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EVALO-Eröffnung von Anpassungsfähigkeit für lebendige Orte
Verbundprojekt im Rahmen des Forschungsprogramms "Bauen und Wohnen" des Bundesministeriums fuer Bildung und Forschung (BMBF)



Project Details
Project duration: 07/200106/2004


Abstract
KURZFASSUNG
EVALO -Eröffnung von Anpassungsfähigkeit für lebendige Orte Verbundprojekt im Forschungsprogramm „Bauen und Wohnen im 21. Jahrhundert” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
Städte werden seit mehreren tausend Jahren gebaut. Aber seit etwa hundert Jahren gibt es erst die institutionelle Stadtplanung, deren Aufgabe sein soll, Häuser, Straßen Gewerbe, Industrie, Grün- und Freiflächen sinnvoll zu „ordnen und zu gliedern”. Dabei fällt allerdings, insbesondere in der jüngsten Vergangenheit, zunehmend das Fehlen von Handlungsperspektiven auf. Namhafte Soziologen beklagen eine „Krise der Städte”, andere reden von einer „Krise der Stadtplanung”. Das Forschungsvorhaben des interdisziplinären Forschungsverbundes EVALO untersucht vergleichend Stadtteile und -quartiere mit ihren jeweils in unterschiedlichen Zeiten entstandenen stadträumlichen Gegebenheiten. Einen Kern der Untersuchungen bildet der Begriff „Anpassungsfähigkeit von Stadtquartieren”. Anpassungsfähigkeit wird gewöhnlich von Menschen erwartet. Das Projekt hingegen wendet diesen Begriff auf das räumliche Gefüge von Siedlungen und Städten an:
- Sind bestimmte Siedlungstypen mehr als andere anpassungsfähig, da sie ganz unterschiedlichen Nutzungen und Lebensformen und damit auch deren Veränderung zugleich und nebeneinander Raum geben können? - In welchem Umfang müssten solche anpassungsfähigen Quartiere im Siedlungsgefüge vorhanden sein, damit Menschen in Siedlungen und Städten nicht nur nebeneinander, sondern zusammen leben können? Forschungsgegenstand sind die Mechanismen, mit denen unterschiedliche Siedlungsformen und der Alltag der Menschen (Arbeiten und Wohnen, Versorgung, Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, Kommunikation, Bildung und Integration) aufeinander einwirken. An praktischen und kleinteiligen Beispielen wird die Alltagstauglichkeit unterschiedlich organisierter Siedlungsformen in den Städten Bremen, Kassel, Halle (Saale), Herten, Velbert, Tübingen, Stuttgart, Esslingen und Berlin analysiert. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Erkenntnisse für künftige planerische Maßnahmen praxisorientiert nutzbar zu machen. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Möglichkeiten und Kompetenzen Vertreter und Vertreterinnen der Politik, der Planung sowie die Menschen in den Stadtteilen und ?quartieren haben, auf Anpassungsfähigkeit von Siedlungen hinzuwirken. Die Auswertung der Ergebnisse des Forschungsvorhabens will Vorbilder und Organisationsformen im Städtebau aufzeigen, die ganz unterschiedlichen Alltagsanforderungen entgegen kommen. Sie wird aber auch auf Siedlungstypen eingehen, die nur mit hohen - internen und externen - Folgeaufwendungen an sich verändernde Bedürfnisse angepasst werden können. Die Erarbeitung von Grundlagen zu einer „kontinuierlichen Bestandspflege” und die Weiterentwicklung bewährter Muster von Stadt wird die Ergebnisse auch für die künftige Planungspraxis nutzbar machen. Das Forschungsprojekt wird in sieben Teilprojekten durchgeführt, die sich aus dem Blickwinkel verschiedener Fachdisziplinen (Raumplanung, Stadt- und Landschaftsplanung, Wirtschaftwissenschaft, Pädagogik, Soziologie, Psychologie, Verkehrswissenschaft und Stadtgeographie) dem Thema stellen:
Das Teilprojekt 1 Kids im Quartier - Altersbedingte Ansprüche von Kindern und Jugendlichen an ihre Stadt und Wohnquartiere behandelt speziell die Frage der Raumaneignung von Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Quartierstypen unter lebenszyklischer Betrachtung.
Das Teilprojekt 2 Lebens- und Arbeitsorte geht der Frage nach, welche organisatorischen und materiellen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Haus, Straße und Quartier sowohl Lebens- als auch Arbeitsort bleiben oder werden können.
Das Teilprojekt 3 Lebensmittel in der Stadt untersucht den Zusammenhang zwischen baulich-räumlichen Strukturen einerseits und den Versorgungsformen und Verhaltensweisen der Quartiersbewohner bei ihrer Lebensmittelversorgung andererseits. Darüber hinaus geht es um das Sichtbarmachen der Versorgungsbezüge einer Stadt und der damit zusammenhängenden Möglichkeiten und Abhängigkeiten.
Das Teilprojekt 4 Urbane Subsistenz als Infrastruktur der Stadt stellt die Frage nach dem Zusammenhang der räumlichen Organisation der Stadt und den Möglichkeiten der informellen (nichtberuflichen, unbezahlten) Arbeit aufgrund der infrastrukturellen Bedingungen.
Das Teilprojekt 5 Integration und Nutzungsvielfalt im Stadtteil geht dem Zusammenhang zwischen sozialer Heterogenität und stadträumlichen Verhältnissen nach. Eine zentrale Frage ist, ob für einen produktiven Umgang mit den verschiedenen Integrationsanforderungen (in Bezug auf Alter, ethnische oder kulturelle Herkunft, soziale Merkmale, unterschiedliche ? auch von der Norm abweichende ? Verhaltensweisen) auch das Vorhandensein unterschiedlicher Nutzungen und der wirtschaftliche Austausch im Stadtteil eine Rolle spielt.
Das Teilprojekt 6 Bildung und Stadt wird Ansätze einer Theorie urbaner Bildungsprozesse formulieren, die fundierte Beiträge für die Erkenntnis und Verbesserung der Rolle städtischer öffentlicher Räume liefern. Die untersuchten Gebiete werden zeigen, ob stadträumliche Organisation Bildungsprozesse beeinflusst und inwieweit diese Organisation durch Bildung beeinflusst ist.
Das Teilprojekt 7 Städtebau, Wohnorganisation und Kommunikation wird Erkenntnisse über Details und Grundregeln kleinteiliger Kommunikation in Städten gewinnen. Durch die jeweilige Organisation von Stadt kann Kommunikation ermöglicht, aber auch be- und verhindert werden. Beispiele für die Anordnung von Häusern, Straßen und Freiräumen sollen zeigen, wie direkte Formen der Kommunikation stattfinden können.
Gefördert wird das dreijährige Forschungsvorhaben durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Daran beteiligt sind die Universitäten Kassel, Bremen und Stuttgart-Hohenheim, das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Nordrhein-Westfalen in Dortmund (ILS), W+P GmbH/ Weeber +Partner, Institut für Stadtplanung und Sozialforschung in Stuttgart/Berlin sowie das Planungsbüro Collage Nord in Bremen.

Last updated on 2017-11-07 at 14:51