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Entwicklung und Perspektiven der städtischen und stadtnahen Milchviehwirtschaft im Distrikt Maseru/Lesotho unter besonderer Berücksichtigung des Endes der Apartheid in Südafrika


Project Details
Project duration: 01/199712/2001


Abstract
Ziel der Arbeit ist die Darstellung der städtischen und stadtnahen Milchviehwirtschaft im Distrikt Maseru unter den gegebenen geopoltischen Gegebenheiten. Durch die Analyse der Entwiclung vor und seit dem Ende der Apratheid in Südafrika wird die zukünftige Perspektive der Milchviehwirtschaft abgeleitet.
Die Zielsetzung geht von folgenden Arbeitshypothesen aus 1. Es gibt eine Vielzahl verschiedenster Betriebsssteme im Distrikt Maseru, das Resultat unterschiedlichster Standortbedingungen sind. 2. Die Struktur der vor- und nachgelagerten Bereiche der Milchviehwirtschaft hatten und haben eine zentrale Rolle in der Ausprägung der Bietriessysteme 3. Die Milchwirtschaft in Lesotho steht in Abhängigkeiten/Wechselwirkungen zur Milchwirtschaft in Südafrika, die nur eine begrenzte eigenständige Entwicklung erlauben. 4. In der urbanen und peri-urbanen Milchwirtschaft hat die Subsistenzwirtschaft eine geringere Bedeutung wie in der übrigen Tierhaltung bzw.Landwirtschaft insgesamt. 5. Bestimmte sozio-ökonomische Faktoren begrenzen - wie auch in anderen Ländern Afrikas - eine angepaßte und nachhaltige Entwicklung der Milchviehwirtschaft im Distrikt Maseru.
Die Datenerhebung ist in zwei Phasen von jeweils einem Jahr 1997 bis 1999 eingeteilt. Die erste Phase dient zur Ermittlung der Sekundärdaten, der Analyse des vor- und nachgelagerten Bereiches der Milchviehwirtschaft und der Identifikationen der Betriebssysteme im Distrikt Maseru.
Phase 2 umfaßt die detaillierte Analyse der identifizierten Betriebssysteme. Hierfür weren jeweils 20 milchkuhhaltede Betriebe mit 0-grazing mit eigenem Futter, communal grazing und Stallhaltung mit Zukaufsfutter analysiert und miteinander verglichen. Die Datenerhebung erfolgt durch zweimonatliches Aufsuchen der Betriebe zur Erhebung von Daten mittels eines Interviews. Das Fragen des Interviews basieren auf einen strukturierten Fragebogen.
Übergeordnetes Ziel des Forschungsvorhabens, ist es, exemplarisch am Beispiel der lesotischen Hauptstadt Maseru zu prüfen, inwiefern intensive landungebundene Milchviehhaltung in kleinbäuerlichen Systemen mit Hochleistungstieren im Untersuchungsgebiet wirtschaftlich sind. Anhand der Untersuchung sollte ein repräsentativer Überblick über Produktionsbedingungen der Milchviehhaltung im Untersuchungsgebiet gegeben werden. Mit der Ermittlung der Produktionsdaten der Untersuchungsbetriebe sollten Probleme der Milchkuhhaltung im städtischen Zentrum Maseru dargestellt und diskutiert werden.
Für die quantitative Datenerhebung wurden Milchkuh haltende Betriebe in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählt. In der ersten Phase (April 1997 ? Mai 1998) wurden 173 Betriebe (99 periurban/74 urban) zufällig ausgewählt und einmal anhand eines standardisierten Fragebogens zur Betriebsorganisation befragt. Das Untersuchungsgebiet umfasste sowohl die Stadt Maseru (urban) als auch die umliegenden Dörfer bis zu einer Entfernung von rund 30 km im Umkreis des Stadtzentrums (periurban). Aus diesen Betrieben wurden 60 (30 periurban/30 urban) für die Detailanalyse bewusst ausgewählt. Die Betriebe wurden jeweils zweimal während der zweiten Untersuchungsphase (Mai 1998 ? Mai 1999) besucht und mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens Daten zu allgemeinen und speziellen Betriebsdaten und unterstützenden Organisationen (Ministry of Agriculture, Lesotho National Dairy Board, Lesotho Dairy Products und dem Department of Livestock Services) befragt. Daneben wurden in beiden Untersuchungsphasen direkte Beobachtungen in den Betrieben registriert und in die Untersuchung mit aufgenommen.
Die mittlere Herdengröße der Untersuchungsbetriebe beträgt 3,23 Milchkühe (urban 3,87 Tiere, periurban 2,63). Vorherrschend werden Tiere der Rasse HF (81%), Brown Swiss (7%) und Jersey (5%) gehalten. Das genetische Leistungspotential scheint für eine marktorientierte kommerzielle Milchviehhaltung angemessen. Unter den vorgefundenen extensiven Bedingungen wurde eine durchschnittliche Tagesmilchproduktion von 13 l erreicht. Die Milch wird überwiegend (60%) über den formellen Sektor abgesetzt, während 34% direkt ab Hof vermarktet werden und 6% im Haushalt direkt verbraucht werden. Erzielte Preise für direkt vermarktete Milch liegen etwa 64% über dem des formellen Sektors.
