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Die politische Ökonomie handelbarer Emissionslizenzen in Theorie und Praxis Dissertationsprojekt, abgeschlossen)


Project Details
Project duration: 20002005


Abstract
Trotz jahrzehntelanger Empfehlungen von Umweltökonomen ist in der praktischen Umwelt-politik bis heute eine Vernachlässigung umweltökonomischer Instrumente im allgemeinen und handelbarer Emissionslizenzen im besonderen zu beobachten. Gleichsam erlebt das In-strument seit dem neuen Jahrtausend eine Renaissance insbesondere in der internationalen Klimapolitik. Damit stellt sich die in der Literatur bisher wenig zufriedenstellend beantworte-te Frage: Wie lässt sich der zunächst zurückhaltende Einsatz der Lizenzlösung in der Um-weltpolitik erklären und welche Erfolgsbedingungen können für die zunehmende Beachtung in jüngster Vergangenheit identifiziert werden?
Stellt man die Frage nach den Gründen des geringen Einsatzes eines Problemlösungsmecha-nismus, so liegt zunächst die Vermutung nahe, dass der Mechanismus objektiv keinen Beitrag zur Lösung von Problemen leistet. Dieser Vermutung wird in der Arbeit mittels einer um-weltökonomischen Wirkungsanalyse nachgegangen. Dem Einwand einer allein modelltheore-tisch abgeleiteten hohen Problemlösungskapazität wird mit einer Analyse des bisher umfas-sendsten Emissionshandelssystem, des Schwefeldioxid-Allowance-Trading in den USA, ent-gegengetreten. Da eine fehlende Problemlösungskapazität somit nicht für den zurückhalten-den Einsatz in der Praxis verantwortlich gemacht werden kann, werden Hinderungsgründe im politischen Raum gesucht. Zunächst kann dabei die ökonomische Theorie der Politik durch Rekursion auf eigennutzmaximierende Akteure Widerstände gegen das Instrument verdeutli-chen. Ein Abgleich mit empirischen Erfahrungen bei der Implementierung der Lizenzlösung in den USA zeigt aber einerseits Schwächen der ökonomischen Theorie der Umweltpolitik. Andererseits können jedoch auch empirisch relevante politische Erfolgsbedingungen identifi-ziert werden. Eine Synthese des polit-ökonomischen Modells mit einer der Politikfeldanalyse entlehnten Systematik erlaubt dann die Strukturierung der Einflussfaktoren, so dass einerseits Handlungsempfehlungen für die Praxis und andererseits eine Fortentwicklung der ökonomi-schen Umweltpolitiktheorie ermöglicht werden. Die Anwendung des erweiterten Erklärungs-modells auf den Entscheidungsprozess um einen EU-Emissionshandel mit Treibhausgasen bestätigt abschließend die empirische Relevanz des erweiterten Erklärungsansatzes.
Mit diesem Vorgehen gelingt es insgesamt erstens Unterschiede und Entsprechung in der U.S.-amerikanischen und der deutschen Instrumentenwahl zu identifizieren. Zweitens werden politische Erfolgsbedingungen der Lizenzlösung herausgearbeitet und drittens Eckpunkte ei-ner neuen, interdisziplinären Umweltpolitiktheorie lokalisiert.


Principal Investigator

Last updated on 2017-11-07 at 13:39