Externally funded project

U-hoch-3 (Verbundprojekt: Unbeschwert urban unterwegs - U-hoch-3 -; Teilvorhaben: Urbane Mobilität mit nutzerzentrierter Mensch-Technik-Interaktion und Wirkungen der Verkehrsdienstleistungen auf Kundenakzeptanz und Verkehrsnachfrage unter Beachtung von ELSI-Aspekten)


Project Details
Project duration: 06/201905/2023


Abstract

Selbst in deutschen Metropolen, die üblicherweise
ein gutes ÖPNV-Angebot aufweisen, werden im Schnitt 59% der
Personenkilometer mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV)
zurückgelegt.[http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2017_Ergebnisbericht.pdf]

Um die definierten Ziele und Grenzwerte im Verkehrssektor zu
Klimaschutz, Luftschadstoffen, Energieverbrauch und
Flächeninanspruchnahme einzuhalten, ist es notwendig, die MIV-Nutzung –
auch im urbanen Raum – erheblich zu reduzieren. Ein Baustein dafür ist
ein verlässlicher und attraktiver öffentlicher Personennahverkehr
(ÖPNV). Um das stark von Routinen geprägte Mobilitätsverhalten von
Menschen zu ändern, ist der Abbau von Nutzungsbarrieren von besonderer
Bedeutung. Ein Artikel von Brons und Rietveld (2009) zeigt, dass Komfort
und zuverlässige Reisezeiten laut der Erhebung „Customer Satisfaction
Research“ die wichtigsten Merkmale für Kunden der Dutch Railways
darstellen. Diese Beobachtung wird durch eine in der ersten Förderphase
des Projektes durchgeführte Studie bestätigt, die zeigte, dass für viele
Befragte die Sorge um überfüllte Verkehrsmittel (27 %), die
Unsicherheit bezüglich erreichter Anschlüsse (47 %) und der Transport
von Gepäck (34 %) einen großen oder sehr großen Einfluss auf die
Entscheidung für oder gegen die ÖPNV-Nutzung haben. Die Relevanz war
damit unter den Befragten beispielsweise vergleichbar mit dem Einfluss
des Fahrpreises (39 %).


Innerhalb des Projekts „U-hoch-3“ soll daher ein
Assistenzsystem entwickelt, beispielhaft in Kassel und der Region
Nordhessen implementiert, getestet und evaluiert werden, das die
wesentlichen Nutzungsbarrieren der ÖPNV-Nutzung verringert. Das
Assistenzsystem umfasst die drei Dienstleistungen Belegungsprognose und
-information, Anschlusssicherung sowie Gepäcktransport für ÖPNV-Kunden.


Die Belegung des Verkehrsmittels ist dem Kunden
bisher vor Betreten des Fahrzeugs völlig unbekannt. Die frühzeitige
Information über den voraussichtlichen Belegungszustand erhöht die
Planungssicherheit und baut so Nutzungshemmnisse ab. Durch die Nutzung
verschiedener Schnittstellen wie Smartphones oder Anzeigen bzw. Ansagen
an Haltestellen und in Geschäften kann die Information für fast alle
Kunden zugänglich gemacht werden.


Die zunehmende Verbreitung von mobilen Endgeräten
ermöglicht außerdem eine beiderseits nutzbringende Vernetzung von
Fahrgast und Verkehrsunternehmen sowie flexible Planung der
individuellen Mobilität, zukünftig unter Berücksichtigung neuer
Echtzeitinformationen bspw. zur Anschlusssicherung. Den
Verkehrsdienstleistern sind die individuellen Reiseketten ihrer
Fahrgäste derzeit i. d. R. unbekannt. Sollten ihnen diese Informationen
durch eine hohe Nutzung der mobilen Fahrplanauskunft oder explizite
Meldung von Anschlusswünschen zur Verfügung stehen, könnten längere
Wartezeiten eines Anschlussverkehrsmittels wegen einer Verspätung des
Zubringers bei ausreichender Anzahl betroffener Fahrgäste akzeptabel
erscheinen. Der Fahrgast erhält damit die Möglichkeit, sein Interesse am
Anschlussverkehrsmittel zu signalisieren und über die Gewährung seines
Anschlusswunsches informiert zu werden.


Insbesondere bei Einkaufs- und Freizeitaktivitäten
stellt der körperlich anstrengende und unbequeme Transport von Einkäufen
oder Gepäck ein relevantes ÖPNV-Nutzungshemmnis dar. Einen Einkauf mit
einem anschließenden Konzertbesuch zu kombinieren, ist ohne
zwischenzeitliche Heimfahrt meist nicht denkbar. Der bei einer hohen
Fahrgastnachfrage verringerte Platz im Verkehrsmittel erschwert den
Transport zusätzlich. Eine hohe Auslastung steht auch der Fahrrad- oder
Kinderwagen-Mitnahme entgegen. Die Möglichkeit, sich Einkäufe und Gepäck
nach Hause bzw. an eine Abholstation in Wohnungsnähe liefern zu lassen
oder diese in der Innenstadt zentral zwischenzulagern, ermöglicht eine
flexible Planung der Reisekette für Kunden mit und ohne körperliche
Einschränkungen.


Das Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme
der Universität Kassel übernimmt schwerpunktmäßig folgende Teilaufgaben
im Projekt:


  • Erfassung der Nutzeranforderungen an die drei Dienste,
  • Analyse der Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge der drei Dienste bezüglich des Mobilitätsverhaltens,
  • Entwicklung eines regelbasierten Entscheidungsmodells zu dynamischen Anschlusssicherung,
  • Entwicklung eines Prognosemodells für die Belegung des Fahrgastraums und der Mehrzweckflächen im ÖPNV,
  • Konzeption eines kombinierten ÖPNV- und Güterverkehrs,
  • Evaluation der Dienste in Verbindung mit umfangreichen Feldtests.


Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
geförderte Projekt hat insgesamt eine Laufzeit von vier Jahren und ein
Volumen von etwa 6,6 Mio. Euro. Als Forschungs- und Entwicklungspartner
sind Deutsche Post DHL Group (Bonn/Kassel), INIT Innovative
Informatikanwendungen in Transport-, Verkehrs- und Leitsystemen
(Karlsruhe) und IVU Traffic Technologies (Aachen/Berlin) am Projekt
beteiligt. Anwendungspartner sind die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft und
der Nordhessische Verkehrsverbund (Kassel). Neben dem Fachgebiet
Verkehrsplanung und Verkehrssysteme sind das Fachgebiet
Mensch-Maschine-Systemtechnik als Verbundkoordinator und das Fachgebiet
Öffentliches Recht, IT-Recht und Umweltrecht dabei. Als assoziierte
Partner beteiligen sich der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, die
Stadt Kassel, das Netzwerk der nordhessischen Mobilitätswirtschaft
MoWiN.net sowie Kasseler Einzelhandelsvereine und Betreiber von
Einkaufszentren und Parkhäusern.



Principal Investigator

Last updated on 2020-05-02 at 12:40