Projekt ohne Drittmittelfinanzierung

Neue Formen von Arbeit, Fürsorge und Vergemeinschaftung im Dritten Sektor. Seniorengenossenschaften als Akteure gesellschaftlichen Wandels


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 01/200812/2009


Zusammenfassung
Moderne Industriegesellschaften sind gegenwärtig umfassenden Prozessen sozialen Wandels ausge-setzt. Hierzu zählen demographischer Wandel und Veränderungen von Erwerbsarbeit ebenso wie die Pluralisierung von Lebensformen und der Wandel der Geschlechterverhältnisse. Diese Trans-formationenprozesse wirken nicht isoliert voneinander, sondern zeigen deutliche Tendenzen sich gegenseitig zu verstärken und zu beschleunigen. Das geplante Projekt baut auf eine qualitative Vor-studie auf und nimmt die Verknüpfungen und Wechselwirkungen in den Prozessen sozialen Wan-dels in den Blick. Ziel ist es, die Chancen, Risken und Aufgaben, die sich aus dem Zusammentref-fen der Umstrukturierung der sozialen Sicherungssysteme demokratischer Wohlfahrtsstaaten west-licher Prägung und dem demographischen Wandel ergeben, zu analysieren: Alter gewinnt zuneh-mend die Bedeutung einer eigenständigen Lebensphase, deren Gestaltung und soziale Sicherung verstärkt in den Blick gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Debatten rückt. Hier zeigen sich sozialpolitisch brisante Herausforderungen, neue Modelle zur Bewältigung steigender Fürsorge- und Pflegearbeiten zu erproben. Denn sowohl die staatlichen Transferleistungen als auch die Bereit-schaft von Frauen, solche Pflichten im Rahmen familiärer Arrangements auch in Zukunft zu über-nehmen, sind deutlich rückläufig. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund erfahren Ressourcen und Kompetenzen alter und älterer Menschen verstärkt Beachtung. Dieser Perspektivenwechsel zeigt sich sowohl in den Konzepten der Gerontologie und in den Angeboten der offen Altenarbeit als auch in den Diskussionen um Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement von Seniorinnen und Senioren. In diesem Zusammenhang erweist sich das Modell der Seniorengenossenschaften, das eines der ersten Projekte zu gesellschaftlichem Engagement Älterer darstellt, als ausgesprochen stabile und zugleich tendenziell unterschätzte Organisationskultur in diesem Feld.
Insgesamt existiert im Bereich bürgerschaftlichen Engagements Älterer eine große Zahl von Projek-ten und neuen Modellen und wir verfügen über verschiedene soziologische Evaluationsstudien. Grundlegende Forschungsfragen sind aber bisher kaum berücksichtigt worden: Welche Formen von Arbeit und Arbeitsteilung entwickeln sich in einem Feld, in dem neue Ansätze des bürgerschaftli-chen Engagements und die Organisation notwendiger Pflege- und Fürsorgearbeiten aufeinander treffen? Leisten die hier entstandenen Organisationen einen Beitrag zur Entwicklung neuer, alter-nativer Formen der sozialen Sicherung? Wie korrespondieren oder kollidieren diese Umbrüche mit herkömmlichen Organisationsprinzipien von Fürsorge- und Pflegearbeit? Welche Auswirkungen haben sie auf die traditionelle geschlechtliche Arbeitsteilung?
Entlang dieser grundlegenden Fragen nimmt das Projekt die Implikationen des sozialen Wandels für demokratische Formen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und ihre geschlechtergerechte Gestal-tung in den Blick. Die geplante Untersuchung knüpft an das qualitative Forschungsdesign einer von der Antragsstellerin bereits durchgeführten Pilotstudie an.


Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 14:22