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Grundfragen der Hermeneutik des Corpus Paulinum. Gesamtdarstellung des feministisch-exegetischen Forschungsstandes im deutschsprachigen Raum


Project Details
Project duration: 01/200012/2001


Abstract
Die neuere feministische Paulus-Exegese behandelt schwerpunktmäßig Fragen paulinischer Anthropologie und Ekklesiologie. Diese sind besonders aufgrund ihrer (frauen-)unterdrückenden Wirkungsgeschichte Inhalt feministisch-theologischer Untersuchungen. Feministische Exegetinnen kritisieren auf der einen Seite die traditionelle Auslegungsgeschichte, bieten aber unter Einbeziehung neuerer christlich-theologischer sozialgeschichtlicher und jüdisch-theologischer Forschungen auch grundlegende hermeneutische Neuansätze zu einer Re-Lektüre des Corpus Paulinum. In unserem Forschungsprojekt wird die feministisch-theologische Diskussion über das Corpus Paulinum gesichtet und deren Eintrag für die aktuelle Paulusforschung herausgestellt. Dies geschieht in drei Arbeitsschritten: - Gesamtdarstellung deutschsprachiger feministisch-theologischer Forschungen zum Corpus Paulinum. - Einordnung des Forschungsstands in die internationale feministisch-theologische Diskussion und die traditionelle Paulus-Exegese. - Weiterführung der hermeneutischen Ansätze zu einem neuen hermeneutischen Gesamtentwurf des Corpus Paulinums. In der nicht-feministischen traditionellen Exegese wird Paulus mit einem autoritären Konzept gelesen, für das er als Apostel Urbild des legitimen chriftlichen Amtsinhabers ist, der als "Übervater" die Gemeinden leitet. Die paulinische Anthropologie ist traditionell christlich mit einem dualistischen Konzept ausgelegt worden: als körper- und sexualitätsfeindlich. In der neueren Forschung wird in Ansätzen die Einbindung des Paulus in Traditionen des Judentums erkannt, wobei insbesondere die Anthropologie von neuem von Interesse ist, die, eingeordnet in den jüdischen Kontext, als ganzheitliche (d.h. als eine Anthropologie, die Leib und Seele als Einheit versteht) begriffen werden muß. Der feministische Diskurs lenkt den Blick vor allem auf die Bedeutung anthropologischer Dimensionen paulinischer Theologie und frage weiterführend nach der Geschlechterkonstruktion, die diesen zugrunde liegen. Untersuchungen zum Corpus Paulinum liegen in der feministisch-theologischen Forschung zu EInzelfragen paulinischer Theologie vor. Eine erste Sichtung dieser Ansätze zeigt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der nordamerikanischen Forschung und der im deutschsprachigen Bereich entstandenen: Während die nordamerikanischen Wissenschaftlerinnen vor allem aufgrund des Frauenbildes des Paulus zu einer durchgängig negativen Bewertung der Theologie des Paulus kommen, versuchen Neutestamentlerinnen im deutschsprachigen Bereich zwar deutlich ihre Kritik zu formulieren, aber dennoch die positiven Aspekte paulinischer Theologie herauszustllen. Insbesondere feministische Theologinnen, die einen explizit befreiungstheologischen Ansatz vertreten (Schottroff, Sutter Rehmann, Tamez, Crüsemann, Kahl), betonen die wichtigen Impulse, die aus einer Relektüre paulinischer Theologie für eine Neuformulierung biblischer Anthropologie und Ekklesiologie nutzbar gemacht werden können.

Last updated on 2017-11-07 at 14:03