Externally funded project

Karten als Brücken für Welt-Wissen: Westeuropäische und muslimische Kartographie des Mittelalters im interkulturellen Austausch


Project Details
Project duration: 07/200706/2011


Abstract
Das im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1173 "Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter" geförderte Projekt untersucht den Wissensaustausch zwischen der christlichen und islamischen Welt des Mittelmeerraumes anhand kartographischer Vorstellungen. Die Quellengrundlage bilden ausgewählte Welt-, Portulan- und Regionalkarten vom ausgehenden 11. bis zum 15. Jahrhundert, die vor dem Hintergrund geographischer, enzyklopädischer, astrologischer und historiographischer Texte interpretiert werden.Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf den für die kartographische Erfassung der Welt wichtigen Kontaktzonen zwischen dem christlichen Europa und der muslimischen Welt, auf der Iberischen Halbinsel und Mallorca (z.B. Beatus von Liébana, Petrus Alfonsi, Katalanischer Weltatlas von 1375), auf Sizilien (al-Idrisi) und den norditalienischen Hafenstädten Genua und Venedig (u.a. Portulankarten, Weltkarte von Fra Mauro) sowie im Heiligen Land (bes. Regionalkarten). Die Fragestellung richtet sich zum einen auf die Rezeption islamischen Wissens in der europäischen Kartographie, zum anderen auf die Rezeption europäischen Wissens in der islamischen Kartographie (z.B. "Book of Curiosities"). Im Projekt sind jeweils die Inhalte, Wege und Strukturen des Informationsaustausches zwischen den verschiedenen Zentren islamischer Kultur und den europäisch-christlichen Knotenpunkten zu erforschen.Mit der Leitfrage nach den Wechselwirkungen im Bereich von Geographie, Astronomie und Weltbild sowie deren Bedeutung für die Integration und Desintegration Europas im hohen und späten Mittelalter wird an die interdisziplinäre kulturwissenschaftliche Forschung angeknüpft, die den Einfluss der arabischsprachigen Wissenschaften auf das lateinisch-christliche Europa in Astronomie, Philosophie und Medizin nachgewiesen hat. Die Karten werden auf Basis der mit den Schlagworten "spatial-turn" und "cartographical-turn" verbundenen aktuellen Raum- und Kartographieforschung betrachtet, die den Zeichenstatus vormoderner Karten betont. Karten sind Medien zur Vermittlung bestimmter Raum- und Herrschaftsvorstellungen; sie bilden geographische, politische und kulturelle Räume nicht einfach nur ab, sondern erschaffen sie erst. Im Projekt werden daher nicht nur Küstenlinien, Koordinaten und eingezeichnete Orte untersucht, sondern das gesamte Bildprogramm, die Intentionen der Kartographen sowie die Kriterien für die Produktion und Verbreitung der Karten im interkulturellen Kontext. Die Betrachtung regionaler Fallbeispiele beinhaltet eine europäisch-mediterrane Dimension, ohne von einer Einheitskultur sowohl der islamischen als auch der christlichen Welt auszugehen. Dabei sind die räumlichen, politischen und kulturellen Bedingungen in den Kontaktzonen des Mittelmeerraumes ebenso zu bedenken wie die zeitlichen Veränderungen vom 11. bis 15. Jahrhundert.


Principal Investigator


Research Areas



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