Projekt ohne Drittmittelfinanzierung

Science-Policy-Interfaces und Multi-Level Governance - ein Beitrag zur Implementation der Konvention über biologische Vielfalt?


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 04/200710/2007


Zusammenfassung
Auf dem Feld der Biodiversitätspolitik bleibt die nationale und regionale Umsetzung der in-ternational vereinbarten Politiken - insbesondere im Rahmen der Konvention über biologi-sche Vielfalt (CBD) - deutlich hinter den Erwartungen zurück. Eine Ursache dieser Diskre-panz zwischen Zielvereinbarung und Zielumsetzung liegt in der Komplexität des zugrunde liegenden Problems begründet: Einmal wird der Verlust der biologischen Vielfalt von einer Reihe internationaler Abkommen, neben der CBD etwa in der Ernährungs- und Landwirt-schaftsorganisation der UNO (FAO), und einer Fülle von Maßnahmen auf verschiedenen Handlungsebenen adressiert, die nicht immer in einem spannungsfreien Verhältnis zueinander stehen. Zudem haben wir es im Hinblick auf den naturwissenschaftlichen Gegenstand, die biologische Vielfalt, mit einem komplexen Querschnittsthema zu tun, das erheblichen Bera-tungsbedarf im Hinblick auf seine Ursachen sowie seine gesellschaftlichen Auswirkungen mit sich bringt. Und drittens spielen die lokale Ebene und die jeweiligen konkreten gesellschaftli-chen Naturverhältnisse eine wichtige Rolle für eine effektive Biodiversitätspolitik. Diese Sachverhalte lassen großen Interpretationsspielraum und damit Raum für konkurrierende Problemdefinitionen. Die Ausgangsannahme des Vorhabens lautet, dass die Bereitstellung von wissenschaftlichem Wissen zentral ist für eine bessere Implementierung der international vereinbarten Politiken. Das mit den Mitteln der ZFF zu beantragende DFG-Projekt untersucht, wie sich die Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik (Science-Policy Interfaces) auf den verschiedenen Entscheidungsebenen - der internationalen, supranationalen, nationalen und lokalen - gestalten und die Implementation der CBD beeinflussen. Zudem wird danach gefragt, welche Rolle Wissen spielt, das nicht von modernen wissenschaftlichen Institutionen bereitgestellt wird. Damit ist insbesondere das traditionale Wissen der lokalen Bevölkerung im Umgang mit biologischer Vielfalt gemeint.
Das Projekt verspricht, auf der empirischen Ebene das Verständnis des Politikinstrumentari-ums "Bündelung und Bereitstellung von wissenschaftlichem Wissen" und der Rolle von nicht-wissenschaftlichem Wissen zu verbessern, methodisch Ansätze zur Erforschung dieser Prozesse hervorzubringen, theoretisch einen Beitrag zur Global Environmental Governance und der Transformation des Staates zu leisten sowie politisch-strategisch Verbesserungsvor-schläge für die bestehenden bzw. entstehenden Science-Policy Interfaces zu unterbreiten (vgl. ausführlich den Abschnitt zu "Zielen des Projekts").
Das Thema hat eine hochgradige wissenschaftliche und politisch-praktische Relevanz. Das belegen viele Studien, Policy-Papiere und Stellungnahmen von der beteiligten Akteure, d.h. UNO-Gremien, Forschungsinstituten, Regierungen in so genannten "Geber"- und "Nehmer"-Ländern genetischer Ressourcen, Wirtschaftsverbänden und Nichtregierungsorganisationen. Die Relevanz wird nochmals erhöht durch die Tatsache, dass im März 2008 die 9. Vertrags-staatenkonferenz (COP) der CBD (erstmals) in Deutschland stattfinden wird. Es ist zu erwar-ten, dass die Bundesregierung wie auch die interessierte Fachöffentlichkeit verstärkt an Imp-lementierungsanalysen wie auch an der Frage der Vermittlung wissenschaftlichen Wissens in politische Prozesse interessiert sein werden.

Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 13:30