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Leben und Wirken des jüdischen Wissenschaftlers und Sozialpädagogen Berthold Simonsohn (1912 - 1978)


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Project duration: 11/200310/2006


Abstract
1 Zusammenfassung Eine herausragende Persönlichkeit der jüdischen Wohlfahrtspflege war Dr. jur. Berthold Simonsohn, ein Überlebender von Theresienstadt und Auschwitz. Er hatte eine große Bedeutung für die jüdische Sozialarbeit in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus, wo er u.a. Bezirksfürsorger für Nordwestdeutschland war. Er begegnete während dieser Jahre bedeutenden Persönlichkeiten des deutschen Judentums: u. a. Rabbiner Leo Baeck, Ministerialrat Hirsch, Paul Eppstein und Hannah Karminski. Auch in der Nachkriegszeit, in der er die wieder gegründete „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.” als deren erster Geschäftsführer und Mitglied des Vorstandes (1950-1961) aufbaute, leistete er viel für das jüdische Leben in Deutschland. Im Gegensatz zu den anderen Wohlfahrtsverbänden (Deutscher Caritasverband, Diakonisches Werk, Arbeiterwohlfahrt), deren Entwicklung gut erforscht ist bzw. erforscht wird, besteht im Hinblick auf die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland ein Nachholbedarf. Durch die Erschließung des Nachlasses von B. Simonsohn können hierzu ein wesentlicher Beitrag geleistet und auch weitere Forschungen zur jüdischen Sozialarbeit angeregt werden. B. Simonsohn, geboren und aufgewachsen in Bernburg an der Saale, war schon als Jugendlicher an gesellschaftspolitischen und insbesondere an friedenspolitischen Fragen interessiert. Sein großes Vorbild war sein Onkel, der Publizist Alfred Fried, ein Bruder der Großmutter mütterlicherseits, der 1911 den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Berthold Simonsohn engagierte sich schon als junger Mensch in der SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) und in der zionistisch-sozialistischen Jugendbewegung, in der er an führender Stelle tätig war. Für die Entwicklung der Sozialpädagogik als Wissenschaft hat Simonsohn nach seiner Berufung 1961 als Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an der J. W.-Goethe-Universität in Frankfurt a.M. wichtige Anstöße gegeben. Insbesondere leistete er durch seinen interdisziplinären, tiefenpsychologisch fundierten theoretischen Ansatz wichtige Beiträge für die moderne Sozialpädagogik in Theorie und Praxis, die durch seine Veröffentlichungen und den großen Kreis seiner Schüler von nachwirkender Bedeutung waren.. Als Jurist und Sozialpädagoge galt sein Interesse insbesondere der Reform des Jugendhilfe- und Jugendstrafrechts sowie Fragen der Resozialisierung. Durch seine Berufung in die "Kommission des Bundesjustizministeriums zur Reform des Jugendstrafvollzugs" 1970 hat er an der Gestaltung der Gesetzesreform in entscheidender Weise mitgewirkt.
Mein Erkenntnisinteresse in diesem Forschungsprojekt richtet sich insbesondere auf folgende Fragen: 1. Wie sah die soziale Hilfstätigkeit unter nationalsozialistischer Bedrohung in der von ihm betreuten Region Hamburg und Nordwestdeutschland aus? 2. Welchen Einfluss hatte Simonsohn auf die zionistisch-sozialistische Jugendbewegung? 3. Welchen Beitrag hat Simonsohn zum Aufbau und Wirken der wiedergegründeten Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und damit zur jüdischen Sozialarbeit / Sozialpädagogik in Westdeutschland nach 1950 geleistet? 4. Welchen Beitrag leistete Simonsohn zu einer gesellschaftskritischen und tiefenpsychologisch orientierten Theorie der Sozialpädagogik / Sozialarbeit?
In seiner außerordentlich umfangreichen Korrespondenz, die - ein Glücksfall - weitgehend überliefert ist, stand Simonsohn mit vielen Menschen in Verbindung, die u. a. für die jüdische Jugendbewegung und für die Wohlfahrtspflege von Bedeutung waren. Hervorzuheben ist der Briefwechsel mit seinem nach Palästina emigrierten Bruder und anderen Mitgliedern und Freunden aus der jüdischen Jugendbewegung, in dem es u. a. um die Ideen des Zionismus ging, dem Simonsohn lebenslang verbunden blieb. Die Auswertung dieser umfangreichen Korrespondenz wird ein wichtiger Baustein für die Erforschung der vorstehend genannten Gegenstandsbereiche sein. Durch die geplante erstmalige Erschließung des Nachlasses von B. Simonsohn könnten weitere Forschungen angeregt werden. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sollen in folgender Weise publiziert werden: ? Geplant ist eine Darstellung zu Leben und Werk von Berthold Simonsohn und ? die Herausgabe einer die Darstellung authentisch ergänzenden annotierten Edition ausgewählter Briefe.

Last updated on 2017-11-07 at 14:08