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Literatur auf CD-ROM. Entwicklung und Evaluation von Lernumgebungen auf der Basis von Produktanalysen literarischer CD-ROMs


Project Details
Project duration: 20052007


Abstract
Die Entwicklung der digitalen Medien hat in vielerlei Hinsicht Einfluss auf die Literatur und das Literatursystem genommen. Die technischen Möglichkeiten des Computers und des Internets, Texte intern und extern zu vernetzen und multimediale (Bild- und Ton-)Elemente in die Präsentation der Texte zu integrieren, werden einerseits in neuen literarischen Ausdrucksformen wie Hyperfiktions und Netzliteratur erprobt. Gleichzeitig erlauben die Bedingungen des Internets auch neue (kollaborative) Produktions- und Distributionsformen von Literatur. Die Organisation, Präsentation und Rezeption der digitalen Texte, die auf Hypertextkonzepten beruhen, fordert dabei die literaturwissenschaftliche Forschung dazu heraus, traditionelle text- und literaturtheoretische Ansätze, etwa im Hinblick auf den zugrunde liegenden Textbegriff, das Verhältnis von Autor und Leser oder Gattungskonventionen neu zu überdenken. Dies betrifft auch die Literatur-CD-ROM, die neben ihrer Funktion als Vermittler intendierter digitaler Literatur auch ursprünglich nicht-digitale Literatur distribuiert und damit an die Seite anderer Medien wie Buch und Film tritt. In letzterer Hinsicht liegt ein Medienwechsel vom Buch zur CD-ROM vor, der den adaptierten literarischen Stoffen, im Hinblick auf die intermedialen Möglichkeiten und die Hypertextstrukturen der CD-ROM neue Darstellungspotentiale und Gestaltungsmöglichkeiten und somit Chancen zu einer innovativen Fortschreibung eröffnet. Ein Großteil der Literatur-CD-ROM-Produktionen tritt unter den Stichworten „Bildungssoftware” bzw. „Info- und Edutainment-Software” gleichzeitig als Vermittler von Wissen über Literatur in Erscheinung, indem sie neben Texten oder Textauszügen aus dem Schaffen eines Autors über die Literatur hinausgehende Informationen oder unterhaltende Gestaltungselemente beinhalten. Diese CD-ROM-Produkte sprengen dabei in mehrfacher Hinsicht konventionelle Gattungsgrenzen. Zum einen vereinen sie zum Teil unterschiedliche traditionelle Literaturgattungen, sie präsentieren zum anderen in der Verbindung von fiktionalen literarischen Texten mit erläuternden Sekundärtexten eine Mischung aus Fakten und Fiktionen und praktizieren schließlich Grenzüberschreitungen zwischen verschiedenen Künsten und Medien. Insgesamt bilden sie im Zusammenspiel ihrer verschiedenen multimedialen Textelemente, der Textumgebung und der Paratexte einen neuen eigenständigen Text. Eine detaillierte Typologie der auf dem Markt befindlichen Literatur-CD-ROMs, die diese Aspekte berücksichtigt, steht allerdings nach wie vor aus. Es ist ein Ziel des geplanten Projekts in einem ersten Projektabschnitt eine solche Typologie unter intermedialen, ästhetischen und strukturellen Gesichtspunkten zu entwerfen, die auch im schulischen Unterricht Anwendung finden kann. Vor diesem Hintergrund soll im zweiten Projektteil Unterrichtseinheiten zu ausgewählten Literatur-CD-ROMs für den Deutschunterricht entwickelt und evaluiert werden. Ziel dieser explorativen Teilstudie ist die Generierung von Hypothesen zu Anforderungen an Literatur-CD-ROMs und zu ihrem Einsatz im Unterricht. Dieser zweite Projektteil wurde im Kontext einer Kooperation der Universitäten Kassel und Paderborn zum Rahmenthema „Lehren und Lernen mit neuen Medien” vorgestellt und diskutiert. Bei dieser Kooperation geht es um die Einrichtung eines größeren Forschungsvorhabens (Graduiertenkolleg, Forschergruppe), das durch verschiedene Einzelanträge eingeleitet und vorstrukturiert werden soll. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass die DFG der Förderung explorativer Studien kritisch gegenüber steht. Auch auf diesen Aspekt hin soll der Antrag überprüft werden. In diesem Zusammenhang soll auch verdeutlicht werden, dass sich der Literaturunterricht aufgrund besonderer Bedingungen in verschiedener Hinsicht von anderen Fächern unterscheidet. Denn es geht dort nicht nur um den Transfer und den Aufbau von Wissen sondern auch um literarisch-ästhetisches Lernen mit CD-ROMs als ästhetischen Objekten. Im Berichtszeitraum wurde mit Unterstützung einer halben BAT IIa-Stelle für 6 Monate durch die IAG ein Förderungsantrag erarbeitet. Dieser Antrag wird im Oktober 2006 bei der DFG eingereicht. Er sieht Mittel für die Beschäftigung für 1,5 wissenschaftliche Mitarbeiterstellen und entsprechende Sachmittel für zwei Jahre vor. Die Arbeit kann beginnen, sobald die Finanzierung durch die DFG gesichert ist.

Last updated on 2017-11-07 at 14:01