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Mythos Ödipus. Untersuchung zur Struktur des Ödipalen in der zeitgenössischen Gefühlskultur


Project Details
Project duration: 01/199912/2001


Abstract
Für Freud war der Ödipuskomplex der Kernkomplex der Neurose, und er hat dem ödipalen Konflikt eine zentrale Bedeutung für die Kulturwerdung des Menschen zugeschrieben. Durch die Entdeckung von Melanie Klein und die Arbeiten ihrer Schule zu den "Frühformen des Ödipuskomplexes" hat das theoretische Konzept eine wesentli-che Erweiterung und Weiterentwicklungen erfahren, die sich nicht nur in einer Ausweitung der psychoanalyti-schen Behandlung auf Personen, die davor als unbehandelbar galten (Psychosen), niedergeschlagen haben, son-dern vor allem auch das Gewicht des Ödipalen in der Geschichte des Menschen bestätigen. Freud hat die Ausar-beitung des Ödipuskomplexes lediglich für das männliche Kind geleistet, worin eine empfindliche Schwäche seiner Theorie lag. Erst die nachfolgenden Generationen, insb. von Psychoanalytikerinnen, haben die Untersu-chung und Konzeptualisierung der dem Ödipuskomplex entsprechenden strukturierenden Konfliktkonstellationen für die Entwicklung des weiblichen Kindes, die Konstitution der Weiblichkeit, in Angriff genommen. Diese Ent-wicklungen und Weiterentwicklungen von Freuds theoretischem Kernstück des Ödipalen in der Psyche des Men-schen war von Anfang an begleitet von einer Diskussion der Frage nach der universalen Geltung des Ödipuskom-plexes. Mit den Veränderungen, die sich in diesem Jahrhundert innerhalb unserer Gesellschaft vollzogen haben, hat die Frage nach der Geltung des Ödipuskomplexes neue Aktualität gewonnen. Parallel zu der gesellschaftlichen Schwächung der Stellung des Vaters hat sich ein Wandel in der Gefühlskultur (der Beziehungen) vollzogen, die zum einen die Familie betrifft, zum anderen aber auch Bereiche der professionellen therapeutischen und pädago-gischen Arbeit. "An Stelle konflikthafter, ödipaler Auseinandersetzungen sind duale Beziehungskonzepte getre-ten, die vor allem auf Unterstützung, Ermutigung und Förderung zielen. Analog zur frühen Mutter-Kind-Beziehung soll die therapeutische bzw. pädagogische Beziehung psychisches Wachstum und stabiles narzißsti-sches Gleichgewicht ermöglichen." (Ahrbeck/Körner) Das Projekt soll einen Beitrag zur Untersuchung dieser Veränderungen innerhalb der Psychoanalyse und in Feldern der Alltagskultur leisten. Folgende Arbeitsprojekte sind im Rahmen der Untersuchung zur Struktur des Ödipalen in der zeitgenössischen Gefühlskultur für den An-tragszeitraum geplant: 1. Eine Bestandsaufnahme zur Bedeutung des Ödipuskomplexes in der gegenwärtigen psychoanalytischen Pra-xis und Theoriediskussion 2. die erweiterte Ausarbeitung des Konzepts für die geplante Tagung "Ödipale Passagen. Von den Frühformen des Ödipuskomplexes zur Anerkennung des Gesetzes" vom 5.-8. Oktober 2000 um Drittmittel fürdie Durch-fürhung der internationalen Tagung einzuwerben 3. Auswertung der Tagung und Publikation der Beiträge in einem Sonderheft der Zeitschrift "arbeitshefte kin-derpsychoanalyse"


Principal Investigator

Last updated on 2017-11-07 at 14:21