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Nationale Identitätszuschreibung zwischen Deutschland und Frankreich vom Ersten Weltkrieg bis zu Beginn der fünfziger Jahre


Project Details
Project duration: 19982003


Abstract
In der wissenschaftstheoretischen Position der konstruktivistischen Nation-Auffassung ist das vorliegende Projekt verankert. Grundsätzlich soll das Projekt unter zwei Gesichtspunkten die unter II. dargestellten Forschungsdesiderata erfüllen. Zum ersten soll - im Hinblick auf eine angemessene Konzeptbildung für die Analyse nationaler Identitätszuschreibung - die Vorgeschichte der konstruktivistischen Nationdeutung in der politischen Soziologie nachgezeichnet werden. Dies ist bislang nur auf ganz unzulänglicher Quellenbasis und in nicht begründeten Ausschnitten versucht worden in Dirk Richter: Nation als Form, Köln 1996. In der Nachzeichnung der konstruktivistischen Tradition der Nation-Analyse soll insbesondere Robert Michels einbezogen werden (den z.B. Richter ganz ignoriert, obwohl er die ausgreifendsten und zahlreichsten Arbeiten zum Thema vorgelegt hat). Zweitens sollen - mit Blick auf eine verbesserte Kenntnis und ein vertieftes Verständnis für die Wahrnehmung des Anderen - die Inhalte und Ursprünge der wechselseitigen nationalen Identitätszuschreibung zwischen Deutschland und Frankreich ermittelt werden. Dies soll anhand von zwei Quellenkategorien geschehen: 1. den Kulturzeitschriften der genannten Zeitspanne 2. den essayistischen Buchveröffentlichungen in Frankreich über Deutschland und in Deutschland über Frankreich im selben chronologischen Abschnitt. Es handelt sich in beiden Fällen um Literatursorten, die ein größeres Publikum zu erreichen suchen und die deshalb als Quelle autoritativer Fremdwahrnehmung vorrangig in Betracht kommen. Insbesondere für die Zwischenkriegszeit kann man im Falle Deutschland-Frankreich von einer medialen Leitfunktion der Kulturzeitschriften und der literarischen Form des Essays ausgehen. In bezug auf die Ergebnisse dieses Projekts ist dieses Quellenmaterial folglich von höchster Relevanz, da diese medialen Vermittlungswege nationalidentitärer Diskurse die privilegierten Orte für Intellektuelle, also für diejenigen gesellschaftlichen Akteure waren, die gemäß der Kernthese der konstruktivistischen Nation-Auffassung von Anfang bis heute als "Hersteller", Urheber und Verteiler nationaler Identitätsvorstellungen gelten. Da es zu den Prämissen konstruktivistischer Nation-Auffassung gehört, daß nationale Identitätsmerkmale nicht objektiv vorgegeben, sondern wesentlich vorgestellt und produziert sind, soll daher aus sprachlich-kommunikationeller Perspektive die Entstehung und Wirkung der ermittelten Wahrnehmungsmuster im Kontext der politik-, gesellschafts- und intellektuellengeschichtlichen Rahmenbedingungen interpretiert und typologisiert werden.

Last updated on 2017-11-07 at 14:10