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Eutergesundheit in strohintensiven artgerechten Rinderhaltungssystemen


Project Details
Project duration: 199703/1999


Abstract
Während der sechsmonatigen Stallhaltungsperiode 1997/98 wurden in 20 hessischen Milchviehbetrieben mit strohintensiven Laufställen (8 Tretmist-, 10 Tiefstreu, 2 Flachlaufställe) Untersuchungen zum Einstreumanagement und zur Eutergesundheit durchgeführt. In allen Betrieben wurden vor Beginn der Untersuchung die Melkmaschinen überprüft und ggfs. in Stand gesetzt. Durch regelmäßige Wiegungen und T-Bestimmungen sowie tägliche Aufzeichnungen der Landwirte wurden die Einstreumengen exakt ermittelt. An der Mistmatratze wurden Tiefe, Temperatur und Trockensubstanz monatlich gemessen und die Verschmutzung aller Tiere bonitiert. Zur Beurteilung der Eutergesundheit wurden die zweitägigen Tankmilchzellzahlen, die monatlichen Zellzahlen der Einzelkühe aus der Milchleistungsprüfung, zytobakteriologische Untersuchung von Viertelgemelksproben aller Einzelkühe (zu Beginn und am Ende des Untersuchungszeitraumes) sowie Aufzeichnungen der Landwirte über das Eutergesundheitsgeschehen herangezogen. Die Größe der Liegefläche betrug im Mittel aller 20 Betriebe 5,1 m2/Kuh. Die Einstreumenge (kg/Tier und Tag) in den Trestmistställen (6,7 kg) unterschied sich nicht signifikant von der in Tieflaufställen (7,2 kg) und war unabhängig vom Liegeflächenangebot. Die Messungen an der Mistmatratze ergaben für die Tieflaufställe (34 cm Misttiefe, 36,5?C Misttemperatur und 28,8% T) ähnliche Durchschnittswerte wie für die Tretmistställe (46 cm; 34,3 ?C; 27,6% T). Die in Tretmistställen gehaltenen Kühe waren deutlich schmutziger (31% Verschmutzung) als die in Tieflaufställen gehaltenen (19%). Wichtigster Einflußfaktor auf die Tierverschmutzung war die Trockenheit der Liegefläche. Die Eutergesundheit in den Untersuchungsbetrieben ist als mittel bis gut zu bezeichnen. Bei den Tankmilchzellzahlen (Tsd/ml) schnitten die Tretmistställe (237 Tsd.) höchstsignifikant schlechter ab als die Tieflaufställe (193 Tsd.). Die Analyse der Milchleistungsprüfungsdaten führte zu einem ähnlichen Ergebnis. Tendenziell gingen mit dem Ansteigen der Mistmatratze steigende Milchzellgehalte einher. Bei den zytobakteriologischen Untersuchungen der Viertelgemelksproben waren in dem Kriterium "Zellzahl" etwa zwei Drittel der Euterviertel gesund (<100 Tsd. Zellen/ml) ein Drittel wurde als "krank" eingestuft (> 100 Tsd./ml). Auch bei diesem Kriterium schnitten die Tretmistställe schlechter ab. Die Auswertung der bakteriologischen Befunde wurde auf die Umweltkeime fokussiert. Hierbei konnte kein Unterschied zwischen den Stallsystemen festgestellt werden. Die von den Landwirten im Projektzeitraum registrierten Mastitiden beliefen sich im Durchschnitt auf ca. 0,5/Kuh mit einem Schwankungsbereich von 0,2 bis 1,1. Von den untersuchten Managementfaktoren hatte die Tierverschmutzung den größten Einfluß auf das Auftreten von Mastitiden. Betriebe mit geringer Liegefläche (m2/Kuh) hatten signifikant mehr Mastitiden als solche mit großer Liegefläche. Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß die Eutergesundheit in strohintensiven Haltungssystemen vor allem durch die Größe der Liegefläche, das Einstreumanagement in Verbindung mit der Tierverschmutzung sowie die Häufigkeit des Ausmistens (Misttiefe) beeinflußt wird. In Tieflaufställen ist die Eutergesundheit möglicherweise deshalb besser als in Tretmistställen, weil sie regelmäßig ausgemistet und aufgebaute Erregerpopulationen hierdurch entfernt werden. Untersuchungen über die mikrobiologischen Prozesse in der Mistmatratze wären zur Klärung dieser Frage erforderlich. In einer Gesamtbewertung der verschiedenen strohintensiven Haltungssysteme sind neben der Eutergesundheit auch ethologische, tierhygienische, arbeitswirtschaftliche und ökonomische Kriterien zu berücksichtigen

Last updated on 2017-11-07 at 15:00