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Kultur und Natur: Grenzen und Übergänge aus semiotischer Sicht


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Project duration: 01/200112/2002


Abstract
Natur und Kultur sind in der geistes- und naturwissenschaftlichen Tradition seit mehr als einem Jahrhundert oft als zwei unvereinbare "Welten", zwei nach völlig unterschiedlichen Prinzipien und Gesetzen organisierte und operierende Bereiche der Forschung und des Wissens diskutiert worden. Auch in der Semiotik ist die dualistische Auffassung von einer Grenze zwischen diesen beiden Bereichen etabliert. In der Tradition der strukturalistischen Semiologie galt die Kultur als die vom Menschen regierte Welt der arbiträren Zeichen und Kodes, die sich paradigmatisch in den Unterschieden zwischen den Sprachen, Sitten und Gebräuchen der Kulturen manifestiert. Zwischen Natur und Kultur gibt es nach Eco eine semiotische Schwelle, die durch den Übergang von einer Welt des naturgesetzlich Bestimmten und der Zeichen bestimmt ist, welche kulturell relativ sind und somit auch anders kodifiziert sein könnten. Diese Schwelle gilt nach Eco und andere Strukturalisten zugleich auch als konstitutiv für die Definition der Semiotik überhaupt. Die Semiotik begreift er als eine Kulturwissenschaft par excellence.
Anders als die strukturalistische Tradition der Semiotik sieht die Semiotik von Charles Sanders Peirce den Unterschied zwischen Natur und Kultur. Nach dem Prinzip des Peirceschen Synechismus gibt es weder einen Dualismus, noch eine semiotische Schwelle, sondern einen graduellen Übergang zwischen dem Natürlichen und dem Kulturellen. Dieser Ansatz ist besonders geeignet, die Evolution der Kultur aus der Natur zu erklären.
Die Frage nach der "semiotischen Schelle" zwischen Natur und Kultur war das Thema des von Prof. Nöth vom 16.-17.2.2001 mit Unterstützung der DFG organisierten internationalen Kolloquiums mit dem Titel The Semiotic Threshold from Nature to Culture.Referate dieses Kolloquiums waren:
  1. Prof. Dr. Augusto Ponzio (Bari) und Prof. Dr. Susan Petrilli (Bari), Bioethics: Semiotics of Life and Global Communication
  2. Prof. Dr. Winfried Nöth (Kassel), Protosemiotics
  3. Prof. Dr. John Deely (Houston), The Physiosemiotic Challenge
  4. Prof. Dr. Lucia Santaella (S ?o Paulo), "Matter as Effete Mind": Peirce's Synechistic Ideas on the Semiotic Threshold
  5. Prof. Dr. Jesper Hoffmeyer (Copenhagen), Biological Foundations of Semiosis
  6. Prof. Dr. S?ren Brier (Copenhagen), Cybersemiotic as a Bridge Between Nature and Culture
  7. Prof. Dr. Claus Emmeche (Copenhagen), Machines, Artificial Life, and Mind
  8. Prof. Dr. Frederik Stjernfelt (Copenhagen), Categorial Perception, Topology, and the Semiotic Threshold
  9. Prof. Dr. Udo L. Figge (Bochum), The Boundaries of Semiotics
  10. Dr. Menno Hulswit (Netherlands), A Semeiotic Account of Causation
  11. Prof. Dr. Martin Krampen (Ulm), Semiosis in Plants
  12. Prof. Dr. Kalevi Kull (Tartu), Whether Life, or Semiosis, can be Minimal
  13. Prof. Dr. Floyd Merrell (Purdue, Ind.), Peirce's Ten Signs Meet Antonio Damasio's Concept of Cognition
  14. Priv.-Doz. Dr. Dagmar Schmauks (Berlin), Steps towards Cyborgization
  15. Dr. Christina Ljungberg (Zürich), Wilderness from a Semiotic Perspective
  16. Dr. Constantin von Pückler (Berlin and Hannover), Ter-Identity and Continuity
Die Zeitschrift Sign Systems Studies (Tartu) hat inzwischen eine Auswahl der Ergebnisse dieses Kolloquiums in ihrem Themenheft 29.1 unter dem Titel Semiotics of Nature unter der Leitung von W. Nöth und K. Kull herausgegeben. In Kooperation hat Kassel University Press dieses Themenheft in einer Online-edition veröffentlicht. Weitere Aspekte dieses Themenkreises hat W. Nöth in seinem Beitrag zu dem Band Kultur und ihre Wissenschaft (hg. v. U. Helduser & T. Schwietring) unter dem Titel "Paradigmen vom Dualismus Natur vs. Kultur und Ansätze zu deren Dekonstruktion" erörtert, der im Jahr 2002 beim Universitätsverlag in Konstanz erschienen ist.


Principal Investigator

Last updated on 2017-11-07 at 14:08