Die Rentabilitätsberechnung für die jeweiligen Durchschnittsbetriebe der beiden Untersuchungsregionen zeigt einen positiven Deckungsbeitrag und positiven Gewinn. Die Rentabilität wird hauptsächlich durch die hohen Futterkosten (es besteht eine fast 100 %ige Abhängigkeit von Zukauffutter) und durch unterschiedliche Vermarktungswege der Milch beeinflusst (informelle Vermarktung erzielt um 60% höhere Verkaufserlöse als formell vermarktete).
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Milchkuhhaltung auf den Untersuchungsbetrieben rentabel ist. Zwischen einzelnen Untersuchungsbetrieben traten jedoch starke Schwankungen im Bereich der Produktion und Wirtschaftlichkeit auf.
Die Milchrinderhaltung genießt im Untersuchungsgebiet ein hohes Ansehen. Sie hat eine wichtige Funktion sowohl aus betriebswirtschaftlicher als auch aus sozioökonomischer Sicht. Die Milchviehhaltung ist in der Lage, einen bedeutenden Beitrag zur Einkommensverbesserung zu leisten und den Selbstversorgungsgrad zu steigern.
Hemmend auf den Bereich der Milchwirtschaft wirken sich der unzureichende Beratungsdienst, sowie das schlechte Herden- und Fütterungsmanagement, der fehlende Futteranbau und fehlende Weideflächen aus.
Zur Verbesserung der Milchwirtschaft im Untersuchungsgebiet wurden im einzelnen folgende Vorschläge gemacht:
- Aufbau und Stärkung von Betriebszusammenschlüssen. Somit könnten dann leichter mehr Farmen erreicht werden, um Training oder technische Hilfe anbieten zu können. Auch könnte durch einen Zusammenschluss "Gleichgesinnter" ihre Position als Milchvieh haltende Betriebe gestärkt werden.
- Die beratenden Einrichtungen des Ministry of Agriculture, Cooperation, Marketing and Youth Affairs (MOA) und des Department of Livestock Services (DLS) sind gut mit Personal ausgestattet. Leider fehlt diesen oft die Motivation. Es sollte versucht werden, diese durch z.B. das Angebot von weiterführenden Trainingsmaßnahmen weiter zu schulen und zu motivieren.
- Privatisierung des Tiergesundheitsdienstes und besonders der künstlichen Besamung, um es Betrieben leichter zu machen, diese zu erreichen. Besonders im Bereich der künstlichen Besamung scheint eine Auslagerung auf die Betriebe relativ leicht zu verwirklichen zu sein, was sich sehr positiv auf den Zuchtfortschritt auswirken würde.
- Landreform: Es sollte versucht werden, die seit Jahren nicht voran kommenden Reformen des Bodennutzungsrechtes voranzutreiben, um den Betrieben einen Anreiz zu bieten, die vorhandenen Land- und Bodenressourcen intensiver zu nutzen. Auch könnte über diese Schiene die Möglichkeit gegeben werden, die Ackerfutterflächen besser vor illegalem Beweiden und Diebstahl zu schützen.
- Eine Ausweitung des Anbaues von Ackerfutter ist die wichtigste Maßnahme im Bereich der Milchwirtschaft, da der Futterzukauf bei weitem den größten Kostenfaktor darstellt und dieser den Gewinn mindert und die Ausweitung der Milchwirtschaft einschränkt.
- Auf dem Gebiet der Fütterung wird derzeit der Einsatz von Grund- und Leistungsfutter für alle Tiere zu gleichen Teilen durchgeführt. Es wird empfohlen, die Fütterung nach Tierleistungen angepasst zu verabreichen. Dies erscheint bei den kleinen Gruppen relativ einfach realisierbar zu sein.
- Forschung: Das Versuchswesen Lesothos hat bisher keinen Beitrag zur Entwicklung der Milchwirtschaft beigetragen. Gerade auf dem Gebiet der Futterproduktion und des Weidemanagements ist jedoch ein wichtiges Aufgabengebiet für das Department of Research gegeben.
- Es sollte versucht werden, aus der Gruppe Milchvieh haltender Betriebe überdurchschnittliche Betriebe zu identifizieren und diese als Demonstrationsfarmen zur Weiterbildung anderer Betriebsleiter zu nutzen.
- Von staatlicher Seite sollten Kredite mit "weichen" Konditionen für den Ausbau der Milchwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Dies würde den Betrieben gerade den ersten Einstieg in die Milchviehhaltung erleichtern.
- Besonderes Augenmerk hinsichtlich der Tiergesundheit sollte auf Kälberaufzucht in den ersten 6 Monaten gelegt werden. Der Kälberverlust in den ersten 6 Monaten liegt bei 30% und verhindert daher die Ausweitung der Tierbestände aus eigener Nachzucht.

Last updated on 2017-11-07 at 14:07