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Umfrageforschung in der alternden Gesellschaft


Project Details
Project duration: 01/200812/2008


Abstract
Deutschland ist, wie die meisten westlichen Gesellschaften, von dem Phänomen der Alterung betroffen, d. h., der Anteil der alten und hochbetagten Menschen ist hoch und nimmt weiter zu. Für die nächsten etwa 25 bis 30 Jahre ist ein Anstieg des Altersquotienten, der derzeit bei etwa 46 Prozent liegt, prognostiziert. Aus dem Alltag der Umfrageforschung ist bekannt, dass insbesondere die Hochbetagten, aber auch jüngere Alterskohorten aus der Gruppe der über 65-Jährigen nur unzureichend durch bevölkerungsrepräsentativen Stichproben repräsentiert sind, und dass die von dieser Teilgruppe erhaltenen Daten zum Teil von geringerer Qualität sind, weil die in der Umfrageforschung verwendeten Messverfahren nur bedingt auf die besonderen Voraussetzungen von alten und hochbetagten Menschen abgestimmt sind.

Politische Steuerung, wirtschaftliche Entscheidungen, aber auch öffentliche Diskurse basieren in hohem Maße auf der Selbstbeobachtung der Gesellschaft durch die Umfrageforschung. Da diese die Teilpopulation der Alten und Hochbetagten aber nur unzureichend abzubilden vermag und der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe in Zukunft weiter zunehmen wird, stellt sich die Frage nach den angemessenen methodischen Instrumentarien, um alte und hochbetagte Menschen angemessen in bevölkerungsrepräsentativen Studien befragten zu können.

In der methodischen Literatur zu Umfragefrageforschungen mit alten Menschen wird gemeinhin angenommen, dass der Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und geringer werdender Datenqualität durch die mit zunehmendem Alter sinkende kognitive Kapazität der Befragten erklärt werden kann. Weil also mit dem Alter die fluide und kristalline Intelligenz, das Arbeitsgedächtnis und andere Dimensionen der kognitiven Fähigkeiten abnehmen, sinkt in der Folge die Qualität der mit Hilfe der Umfrageforschung erhobenen Daten. Konkrete Nachweise dieses Zusammenhangs sind aber bisher rar; Schwerpunktmäßig finden sich in der Literatur Analysen des Zusammenhangs zwischen Alter und Datenqualität, wobei die gefundenen Korrelationen mit den vermutlich sinkenden kognitiven Fähigkeiten der befragten alten und hochbetagten Menschen erklärt werden. Dieses Problem nimmt das vorliegende Forschungsprojekt zum Ausgangspunkt und konzentriert sich dabei auf folgende Fragestellungen:

- Besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den mit dem Alter zurück gehenden kognitiven Fähigkeiten und der Datenqualität in Umfragen?
- Welche Messverfahren und Fragebogentechniken sind vor dem Hintergrund der spezifischen kognitiven Ausstattung von alten und hochbetagten Menschen angemessen? Welche in Fragebögen
üblicherweise verwendeten Frageformen sind nicht geeignet?
- Wie müssen Fragebögen für Alte und Hochbetagte gestaltet sein und wie kann der spezifische Messfehler bei alten und hochbetagten Menschen reduziert werden?
- Welche Rolle spielen Interviewer bei der Sicherung der Datenqualität bei Alten und Hochbetagten?

In dem hier skizzierten Vorbereitungsprojekt sollen die Voraussetzungen zur Beantwortung der oben genannten Forschungsfragen im Rahmen eines umfangreicheren Drittmittelprojektes geschaffen werden. Dazu soll zum einen eine Sekundäranalyse der Berliner Altersstudie (einer existierenden Umfrage unter Alten und Hochbetagten) durchgeführt werden, mit dem Ziel, den Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und Datenqualität bei alten Menschen unter Kontrolle ihres Lebensalters nachzuweisen. Weiter soll anhand dieser Daten die Brauchbarkeit und Qualität verschiedener Frageformen bei Befragungen von alten und hochbetagten Menschen nachgewiesen werden. In einem zweiten Schritt soll im Rahmen einer kleinen Felduntersuchung das soziale Setting bei der Befragung von alten und hochbetagten Menschen videografisch untersucht werden. Dieser Arbeitsschritt dient zum einen dazu, die technischen und methodischen Voraussetzungen für später im Rahmen der Hauptstudie durchzuführende Labor- und Feldbeobachtungen zu schaffen und zum anderen, um den möglichen Einfluss von Interviewerverhaltensweisen auf die Datenqualität identifizieren zu können. Im Rahmen der nachfolgend zu beantragenden größeren Erhebung soll die angemessene Einbeziehung von alten und hochbetagten Menschen in die Umfrageforschung untersucht werden mit dem Ziel, eine Anpassung der etablierten Standards in der Umfrageforschung an die Gegebenheiten in der alternden Gesellschaft zu leisten.


Principal Investigator

Last updated on 2017-11-07 at 15:01