Externally funded project

„Die Witwe des Königs – Repräsentation und Performanz von Geschlecht und Herrschaft im spätmittelalterlichen deutschen Reich“, zusammen mit Dr. Stefanie Dick, im Forschungsschwerpunkt „Dimensionen der Kategorie Geschlecht – Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen“


Project Details
Project duration: 05/201312/2014


Abstract
Die Witwe des Königs - Repräsentation und Performanz von Geschlecht und Herrschaft im spätmittelalterlichen deutschen Reich Im Zentrum des Projektes steht die Analyse der gesellschaftlichen, rechtlichen und verfassungsmäßigen Position der Königswitwe im spätmittelalterlichen Reich. Ziel ist es, die miteinander verflochtenen Dimensionen von Geschlecht und Herrschaft auf der Ebene des Königtums näher zu bestimmen. In der Forschung bleibt dieser Aspekt gewöhnlich unberücksichtigt, da sich das Interesse geschlechtergeschichtlicher Untersuchungen vor allem auf die Situation der Königinnen bzw. Kaiserinnen richtet, während politische und verfassungsgeschichtliche Fragestellungen ausschließlich auf die Könige bzw. Kaiser bezogen werden. Um den komplexen zeitgenössischen Verhältnissen gerecht zu werden, erscheint es daher sinnvoll, König und Königin nicht länger isoliert zu betrachten, sondern als Königspaar im Sinne eines relationalen sozio-politischen Systems aufzufassen. Aus einer solchen Perspektive ergeben sich neue Untersuchungsansätze, da auf diese Weise die gerade beim Königspaar eng miteinander verflochtenen Dimensionen von Geschlechterbeziehung und institutionellen Elementen überhaupt erst sichtbar gemacht werden können. Ausgehend von einem solcherart systemischen Verständnis des Königspaares im mittelalterlichen deutschen Reich, soll im Rahmen des Projekts die Frage nach der Repräsentation und Performanz von Geschlecht und Herrschaft am Beispiel spätmittelalterlicher Königswitwen untersucht werden. Im Kern geht es darum, die Möglichkeiten und Grenzen des Herrschaftshandelns der königlichen Witwen für die Zeit nach dem Interregnum, also von 1273 bis 1442 (die letzten beiden Könige des Mittelalters, FriedrichIII. und MaximilianI., überlebten ihre Gemahlinnen) auf der Grundlage einer historisch-kritischen Quellenanalyse auszuloten. Darüber hinaus ist bei der Frage nach den politischen wie institutionellen Herrschaftsdimensionen und -qualitäten auch der Aspekt geschlechterspezifischer Zuweisungen von Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Räumen zu berücksichtigen. Während das Phänomen der Witwenschaft aufgrund der Quellenlage gerade für das späte Mittelalter aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven - wie Geschichte, Literaturwissenschaft und Theologie - und vor allem im Hinblick auf bürgerliche und adelige Witwen inzwischen recht gut erforscht ist, fehlt eine systematische Untersuchung der spätmittelalterlichen Königswitwen völlig. Dies lässt sich nicht zuletzt darauf zurückführen, dass das „Königinnentum" auf der Grundlage des derzeitigen Forschungsstandes nur schwer zu konturieren ist. Dabei erscheint gerade die Fokussierung auf Königswitwen insofern vielversprechend, als hier eine besonders günstige Untersuchungsgrundlage gegeben ist: So ist der Witwenstand im Mittelalter seinem Wesen nach relational gedacht und auf den verstorbenen Ehemann bezogen, eine Witwe ist nur als Teil eines (gewesenen) Paares verständlich. Zudem verfügen wir für die Königswitwen potentiell über Informationen aus beiden Lebensphasen: für die Zeit des amtierenden Königspaares ebenso wie für die Zeit nach dem Tod des königlichen Gemahls, weshalb hier einzigartigartige Vergleichsmöglichkeiten vorhanden sind, die Aufschluss über die Qualität des Verhältnisses von Geschlecht und Macht auf der Ebene des Königtums geben können.


Research Areas


Last updated on 2020-13-07 at 12:02