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Generationenvermittlung in der Grundschule


Abstract
Für das Handeln in Schule und Unterricht sind das Verhältnis und die Beziehungen der Generationen wesentlich, denn in schulischen Vermittlungs- und Aneignungsprozessen geht es um die Bedeutung und Gestaltung generativer Differenz bei der Fortschreibung von Kulturalität. Im pädagogischen Generationenkonzept wird heute nicht mehr von einer hierarchischen Beziehung sondern von einer generativen Differenz ausgegangen, die reflexiv zu gestalten ist.
In der Grundschule sind Generationenperspektiven in zwei Richtungen zu vermitteln, in die der Kinder und in die der Lehrenden. Nur so vermag die Grundschule ihre doppelte Verpflichtung gegenüber dem Kind und gegenüber der Gesellschaft einzulösen und in pädagogisches Handeln umzusetzen. Durch das Prinzip der "Kindgemäßheit" ist dies nicht zu realisieren; vielmehr geht es um Subjektbildung in Anerkennungsverhältnissen.
Dem reflexiven Umgang mit generativer Differenz in der Schule stehen aber verschiedene Schwierigkeiten entgegen. Zunächst stellt "Generation" ein aktuelles Feld gesellschaftlicher Auseinandersetzung dar. Positionierungen in gesellschaftlichen Selbstverständigungsdebatten sind eng mit Verteilungskämpfen verknüpft, was Neigungen zur Blickverengung und Selbstbestätigung hervorbringt. Vor dem Hintergrund von Individualisierungs- und Pluralisierungsprozessen ist zudem eine wachsende Fremdheit zwischen den Generationen festzustellen, die bei der Gestaltung und Analyse von Lehr-Lernprozessen zu überwinden ist. Nicht zuletzt spielen die Rückerinnerungen der Erwachsenen an die eigene Kindheit eine wesentliche Rolle, denn diese beeinflussen, wie Lebenswelt, Erfahrungen und Denkweisen heutiger Kinder wahrgenommen werden.
In dem Projekt wurden Generationenperspektiven in der Schule und ihre Bedeutung für schulische Bildungsprozesse herausgearbeitet und dann Ansätze Forschenden Lernens vorgestellt, die auf ein reflexives, Generationenerfahrungen einschließendes Selbstverständis zielen. Hier geht es darum, Weltwahrnehmungen als durch Generationenprägungen bestimmt aufzuzeigen und im Hinblick auf pädagogische Vermittlungsprozesse zu reflektieren. Konkret werden Zugänge zu Perspektiven von Kindern in den verschiedenen Lernbereichen der Grundschule vorgestellt. Dabei liegt der Fokus auf der Einübung in das Verstehen von Denk-, Ausdrucks- und Kommunikationsprozessen von Kindern.
Das Projekt soll dazu beitragen, dass "Generationenvermittlung" als grundschulpädagogisches Prinzip verankert wird. Lernszenarien werden vorgestellt, die eine dialogische Vermittlung von Genertionenperspektiven und eine Neubestimmung des Verhältnisses von vermittelnder und aneignender Generation in der Grundschule versprechen. Generationenbeziehungen beim Lehren und Lernen sollen in ihrer gegenseitigen Differenz, Abhängigkeit und Verbundenheit in den Blick genommen werden.

Last updated on 2017-11-07 at 13:37