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Biodiversität, Wasser- und Stoffhaushalt von Mittelgebirgs-Flussauen unter dem Einfluss anthropogener Nutzungen und klimatischer Veränderungen


Project Details
Project duration: 10/200809/2010


Abstract
Flussauen stellen wichtige Schnittstellen zwischen den aquatisch geprägten Lebensräumen eines Fliessgewässers und dessen Einzugsgebiet dar. Sie sind bezüglich ihres Wasser- und Stoffhaushaltes vielfältigen Einflüssen ausgesetzt. Dazu zählen vor allem unterschiedliche, intensive Nutzungen und der vom Menschen verursachte Klimawandel. Bisherige Untersuchungen lassen erwarten, dass der prognostizierte Klimawandel zu einem geänderten Niederschlagsverhalten und ansteigenden Temperaturen führt und vermehrt extreme Wettersituationen auftreten, die zu Häufungen bezüglich Hoch- und Niedrigwasser sowie einem geänderten Jahresgang im Abflussverhalten führen.
Hieraus leiten sich verschiedene Fragestellungen ab, deren Beantwortung dringend geboten ist, da Fliessgewässer in unserer Gesellschaft eine überragende Bedeutung sowohl hinsichtlich ihrer Nutzung (Wasserkraft, Wasserversorgung und -entsorgung, Tourismus und Naherholung) und ihres Gefahrenpotenzials (Hochwasser, Wassermangel) als auch bezüglich ihrer Biodiversität, als Lebensraum für Fauna und Flora haben.
Die Flussauen - einst artenreichste Lebensräume Mitteleuropas - werden vom Klimawandel besonders betroffen sein, da sie durch Gewässerausbau und Nutzungsintensivierung bereits stark beeinträchtigt sind und ihre natürliche Dynamik, Strukturvielfalt und damit Biodiversität weitgehend verloren haben. So sind "gesunde Ökosysteme ... gegenüber dem Klimawandel unempfindlicher und daher besser in der Lage, die Ökosystemdienstleistungen aufrechtzuerhalten, von denen unser Wohlstand [...] abhängt. Sie sind der Kernpunkt jeder Anpassungspolitik" .
Wichtige Bausteine zur Abpufferung der Klimawandelfolgen sind z.B. technische, wasserbauliche Anpassungsmaßnahmen und Änderungen der Nutzungsweise, z.B. in der Landwirtschaft, aber auch naturschutzfachliche Revitalisierungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen, die zur Pufferung der Klimawandelfolgen für unterschiedliche Artengruppen oder Nutzungsformen führen sollen, haben immer gleichzeitig auch Auswirkungen auf andere Standortfaktoren, Nutzungen und Biozönosen. Als ein Beispiel kann in diesem Zusammenhang der Ausbau der energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe genannt werden, der nicht nur bezüglich einer Minderung des Klimawandels eine Rolle spielt.
Gegenstand des Forschungsschwerpunktes ist die interdisziplinäre Untersuchung der Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen dem Naturhaushalt der Auen, ihren vielfältigen Belastungen, den prognostizierten Veränderungen und den Anpassungsstrategien an den Klimawandel.

Die Bedeutung dieses Themenkomplexes spiegelt sich in nationalen und internationalen politischen Rahmensetzungen , die neben der Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen insbesondere einen langfristigen Forschungsbedarf signalisieren.
Vor diesem Hintergrund sind in der AG Wasser folgende miteinander abgestimmte und vernetzte Forschungsideen entstanden:
· Wasserhaushalt / Wasserwirtschaft: Welche Folgen hat der Klimawandel im Zusammenhang mit der Auen-Nutzung auf den Wasserhaushalt und die Wasserwirtschaft und welche Anpassungsmöglichkeiten ergeben sich?
· Biodiversität / Naturschutz: Welche Folgen des Klimawandels auf die Biodiversität von Mittelgebirgs-Flussauen können prognostiziert werden? Welche Maßnahmen sind geeignet, den Folgen des Klimawandels für Biodiversität und landwirtschaftliche Nutzung entgegenzuwirken und gleichzeitig eine kostengünstige, eigendynamische Revitalisierung der Aue zu initiieren?
· Stoffhaushalt: Welche Auswirkungen auf den Stoffhaushalt und die Siedlungswasserwirtschaft resultieren aus den Folgen des Klimawandels? Welche Effekte haben geänderte Landnutzungsverfahren und morphologische Veränderungen in der Aue auf Stoffhaushalt und Siedlungswasserwirtschaft?
· Nutzung: Wie können existierende und durch den Klimawandel gegebenenfalls verschärfte Zielkonflikte bei der landwirtschaftlichen Nutzung von potentiellen Überschwemmungsflächen unter Berücksichtigung von Gewässerschutz und -management, regionsspezifischen Landnutzungsoptionen, naturräumlichen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Erfordernissen der Landwirtschaft gelöst oder vermindert werden?
· Ökonomie: Wie können existierende Zielkonflikte unter Berücksichtigung von Ge-wässermanagement, regionsspezifischen Landnutzungsoptionen und wirtschaftlichen Erfordernissen der Landwirtschaft gelöst oder vermindert werden?

Durch den Klimabezug besteht eine Schnittstelle zum KLIMZUG-Vorhaben "Klimaanpassungs-netzwerk für die Modellregion Nordhessen" .
Während KLIMZUG den Schwerpunkt auf die Umsetzung für die Klimaanpassungsmaßnahmen für die Region Nordhessen legt, ist der ZFF-Antrag der AG Wasser auf eine mehr grundlagenorientierte, natur- und ingenieurwissenschaftliche Forschung für Mittelgebirgsflussauen ausgerichtet.




Last updated on 2017-11-07 at 13:41