Projekt ohne Drittmittelfinanzierung

Berthold Simonsohn (geb. Bernburg a.d. Saale 1912; gest. Frankfurt a. M.1978) - Biographie eines jüdischen Wissenschaftlers


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 03/200409/2006


Zusammenfassung
Eine herausragende Persönlichkeit der jüdischen Wohlfahrtspflege war Dr. jur. Berthold Simonsohn, ein Überlebender von Theresienstadt und Auschwitz. Er hatte eine große Bedeutung für die jüdische Sozialarbeit in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus, wo er u.a. Bezirksfürsorger für Nordwestdeutschland war. Er begegnete während dieser Jahre bedeutenden Persönlichkeiten des deutschen Judentums: u. a. Rabbiner Leo Baeck, Ministerialrat Hirsch, Paul Eppstein und Hannah Karminski. Auch in der Nachkriegszeit, in der er die wieder gegründete „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.” als deren erster Geschäftsführer und Mitglied des Vorstandes (1950-1961) aufbaute Und Mitglied des Vorstandes des Zentralrats dr Juden in Deutschland war, leistete er viel für das jüdische Leben in Deutschland. Im Gegensatz zu den anderen Wohlfahrtsverbänden (Deutscher Caritasverband, Diakonisches Werk, Arbeiterwohlfahrt), deren Entwicklung gut erforscht ist bzw. erforscht wird, besteht im Hinblick auf die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland ein Nachholbedarf. Durch die Erschließung des Nachlasses von B. Simonsohn können hierzu ein wesentlicher Beitrag geleistet und auch weitere Forschungen zur jüdischen Sozialarbeit angeregt werden. B. Simonsohn, geboren und aufgewachsen in Bernburg an der Saale, war schon als Jugendlicher an gesellschaftspolitischen und friedenspolitischen Fragen interessiert. Sein großes Vorbild war sein Onkel, der Publizist Alfred Fried, ein Bruder der Großmutter mütterlicherseits, der 1911 den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Berthold Simonsohn engagierte sich schon als junger Mensch in der SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) und in der zionistisch-sozialistischen Jugendbewegung, in der er an führender Stelle tätig war. Für die Entwicklung der Sozialpädagogik als Wissenschaft hat Simonsohn nach seiner Berufung 1962 als Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an der J. W.-Goethe-Universität in Frankfurt a.M. wichtige Anstöße gegeben. Insbesondere leistete er durch seinen interdisziplinären, tiefenpsychologisch fundierten theoretischen Ansatz wichtige Beiträge für die moderne Sozialpädagogik in Theorie und Praxis, die durch seine Veröffentlichungen und den großen Kreis seiner Schüler von nachwirkender Bedeutung waren.. Als Jurist und Sozialpädagoge galt sein Interesse insbesondere der Reform des Jugendhilfe- und Jugendstrafrechts sowie Fragen der Resozialisierung. Durch seine Berufung in die "Kommission des Bundesjustizministeriums zur Reform des Jugendstrafvollzugs" 1976 hat er an der Gestaltung der Gesetzesreform in entscheidender Weise mitgewirkt. Das Forschungsprojekt wurde durch die Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert.


Publikationen

2007
2006
2006

Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 14:33