede nicht. Die Erklärung von Unterschieden bleibt ohne Rückgriff auf weitere Variablen oder Inhalte unbefriedigend. Naturbilder bieten solch einen Inhalt.
  • Es konnten vier Naturbilder identifiziert werden: Die "spirituellen Schützer" (47% aller Befragten), die "spirituellen Nutzer" (11%), die "weltlichen Schützer" (15%) und die "weltlichen Nutzer" (27%). Diese Naturbilder wurden auf der Basis von Clusteranalysen gebildet und berücksichtigen die folgenden Fragen: ob Natur vor allem zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse existiert, ob sie respektvoll behandelt werden sollte, ob sie es verdient und ob es notwendig ist, Natur zu schützen, ob sie spirituell ist, ob sie bedrohlich ist, ob sie menschliche Eingriffe toleriert und ob Natur eine begrenzte Ressource ist (siehe Abbildung).
  • Die Tatsache, dass alle vier Naturbilder von allen Befragten gewählt wurden, zeigt die Pluralität des Naturverständnisses innerhalb einer Nation. Jedoch werden bestimmte Naturbilder von Mitgliedern einer Nation vorgezogen. Beispielsweise werden die "weltlichen Schützer" vor allem von den deutschen Befragten gestellt, die "weltlichen Nutzer" mehrheitlich von den peruanischen, die "spirituellen Schützer" vor allem von den Befragten aus der USA und Indien. Das Bild der "spirituellen Nutzer", ist, wenn überhaupt, von den indischen Befragten gewählt worden. Dies weist darauf hin, dass bestimmte Bilder in einer Kultur dominanter als in einer anderen sind.
  • Die Naturbilder stehen mit der Wahrnehmung des Klimawandels und der Akzeptanz von Schutzmaßnahmen in Verbindung. Generell zeigen die Nutzer-Gruppen auf der einen Seite und die Schützer-Gruppen auf der anderen Seite sehr ähnliche Ausprägungen. Die "Nutzer" weisen höhere Werte in den Variablen auf, die die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen mindern. Entsprechend ist ihre Akzeptanz von Schutzmaßnahmen niedriger. Dagegen zeigen die "Schützer" niedrigere Ausprägungen in den Akzeptanz mindernden und höhere Werte in den fördernden Variablen. Dem entsprechend ist ihre Akzeptanz der Klimaschutzmaßnahmen höher.

Weiterführung
Das Projekt wurde im July 2003 abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in einem Buch veröffentlicht (Krömker (2004). Naturbilder, Klimaschutz und Kultur. Beltz: Weinheitm), sind auf verschiedenen Konferenzen vorgestellt worden und werden in die entsprechenden Diskussionen, z.B. im Rahmen des International Human Dimensions Programme (IHDP), eingespeist.



Principal Investigator

Last updated on 2017-11-07 at 13:56

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