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Weideökologische und weidewirtschafliche Untersuchungen der pastoralen Systeme mit Haarschafen in den immerfeuchten Tropen Südamerikas am Beispiel der Provinz Sucumb?os, Ecuador.


Project Details
Project duration: 09/199608/2000


Abstract
Der immerfeuchte Regenwald ist ein schützenswertes Ökosystem. Dennoch erfährt gerade der Amazonas-Regenwald seit Mitte des 20sten Jahrhunderts eine rasante Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzfläche. An erster Stelle ist hier vor allem die Etablierung von Rinderweiden zu nennen, die in der Vergangenheit zu verheerenden ökologischen Schäden geführt hat. In Gebieten kleinbäuerlicher Betriebe kann die Haarschafhaltung eine nachhaltige und standortangepasste Form der Tierhaltung auf den schon entwaldeten Flächen darstellen, da sie zur Diversifizierung der Landnutzungssysteme und zur Erhöhung der Flächenproduktivität beiträgt. Der Teufelskreis "Rodung-landwirtschaftliche Nutzung-Degradierung-weitere Rodung" könnte somit durchbrochen werden und einer weiteren Entwaldung entgegenwirken. In der ecuadorianischen Provinz Sucumb?os wurden deshalb Haarschafe im Rahmen des Agroforstprojektes PROFORS Anfang der 90er Jahre in kleinbäuerliche Betriebe mit Kaffeeanbau und Rinderhaltung als Hauptbetriebszweige eingeführt. Obwohl die Haarschafhaltung momentan dem Nebenerwerb dient, erfährt sie eine steigende Verbreitung. Ziel dieser Arbeit war es, die weideökologischen und die weidewirtschaftlichen Grundlagen der Haarschafhaltungssysteme zu untersuchen, die zukünftig die Basis für eine dringend notwendige Grünlandberatung darstellen werden. Diese Grundlagen ermöglichen betriebsangepasste Verbesserungs- und Intensivierungsmaßnahmen im Weidemanagement der Haarschafe. Anhand von Befragungen auf 33 haarschafhaltenden Betrieben im Kernbereich der Haarschafhaltung wurde ermittelt, dass Haarschafe in der Regel im Standweideverfahren auf der spontanen Krautschicht unter Dauerkultur (agrosilvopastorales System) und zusammen mit Rindern auf Brachiaria-decumbens-Weiden unter Forstkultur (silvopastorales System) weiden. Die Weideflächen sind im Allgemeinen unterbeweidet. Anschließend wurden auf 15 Betrieben die Weideflächen der Haarschafe floristisch erfasst und zum einen je nach Hauptbestandsbildner in Vegetationstypen und zum anderen anhand der tabellarischen Klassifikation in Pflanzengesellschaften eingeteilt. Die Vegetationstypen wurden auf der Grundlage des Fressverhaltens der Schafe hinsichtlich der Pflanzenarten weidewirtschaftlich bewertet. Dazu wurde jedem Vegetationstyp eine Bewertungsziffer zugeteilt. Die für die Haarschafhaltung weidewirtschaftlich interessanten Vegetationstypen der spontanen Krautschicht sind diejenigen mit den Hauptbestandsbildnern Axonopus compressus, Oplismenus burmannii oder Desmodium axillare. Der erstere ist im Vergleich zu den beiden anderen beweidungsfest und somit für die Haarschafhaltung mit höheren Besatzstärken von großer Bedeutung. Nicht für die Haarschafhaltung geeignet sind unter anderem die Vegetationstypen der spontanen Krautschicht mit den Hauptbestands-bildnern Panicum stoloniferum, Panicum polygonatum oder Panicum pilosum. Hochwüchsige und verbuschende Vegetationstypen, die unter anderem aus staudenartigen Pflanzen oder Hyptis aff. pectinata bestehen, sind nicht für die Schafhaltung geeignet, denn sie werden von Schafen gemieden. Da Brachiaria decumbens von Schafen gut gefressen wird, sind vor allem diejenigen Vegetationstypen der Brachiaria-decumbens-Weiden für Schafe geeignet, die wenig verunkrautet sind, aber auch die, dessen Unkräuter gut von Schafen gefressen werden, wie z. B. Axonopus compressus. Anhand der direkten Gradientenanalyse konnte der Zusammenhang zwischen den Vegetationstypen und der Nutzung der Weideflächen und zwischen den Pflanzengesellschaften und den Standortparametern durchleuchtet werden. Ersteres diente zur Durchleuchtung von Managementmaßnahmen, die weidewirtschaftlich interessante Vegetationstypen fördern. Letzteres diente zur Erstellung eines auf floristischen Daten basierenden Standortbeurteilungssystems. Dieses stellt einen ersten Ansatz zur Beurteilung des Stickstoffvorrats, der Humosität, der landwirtschaftlichen