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Key Visuals: Visualisierungskonventionen und -strategien in den Bildschirmmedien in Deutschland, den USA, Brasilien und China (DFG-Antrag)


Project Details
Project duration: 20082010


Abstract

"Key Visuals" sind zu einem Einzelbild oder einer kurzen Bildsequenz verdichtete prägnante Bildelemente der massenmedialen Berichterstattung, die sich dem kollektiven Gedächtnis ihrer Zuschauer visuell einschreiben. Dieses interdisziplinäre Projekt untersucht Key Visuals der wichtigsten Fernsehsender in Deutschland, den USA, Brasilien und der VR China zu den Themen Krieg, Terrorismus, Naturkatastrophen und Olympische Sommerspiele 2008 in kulturvergleichender Hinsicht. Das Länderspektrum steht exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen den medialen Hegemonieansprüchen der neuen und alten »ersten« Welt (USA und Deutschland) und den Wegen der Medialisierung in Schwellenländern wie Brasilien und China. Die Schlüsselrolle, welche den massenmedial vernetzten Bildern der vier Medienkulturen in den Globalisierungs- und Glokalisierungsprozessen zukommt, wird auf der Grundlage von vergleichenden Bildanalysen aus ca. 400 Stunden Bildmaterial von TV-Jahresrückblicken seit 1999, aktueller Berichterstattung sowie Archiv- und Webbildern systematisch ausgewertet. Experten- und Onlinebefragungen ergänzen die Befunde. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den lokalen, kulturellen, transkulturellen und globalen Determinanten der Produktion, Auswahl, Präsentation und Rezeption von Key Visuals. Untersucht werden die medialen Konventionen und Mittel der Aufmerksamkeitslenkung sowie die Strategien der Einschreibung der Schlüsselbilder in die Wahrnehmung und Erinnerung der Zuschauer. Vor dem Hintergrund der Parallelen und Wechselwirkungen zwischen der Organisation von Kommunikation verfolgt die Untersuchung die folgenden Ziele: (1.) Unter dem Aspekt der Rezeptionsästhetik werden die Key Visuals als Verdichtungen von Informationsangeboten bestimmt; (2.) Als ein strategisch gewordener Bestandteil der Medien- und Kommunikationsökologie werden sie in einer interkulturellen Rahmenanalyse auf ihre identitätsstiftenden Funktionen untersucht; (3.) Neben dem »dokumentarischen« wird der »fiktionale« Wert der Key Visuals unterschieden; (4.) Aus der Sicht einer kognitiv orientierten Semiotik werden die Prozesse der Entstehung von und der Erinnerung an Bild und Text in Key Visuals untersucht.

Damit trägt dieses Projekt dazu bei, die bislang vor allem in sozialwissenschaftlichen Kontexten europäischer und nordamerikanischer Provenienz verhandelte Definition der Key Visuals unter dem gerade den neueren Bildschirmmedien eigenen Aspekt der »networks of flows« neu zu überdenken und für eine transdisziplinäre kulturanalytische Medienwissenschaft nutzbar zu machen, um dabei das Augenmerk der Forschung auf globale Horizonte zu lenken. Es plädiert damit für eine transdisziplinäre und zugleich kulturvergleichende Medienwissenschaft, in deren Zentrum angesichts fortschreitender Globalisierung der Medienkommunikation immer mehr die Frage nach den spezifischen Konventionen und Strategien der audiovisuellen Wissens- und Bedeutungsangebote sowie nach deren kultureller Verortung in geopolitischen bzw. hyperkulturellen Kontexten steht.



Principal Investigator


Co-Investigators

Last updated on 2017-11-07 at 14:25