Drittmittelprojekt

IM-PORT//EX-PORT - Ein Schiff für Kunst und Wissenschaft in Kassel (Projekt zur dOCUMENTA (13))


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 04/201210/2012


Zusammenfassung
Auf dem stillgelegten Schiff ›Stadt Kassel‹, wurde anlässlich der dOCUMENTA (13) eine transdisziplinare Plattform für Kunst und Wissenschaft unter dem Namen IM-PORT//EX-PORT auf der Fulda geschaffen. Das Schiff, das 40 Jahre für die Personenschifffahrt genutzt wurde, bietet im Stadtzentrum an der Fulda einen Ort mit ungewöhnlicher Aufenthaltsqualität. Die MS IM-PORT//EX-PORT wird unter anderem für Ausstellungen, Vorträge, Konzerte und Workshops umgenutzt und stetig signifikant umgebaut und erweitert. Künstlerinnen und Künstler, Gestalterinnen und Gestalter sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Richtungen, Disziplinen und Stile finden hier einen ungewöhnlichen Raum für Auseinandersetzung und Dialog. Mit Blick auf die Entwicklung von Städten lässt sich feststellen, dass immer wieder Freiräume, Leerstände und Brachflächen entstehen, Orte die ihre ursprünglich vorgesehene Funktion verloren haben. Die Suburbanisierung und der wirtschaftliche Strukturwandel haben ebenso wie Immobilienspekulationen, verfehlte Planungen sowie die Abwanderung von Teilen der Bevölkerung zu vielfältigen Formen von Leerstand beigetragen. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis von verschiedenen Akteuren, die Stadt als Lebensraum aktiv mit zu gestalten und in dem Leerstand ein Potential zu erkennen und zu benennen. Mitbestimmungsmöglichkeiten für Bewohner schaffen eine neue Form von Identifikation mit der Stadt und hinterfragen klassische Planungsmethoden. Diese Phänomene werden normalerweise im Zusammenhang mit Metropolen diskutiert. Wir leben in Kassel, einer mittelgroßen deutschen Stadt, die alle 5 Jahre durch die documenta in die Mitte der Aufmerksamkeit rückt. Als Architekten, Künstler und Designer wollen wir den städtebaulichen Problemzonen in Kassel unsere Aufmerksamkeit schenken. Die konkrete Intervention in ganz spezifischen Zusammenhängen bestimmt unser Handeln und stellt die Selbstverständlichkeit von Anschauungsmustern in Frage. Uns interessieren Orte im Übergang, Orte, die durch ihre uneindeutige Funktion irritieren, Orte die eine Geschichte haben, die zwar nicht unbedingt sichtbar ist, die wir aber durchaus spüren. An der Schlagd – einem Anlegeplatz im Zentrum Kassels – hat sich unser Interesse festgemacht. Das dort vor Anker liegende ausrangierte Fahrgastschiff "Stadt Kassel" haben wir in die „MS IM-PORT// EX-PORT“ verwandelt und so für die räumliche Transformation einer speziellen Brache gesorgt: der Fulda, dem Fluss, der mitten durch die Stadt fließt und dennoch allzu leicht übersehen wird. Die MS IM-PORT//EX-PORT ist Impulsgeber für Diskussionen über Lebens- und Wohnsituationen, den Umgang und die Identifikation mit dem Fluss Fulda, für Konzepte und Strategien von Umnutzungsmaßnahmen im Bestand. An Bord verflüssigen sich vermeintliche Disziplingrenzen: Gemeinsam mit mehr als 250 nationalen und internationalen Künstlern und Musikern, Wissenschaftlern, Architekten, Designern, Verlegern und Autoren konnten 183 Veranstaltungen in den Formaten ›CLUB, LAB, SHOW, MAG‹ realisiert werden. Nach der 6-monatigen Realisierung an Bord der MS IM-PORT//EX-PORT widmen wir uns der umfangreichen Dokumentation des Projekts. Diese beinhaltet die Analyse der städtebaulichen Situation in Form von Interviews, Grafiken und Reportagen, den architektonischen, künstlerischen und sozialen Interventionen sowie der Gestaltung der an Bord realisierten Veranstaltungen. Die daraus entstehende Publikation ›IM-PORT//EX-PORT – Ein Schiff für Kunst und Wissenschaft‹ bildet den interdisziplinaren Abschluss des Projektes in den Fachbereichen Architektur und Visuellen Kommunikation.

Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 14:23