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PASSIVHAUS - Nutzungsorientierte Gestaltung von Passivhäusern


Project Details
Project duration: 06/200005/2003


Abstract
Zielsetzung
Die generelle Zielsetzung des Forschungsprojekts "Nutzungsorientierte Gestaltung von Passivhäusern" besteht darin zu klären, welche Anforderungen Passivhäuser erfüllen müssen, damit sie einen relevanten Anteil am Bauvolumen erreichen und einen konkreten Beitrag zum nachhaltigen Wohnen leisten können. Von einem Passivhaus wird dann geredet, wenn die Wärmeverluste so stark reduziert werden, dass eine separate Heizung nicht mehr erforderlich ist. Der jährliche Heizwärmebedarf liegt beim Passivhaus unter 15 kWh/m?. Dies entspricht etwa dem Energieinhalt von 1,5 l Heizöl und ist weniger als 1/10 dessen, was im heutigen Gebäudebestand notwendig ist.
Im Unterschied zu bisher durchgeführten Projekten gilt neben der Erfassung der Auswirkungen unterschiedlichen Nutzerverhaltens der Mieter folgenden Punkten das Forschungsinteresse:
  • detaillierte Untersuchung der Ursachen des Nutzerverhaltens;
  • Ableitung und Durchführung von Feedback- und Verbesserungsmaßnahmen;
  • Untersuchung der durch diese Maßnahmen erreichten Ergebnisse.

Ergebnisse
Als bundesweites Novum wurden in Kassel im Mai 2000 zwei Passivhäuser mit insgesamt 40 Wohnungen im Rahmen des sozialen Mietwohnungsbaus fertig gestellt. Die Beantwortung der oben genannten sozialwissenschaftlichen Fragestellungen bezüglich des Nutzerverhaltens in diesen beiden Passivhäusern erfolgte mittels mehrerer teilstandardisierter persönlicher Befragungen aller Mieter in diesen zwei Häusern.
Es stellte sich heraus, dass den Punkten "Passivhaus" und "Heizkosten" von den Mietern wenig Bedeutung bei der Entscheidung zum Einzug in eines dieser Häuser beigemessen wird, wohingegen den Punkten wie "Neubau", "Wohnumfeld" und "Balkon" wesentlich höhere Bedeutung zukommt. Ursächlich hierfür sind der sehr geringe Bekanntheitsgrad von Passivhäusern und das geringe Wissen über die Höhe der erzielbaren Heizkosteneinsparungen. Selbst nach einem diesbezüglichen Informationsschreiben wurden die möglichen Heizkosteneinsparungen auch in der zweiten Befragung unterschätzt.
Die Zufriedenheit der Mieter mit den Passivhäusern war vor und nach der ersten Heizperiode gleichbleibend hoch. Neben dieser positiven Grundeinstellung herrschte eine besondere Sensibilität der Mieter hinsichtlich der lüftungsanlagenbedingten Geräusche und der Wechselintervalle für Filter in den Wohnungen.
Wie bereits in Passivhäusern von Eigentümern beobachtet, variiert auch in Passivhäusern für Mieter der Heizenergieverbrauch erheblich. In konventionellen Gebäuden konnte ein großer Teil dieser Schwankungen mit psychologischen Modellen erklärt werden. Es zeichnet sich aber ab, dass der Erklärungsgehalt dieses Arbeitsansatzes bei Passivhäusern abnimmt. Während im Wohnungsbestand die Heizung im wesentlichen den Wärmebedarf deckt, tragen im Passivhaus der Einsatz von Elektrogeräten, der Warmwasserverbrauch und die Bedienung eventuell vorhandener Verschattungselemente nahezu gleichrangig zur Wärmebedarfsdeckung bei, so dass eine Gegenüberstellung von gemessener Heizenergie und psychologischen Kategorien nicht mehr aussagekräftig ist.


Last updated on 2017-11-07 at 13:30