Projekt ohne Drittmittelfinanzierung

Gesundheitskosten und Geschlecht


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 04/200712/2007


Zusammenfassung
Das Statistische Bundesamt hat 2004 erstmals eine Krankheitskostenrechnung vorgelegt, die es möglich macht, die Kosten im Gesundheitswesen nach Krankheiten, Alter und Geschlecht zu differenzieren. Erste Auswertungen konstatieren, dass Frauen mehr kosten.
Differenziertere Analysen auf Datenbasis der Betrieblichen Krankenkassen (Zoike 2004) und auf Basis der Gesetzlichen Krankenversicherung kommen zu dem Ergebnis, dass bei einer Herausrechnung von Kosten für Schwangerschaft und Mutterschaft diese Aussagen nicht mehr in dieser Deutlichkeit bestehen bleiben (BMFSFJ 2006). Ebenso belegt eine Schweizer Studie (Camenzind, Meier 2004), dass bei einer differenzierteren Betrachtung aller Finanzierungsträger (z.B. auch der Unfallversicherungen, aber auch der anderen Versicherungsbereiche), Leistungsbereiche und Leistungen (z.B. häusliche Pflege), sich das Bild des "teuren Geschlechts" weitgehend auflöst. Ergebnisse von Forschungsprojekten zu Kostenvergleichen aus dem Ausland (vornehmlich angelsächsische Länder) zeigen unterschiedliche Vorgehensweisen und Konzepte beim Kostenvergleich. Bei der Analyse von Kostenbestandteilen nach Geschlecht werden dann Fragen der Versorgungsqualität und des -zuganges in den Vordergrund gestellt.
Betrachtet man diese Debatten genauer, fehlt eine wissenschaftlich fundierte geschlechtersensible Analyse der Gesundheitskosten bzw. Krankheitskostenrechnung. Das beantragte Projekt möchte zu einer geschlechtersensiblen Diskussion im Bereich der Gesundheitskosten Vorarbeiten leisten. Dazu sind drei Schritte nötig: 1. eine Aufarbeitung der in die Kostenanalysen eingehenden Vorannahmen und Debatten und die dazu verfügbare internationale Literatur, 2. ein Workshop, in dem über das konzeptionelle Vorgehen bei Kostenanalysen im Gesundheitsbereich von ExpertInnen aus verschiedenen Disziplinen beraten werden kann. Da für die BRD Daten von unterschiedlichen Leistungsträgern und unterschiedlicher Qualität vorliegen sowie Konzeptionen aus anderen EU-Staaten (z.B. GB) zu berücksichtigen wären, wäre zu prüfen, welche Voraussetzungen für eine differenziertere Debatte in der BRD geschaffen notwendig ist (Konzepte-Workshop), 3. eine Bestandsaufnahe der Datenquellen und deren Verfügbarkeit.
Das beantragte Vorhaben ist im Forschungsfeld "Wissen und Erfahrung. Potenziale der Geschlechterforschung für die Wissensgesellschaft" angesiedelt. Es geht um die Analyse scheinbar neutraler Kostenaspekte im Gesundheitswesen und um die Erstellung einer kritischen Wissensbasis, mit der die Debatten um "Kosten", "Leistungen" und deren gesundheitspolitischer Relevanz aus feministischer Sicht fundiert angegangen wird.

Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 15:00