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Übertragung - Übersetzung - Überlieferung. Zur kulturtheoretischen und wissenschafts-geschichtlichen Bedeutung des Verhältnisses von Sprache, Schrift und Unbewusstem


Project Details
Project duration: 01/199812/2001


Abstract
Kooperation: Prof. Dr. Marianne Schuller, Universität Hamburg (Literaturwissenschaft), Dr. Susanne Lüdemann, FU Berlin (Kultursoziologie), Dr. Roger Hofmann, Universität Frankfurt (Theater-, Film-, Medienwissenschaft) Fachgebiete: Philosophie, Literaturwissenschaft, Psychoanalyse, Kultursoziologie Laufzeit: 1997 - 2001 (voraussichtlich) Forschungsziele: Ziel des Vorhabens ist eine wissenschaftsgeschichtlich und systematisch orientierte Rekonstruktion der epistemologischen Grundlagen der Psychoanalyse. Im An-schluss an die neuere, insbesondere im angelsächsischen und französischen Sprachraum in den Sozial- und Kulturwissenschaften weiterentwickelte Anwendung der Metapsychologie Freuds und Lacans (Theorie des Imaginären, Symbolischen und Realen) im Feld der interdis-ziplinären Cultural Studies (u.a. Literatur-, Film-, Medien-, Kunstwissenschaften) sollen der in erkenntnistheoretischer Hinsicht eigenständige Status der Psychoanalyse sowie ihr Beitrag zu einer Theorie der Übertragung (subjektive Dimension), der Übersetzung (textuelle Dimen-sion) und der Überlieferung (kulturelle und soziale Dimension) analysiert werden. Bericht 1997-1999 Die Signatur der Moderne um 1900 ist, wie die neuere Wissenschaftsgeschichte (Rheinberger 1997, Schuller 1997) gezeigt hat, von einer zeichen- und sprachtheoretischen Orientierung im Denken begleitet, die in der phänomenologischen Philosophie, in der Psychoanalyse und in der Sprachwissenschaft paradigmatisch wurde. Eine vergleichende Untersuchung und Aus-wertung dieser epistemologischen Ähnlichkeiten und Unterschiede im Zeichen- und Sprach-verständnis der genannten Wissenschaften und ihrer methodologischen Relevanz für die Grundlegung einer eigenständigen, zeitgenössischen Kulturwissenschaft ist bisher ein For-schungsdesiderat geblieben. Das Projekt hat im Berichtszeitraum - ausgehend von exemplari-schen Gegenstandsfeldern der Moderne/Postmoderne (Formen des kulturellen Gedächtnisses, Körperbilder, Geschlechterdifferenz) - die sprachanalytische Bedeutung der Psychoanalyse in ihrer erkenntnistheoretischen und methodologischen Selbstreflexion in dem zum großen Teil noch unübersetzten Werk Jacques Lacans (1926 -1980) zu rekonstruieren begonnen. Insbe-sondere die Fallstudien zu den epistemologisch wie kultursemiotisch bedeutsamen Schriften Lacans, die sich in einem direkten 'Dialog' mit der Fortentwicklung naturwissenschaftlicher wie philosophischer Theorien entfaltet haben, zeigten die erhebliche Bedeutung des sprach- und zeichentheoretischen Begriffsfeldes der Psychoanalyse für die Methodologie einer Kul-turwissenschaft, die Ernst Cassirers Theorie der 'symbolischen Ausdrucksformen' aufnimmt und zu spezifizieren sucht. Es zeigte sich, dass eine an den Kriterien historisch-kritischer Edi-tionspraxis orientierte Übersetzung bzw. Auswertung der Texte Freuds und Lacans hierfür unabdingbar ist. In Auswertung der literaturwissenschaftlichen und philosophischen Theorien der Übersetzung (W. Benjamin, J. Derrida, P. de Man, vgl. hierzu auch: A. Hirsch: De-konstruktion und Übersetzung, Frankfurt a. M. 1996) wurden folgende Untersuchungen durchgeführt: Auswertung der unveröffentlichten Schriften und Seminare J. Lacans zwischen 1956 und 1980; Zusammenstellung des Textarchivs, Übersetzung grundlegender Seminartexte zur The-orie der Subjektivität; - Studien zum epistemologischen Status der psychoanalytischen Kategorienlehre des Sym-bolischen, Realen und Imaginären (Publikation zum Verhältnis von Philosophie und Psy-choanalyse in Vorbereitung); - Kultur- und literaturwissenschaftliche Forschungsseminare zur Kategorienlehre der Psy-choanalyse mit auswärtigen Referent(inn)en (Prof. Dr. M. Schuller: Über die Buchstäb-lichkeit des Begehrens. Zu Kleists Erzählung Der Findling [4.