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Bedeutung und Bedeutungsverlust kultureller Eliten in Frankreich und Deutschland


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Project duration: 20002005


Abstract
Die Forschungsaktivitäten gruppierten sich im Wesentlichen um drei Achsen: (1) Französische Intellektuelle im zeitgeschichtlichen Kontext des 20. Jahrhunderts; (2) Deutsch-Französische Kulturbeziehungen und (3) Intellektuelle als Mittler zwischen Deutschland und Frankreich. Im erstgenannten Zusammenhang entstanden intellektuellengeschichtliche Fallstudien zu dem Hochschulgermanisten und Essayisten Robert Minder, und zwar insbesondere zu dessen Theorie über die Rolle regionaler Identitäten für die Literaturproduktion einer Nation (Deutschland und Frankreich). Im selben Zusammenhang stand die umfassendere Studie zum intellektuellen Werdegang und zur Stellung des französischen Diplomaten Andr? Fran?ois-Poncet im und zum Vichy-Regime. In beiden Fallstudien wurde der Begriff des intellektuellen Itinerariums am zeitgeschichtlich-biographischen Quellenmaterial erprobt und produktiv gemacht. Der zweite Arbeitszusammenhang (Deutsch-Französische Kulturbeziehungen) war weitgehend bestimmt durch die Bearbeitung und Fertigstellung eines Buches über die französische Kultur im Berlin der Weimarer Republik. Dies wurde durch ein internationales Kolloquium vorbereitet, das an der Humboldt-Universität Berlin durchgeführt wurde. In diesem Arbeitskontext verfasste ich einleitenden Überblick über den gegenwärtigen Stand der Diskussion zum transnationalen Kulturaustausch und eine Studie über die Berliner Deutsch-Französische Gesellschaft, die größte zivilgesellschaftliche Verständigungsorganisation in der Weimarer Republik. Aus dem Arbeitssektor Deutsch-Französische Kulturbeziehungen wurden darüber hinaus einige kleinere Studien zu den bilateralen Kulturbeziehungen der Nachkriegszeit abgeschlossen. Eine der Publikationen ist eine ins Französische übersetzte Überblicksdarstellung zur Geschichte und Soziologie des DAAD in Frankreich. Mit Unterstützung einer von der IAG zur Verfügung gestellten Projektantragsstelle wurde der Antrag „Zur Neubestimmung des deutsch-französischen Bilateralismus nach der deutschen Vereinigung in der französischen Essayistik” bei der DFG eingereicht, jedoch nicht bewilligt. Im Mittelpunkt des dritten Arbeitsschwerpunktes stand die abschließende Vorbereitung eines Buches mit Studien zu deutschen und französischen Mittlergestalten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieser Band entstand aus der Zusammenfassung und der Übersetzung aus dem Französischen von eigenen älteren Aufsätzen der letzten 15 Jahre, in denen aufgrund einer intellektuellensoziologischen und perzeptionsanalytischen Interpretation ein Tableau der bilateralen Mittlertätigkeit im Zeitalter des Konflikts zwischen Deutschland und Frankreich gezeichnet wird. Er enthält Essays zu namhaften deutschen und französischen Mittlern dieser Zeit und zu ihren Debatten neben einem theoretischen bzw. forschungsprogrammatisch angelegten Aufsatz zur Problematik fremdnationaler Identitätszuschreibung, deren Fortschreibung und Kritik eine der wesentlichen Funktionen intellektueller Mittler ist.

Last updated on 2017-11-07 at 14:08