Nutzungsdauer, der Bodenreaktion und des Beweidungsdruckes der Weideflächen. In einjährigen Weideversuchen wurde der Einfluss der Schafbeweidung auf die Weidevegetation mittels Frequenzanalysen und Deckungsanteil-Messungen mit der Punkt-Quadrat-Methode untersucht und unter anderem mit Hilfe der Hauptkomponentenanalyse ausgewertet. Auf einer optimal genutzten Brachiaria-decumbens-Weide konnte ermittelt werden, dass Schafbeweidung einen positiven Effekt auf das Wachstum dieses Kulturgrases hat. Brachiaria decumbens nahm zu, während Unkräuter, wie z. B. Cyperus luzulae, zurück gingen. Dieses liegt besonders an dem tiefanliegenden Verbiss der Schafe. Dieser fördert die Bestockung von Brachiaria decumbens und wirkt gegen den Befall der weitverbreiteten Schaumzikaden (Zulia pubescens, Mahanarva sp.). Der einjährige Weideversuch auf spontaner Krautschicht, auf der Schafe mit höheren Besatzstärken als in Sucumb?os üblich umgetrieben wurden, ergab, dass nicht beweidungsfeste Pflanzenarten, die gut von Schafen gefressen werden, wie Oplismenus burmannii, im Bestand zurückgehen. Dagegen erfuhren beweidungsfeste Pflanzenarten, die von Schafen gut gefressen werden, wie Axonopus compressus, keine Veränderung im Bestand. Andere Pflanzenarten, die nicht oder wenig von Schafen gefressen werden, wie z. B. Panicum polygonatum, erfuhren durch die Schafbeweidung keinen Konkurrenzvorteil gegenüber den gut gefressenen Pflanzenarten. Somit veränderte sich deren Abundanz im Bestand nicht. Anders war dies bei Panicum stoloniferum, der von Schafen wenig gefressen wird, jedoch eine bedeutsame Verbreitung erfuhr. Im Weideversuch konnte zudem ermittelt werden, dass Schafe die Rinden der Kaffeesträucher bei Futtermangel schälen. Zur Ermittlung des Einflusses der Haarschafbeweidung auf den Nährstoffhaushalt der Weideflächen erfolgten Messungen zur Nährstoffumverteilung und zur Nährstoff-konzentration. Es konnte erkannt werden, dass vor allem Phosphor und Calcium auf den Weideflächen eine Nährstoffumverteilung in Richtung des Schafsunterstandes erfahren. Die Umverteilung des Phosphors ist als kritisch zu bewerten, da dieser in den Böden Sucumb?os limitierend wirkt. Unter einem Unterstand konnte ein Anfallen von 74 kg TM Kot pro Schaf und Jahr gemessen werden. Darüber hinaus wurde berechnet, dass bei der Nicht-Zurückführung des Kots auf die Weidefläche vor allem die Stickstoffbilanz der Weide stark negativ ist. Da die Phosphorbilanz sehr stark von der Zufütterung mit Mineralsalzen abhängt, kann bei der Rückführung des Kots auf die Weidefläche die Phosphorbilanz beinahe im Gleichgewicht gehalten werden, wogegen die Stickstoffbilanz negativ verbleibt. Zur Ermittlung der produktionslimitierenden Faktoren der Weideflächen bzw. des Weidemanagements erfolgten auf sechs Betrieben während eines halben Jahres Untersuchungen zum Weideertrag, der Futterqualität, dem Ausnutzungsgrad der Weide, der Futteraufnahme der Schafe und der Lebendgewichtsproduktion. Der hauptlimitierende Faktor für die Weidefutteraufnahme der Schafe ist abgesehen von eventuellem Futtermangel die Energiedichte (metabolische Energie) des Futters. Auf Brachiaria-decumbens-Weiden kann bei hohem Beweidungsdruck auf Umtriebsweiden ein unzureichender Anteil an Blättern des Aufwuchses die Weidefutteraufnahme limitieren. Die Lebendgewichtsproduktion pro Schaf wird überwiegend von der täglichen Grünfutteraufnahme und der Energieaufnahme (metabolische Energie) beeinflusst. Die Haltung von Haarschafen ist eine interessante Möglichkeit der Fleischproduktion, die dazu beiträgt, die Flächenproduktivität der vorhandenen Landnutzungssysteme, nämlich Dauerkultur und Rinderweiden, zu erhöhen. Unter Dauerkultur produziert eine Herde unter dem momentan in Sucumb?os üblichen Management ca. 41 bis 44 kg Lebendgewicht pro Hektar und Jahr. Bei alleiniger Haarschafhaltung ohne Rinder auf Brachiaria-decumbens-Weiden ist es dagegen möglich, dass eine Schafherde bei Umtriebsbeweidung, mit intensiverem Management als momentan in Sucumb?os üblich, 500 kg Lebendgewicht pro Hektar und Jahr produziert. Dieser Wert liegt über der Lebendgewichtsproduktion der ausschließlichen Rinderweiden.


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Last updated on 2017-11-07 at 13:44