Projekt ohne Drittmittelfinanzierung

Steuerwettbewerb, Spieltheorie und Coase


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 01/199907/2001


Zusammenfassung
Der internationale Steuerwettbewerb kann theoretisch zu einem ruinösen Wettbewerb entarten, der in einer internationalen Nicht-Besteuerung des mobilen Kapitals endet. Diese Situation ist allokativ ineffizient, führt sie doch tendenziell zu einer Unterversorgung mit öffentlichen Gütern und zu unerwünschten Verteilungseffekten. Es kann gezeigt werden, dass dies jedoch keine zwangsläufigen Folgen des internationalen Steuerwettbewerbs sind. Ursächlich für die negative Entwicklung des Steuerwettbewerbs sind bestimmte, wettbewerbsschädliche Instrumente, mit denen die Grundprinzipien der Besteuerung, also das Äquivalenz- und das Leistungsfähigkeitsprinzip, unterlaufen werden können. Der race-to-the-bottom kann gestoppt werden, ohne gleichzeitig auf die ökonomisch grundsätzlich wünschenswerten Eigenschaften des Steuerwettbewerbs verzichten zu müssen, wie dies bei einer forcierten Harmonisierungsstrategie der Fall wäre. Die Lösung liegt in der Etablierung einer internationalen Steuerwettbewerbsordnung. Diese umfasst Regeln für einen fairen Steuerwettbewerb, der wettbewerbsschädliche Maßnahmen der konkurrierenden Staaten verbietet. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde im Dezember 1997 auf europäischer Ebene mit der Verabschiedung des Code of Conduct zur Unternehmensbesteuerung getan. Der Projektbericht, analysiert zunächst mit graphisch animierten spieltheoretischen Überlegungen die aktuelle Ausgangslage im europäischen Steuerwettbewerb als Mehrpersonen-Gefangenendilemma. Dieser Analyse liegt eine Graphik von T. Schelling zugrunde. Darin kann gezeigt werden, dass die EU-Mitgliedstaaten bei einem gegebenen institutionellen Rahmen in Abhängigkeit von ihrer Risikoneigung und ihrer Zeitpräferenzrate sich zu einer Koalition kooperativ agierender Staaten zusammenfinden werden, die keine wettbewerbsschädlichen Steuermaßnahmen ergreifen. Auf diese Weise kann die Dilemma-Situation verlassen, aber noch nicht das Nutzenmaximum erreicht werden, das erst dann realisiert wird, wenn sich ausnahmslos alle EU-Staaten zu einem fairen Steuerwettbewerb bekennen. Die Koalition fair agierender Wettbewerber wird aber über eine bestimmte Gruppengröße hinaus nicht wachsen. Mit den Methoden der Spieltheorie allein ist jedoch nicht realitätsnah erklärbar, wie dennoch das Nutzenmaximum der Koalitionäre erreicht werden kann. Aufbauend auf das Coase-Theorem wird sodann ein Weg aufgezeigt, über den schließlich alle EU-Staaten zum Koalitionsbeitritt bewogen werden können und das Ziel der Etablierung einer europäischen Steuerwettbewerbsordnung erreicht werden kann. Ausschlaggebend hierfür ist das Angebot von Kompensationszahlungen und die Drohung von politischen Diskriminierungsmaßnahmen an diejenigen Staaten, die zunächst nicht auf unfaire Maßnahmen im Steuerwettbewerb verzichten wollten. Schließlich werden die notwendigen institutionellen Rahmenbedingungen aufgezeigt und ein Ausblick auf die globale Erweiterung der Steuerwettbewerbsordnung gegeben.


Weitere Projektbeteiligte

Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 13:58