-5.7. 1998]; Dr. G. Schmitz: Die Angst. Zu Jacques Lacan, Seminar X [28.-29.11. 1998]; Dr. Edith Seifert: Anatomie ist Schicksal? Die Körperlichkeit des Seelischen zwischen Hysterie und Hypothese des Unbewussten.[3.-4.7. 1999]); - Vorbereitung der internationalen Fachtagung Episteme und Sprache (in) der Psychoanaly-se Freuds und Lacans im Juli 2000. Bericht und Perspektiven 2000-2001 Im Anschluss an die 1997-1999 durchgeführten Untersuchungen wird im Rahmen einer inter-nationalen Fachtagung (14.-16. Juli 2000 in Kassel) unter dem Leitthema Episteme und Spra-che (in) der Psychoanalyse Freuds und Lacans der systematische Zusammenhang der Psy-choanalyse als einer Theorie der Übertragung, Übersetzung und Überlieferung untersucht werden. Ziel dieser Tagung (Programm und ausführliches Konzept s. Anlagen 5) ist die Vor-bereitung eines Drittmittelprojektes zum Tagungsthema sowie - ergänzend - zum Verhältnis von Dekonstruktion und Übersetzung. Es soll als interuniversitäres Verbundprojekt durchge-führt werden (Prof. Dr. Marianne Schuller, Hamburg, Prof. Dr. Hilde Kipp, PD Dr. Georg Christoph Tholen, Kassel). Im Zentrum der Tagung steht die deutsch-französische Rezeptionsgeschichte der Werke Freuds und Lacans unter Einbeziehung ihrer Wirkungsgeschichte in anderen europäischen Ländern (u.a. Österreich, Schweiz, Italien, Belgien und Irland). Gerade die wechselvolle Re-zeptionsgeschichte der Psychoanalyse Freuds in Frankreich und deren Rückübersetzung nach Deutschland verweist auf das prinzipielle Problem, dass wissenschaftliche Theorien dank je selektiver Formen der Rezeption und der institutionell unterschiedlich ausgerichteten Überlie-ferung in erheblicher Weise die Praxis des Lesens, Interpretierens und Übersetzens in ver-schiedenen Wissenschaften verändert und damit auch tradierte Auffassungen von der Wis-sensvermittlung kritisch reflektiert haben. Die drei Leitbegriffe der Tagung - Übertragung, Übersetzung, Überlieferung - verweisen also an sich selbst auf die Begriffe Subjektivität, Textualität und Sozialität und somit auf das Feld der Literatur - und Textwissenschaften so-wie der Sozial- und Kulturwissenschaften. Nähere Fragestellungen der Tagung sind daher: - Wie unterscheidet sich der spezifische Begriff der Übertragung der Psychoanalyse (ein-schließlich des Aspekts der 'Transmission' ihrer 'Lehre') von dem der Natur- und Geistes-wissenschaften? - Welche Funktion haben bestimmte Grundbegriffe der Psychoanalyse (Über-Ich, Gesetz, Phantasma, das Imaginäre usw.) für das Verhältnis von Sozialität und Textualität im Kontext der Literatur- und Gesellschaftstheorie? - Welchen Einfluss haben Übertragungspraktiken und Übersetzungsstile auf die Überliefe-rung der Texte Freuds und Lacans, in Frankreich, Deutschland, aber auch in anderen eu-ropäischen Ländern? Publikationen und Vorträge (Auswahl) Publikationen Georg Christoph Tholen (Hrsg., zus. mit Elisabeth Weber): Das Vergessen(e). Anamnesen des Undarstellbaren, Wien 1997. ders.: Vom Gesetz des Symbolischen, in: A. Adam/M. Stingelin (Hrsg.), Übertragung und Gesetz, Berlin 1995, S. 249-254. ders.: Die Sprache des Traums, In: RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse, Basel 1999, S. 35-62. ders.: Risse im Gefüge der Zeit. Zur Dekonstruktion von Begriffsbildern, in: U. Keller (Hrsg.), Zeitsprünge, Berlin 1999, S. 75-92. Vorträge Georg Christoph Tholen: Der blinde Fleck des Sehens (Zürich, Symposium über 'Das Sichtbare und das Un-sichtbare', Februar 1998). ders.: Die Sprache des Traums: Verschiebung und Verdichtung. Der Ort des Unbewussten bei Freud und Lacan (Int. Symposium 'Die Wissenschaft der Träume', Kath. Universität S?o Paulo, Brasilien, Mai 1999). ders.: Der Ort des Abwesenden. Zum Denken der Differenz in der zeitgenössischen Philosophie und Ethik (Kath. Hochschule Linz, Österreich Mai 1999).

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