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Neue Vielfalt: Vom Wandel der Arbeitnehmerverbandslandschaft und neuen Akteurskonstellationen in der deutschen Tarifpolitik


Project Details
Project duration: 10/200809/2010


Abstract
Projektbeschreibung

Das herkömmliche Procedere in Tarifverhandlungen verändert sich. Berufsverbände und -gewerkschaften drängen in die Arena der Tarifpolitik, machen den etablierten gewerkschaftlichen Verhandlungsführern ihre Position streitig und untergraben damit deren Durchsetzungsstärke. Das Projekt untersucht den Wandel der Arbeitnehmerverbandslandschaft und fragt nach den Konsequenzen der aktuellen Entwicklung.

Kontext/Problemlage

Die deutsche Verbandslandschaft im Bereich der kollektiven Vertretung von Arbeitnehmerinteressen befindet sich in Bewegung. Einerseits sehen sich die traditionell dominanten Industrie- und Einheitsgewerkschaften seit einigen Jahren von schwerwiegenden Erosionsprozessen betroffen. Andererseits entwickeln sich an den Rändern des deutschen Gewerkschaftsmodells neue Formen verbandlicher Konkurrenz. Bislang kaum wahrgenommene, kleine Berufsverbände und -gewerkschaften treten als eigenständige Tarifakteure in Opposition zu den großen Einheits- und Industriegewerkschaften auf. Mit einer eigenständigen, am Ziel einer differenzierten Entlohnung orientierten Tarifpolitik zielen sie mitten ins Herzstück gewerkschaftlicher Verbandsarbeit und unterminieren einheitsgewerkschaftliche Bestrebungen hinsichtlich einer möglichst geringen Lohnspreizung unter den Beschäftigten. Die Tarifabschlüsse von GDL, Marburger Bund und Co. scheinen nahe zu legen, dass deren eigenständiges Vorgehen Erfolg verspricht.

Fragestellung

Im Zentrum des Projektes stehen organisatorische, interessen- und ideenpolitische sowie politikfeldrelevante Veränderungen der Arbeitnehmerverbandslandschaft. Bislang fehlen sowohl eine quantitative Erfassung dieser Veränderungen als auch eine qualitative Auseinandersetzung mit Ursachen, Auslösern und Zukunftsperspektiven des Wandels. Während oftmals eine Pluralisierung der Gewerkschaftslandschaft bereits als gegeben angenommen wird, wurde diese vermeintliche Pluralisierung bisher nicht empirisch überprüft. Ausgehend von diesen Forschungslücken konzentriert sich das Projekt auf zwei grundlegende Fragen:
1. Wie entwickelt sich die deutsche Arbeitnehmerverbandslandschaft und welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die einzelnen Branchen sowie auf das deutsche Gewerkschaftsmodell in seiner Gesamtheit?
2. Stellt die derzeitige Entwicklung einen unumkehrbaren Prozess dar und was bedeutet dies im Umkehrschluss für die Zukunft der industriellen Beziehungen in Deutschland?

Untersuchungsmethoden

Phase I beginnt mit einer quantitativen Vermessung der Landschaft von Arbeitnehmerverbänden. Wie viele Verbände gibt es? Wie hat sich deren Zahl und Zusammensetzung verändert? Was sind Ziele und Ressourcen der einzelnen Verbände? Das Projekt will flächendeckend alle öffentlich agierenden Arbeitnehmerverbände erfassen.
Phase II dient einer qualitativen Analyse von Veränderungsprozessen und der Beschreibung neuer Akteurskonstellationen. Hier sollen einzelne Verbände, die durch Veränderung ihrer Ziele, Mitgliederbasis oder einer umfassenden Neuausrichtung der Verbandsarbeit aufgefallen sind, genauer betrachtet werden. Ziel ist es, Ursachen, Auslöser und Gründe des Wandels aufzuzeigen.
Phase III zielt auf eine Potentialanalyse: Hier sollen die Folgen der Entwicklung für die Verbände selbst wie auch für deren Umwelt erläutert werden. Welche Prognosen hinsichtlich Wandel und Kontinuität des Deutschen Modells industrieller Beziehungen lassen sich aus den Befunden ableiten?


Research Areas


Last updated on 2017-07-12 at 12:48