Project without external funding

Online-Befragungen mit multimedialen Elementen


Project Details
Project duration: 01/200703/2009


Abstract
In Bereich der selbst-administrierten Befragungen (Umfrageforschung "ohne Interviewer") wurden bis vor einigen Jahren Fragebögen ausschließlich in Papierform per Post versandt oder den Be-fragten persönlich ausgehändigt. Dies Vorgehen hat durch die Verbreitung des Internets eine grundlegende Änderung erfahren; der Anteil von Untersuchungen mit Papierfragebogen ist zu Gunsten von Befragungen via Internet (=Online-Befragung) zurückgegangen. Aus den Jahresberichten des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute geht z.B. hervor, dass die ADM-Instituten 2001 noch 28% aller Befragungen mit Hilfe von Papierfragebögen durchgeführt haben, während der Anteil im Jahr 2005 auf 9% gesunken ist; umgekehrt ist der Anteil der Online-Befragungen im gleichen Zeitraum von 4% auf 22% angestiegen (vgl. ADM 2005). Mehrere Faktoren haben zu dieser Entwicklung beigetragen: Zum einen können sich - gerade bei umfangreichen und wiederholt durchgeführten Befragungen - die Erhebungskosten deutlich reduzieren. Zum an-deren lassen sich Studien via Internet effizienter durchführen, da die erhobenen Daten schneller vorliegen und automatisch weiterverarbeitet werden können. Das zeitaufwändige und fehleranfällige manuelle Übertragen der Daten von einem Papierfragebogen in eine statistische Analysesoftware entfällt.

Die Methodenforschung hat sich in den letzten Jahre intensiv mit der Güte der Online-Befragungen beschäftigt und kommt zu einem zufrieden stellenden Ergebnis: Die erste Euphorie und Aufbruchstimmung der eher technisch als methodologisch qualifizierten Pioniere scheint nämlich zu einem Ende gekommen zu sein; die Zeit, als die standardisierte Befragung im Gewand der Online-Befragung neu erfunden wurde, ist vorüber. Mittlerweile liegen eine Fülle von methodischen und methodologischen Evaluationen (z.B. Couper 2001; Crawford et al. 2001; Couper 2002) dieser neuen Befragungsart vor, die zeigen, dass die bestens erarbeiteten Standards der empirischen Sozialforschung mit den technischen und methodischen Möglichkeiten des neues Befragungsmediums sinnvoll vereint werden können und dadurch Daten von akzeptabler Qualität entstehen (z.B. Bandilla et al. 2001; Bosnjak 2003).

Online-Fragebögen sind aber nicht bloß eine digitalisierte Variante von Papierfragebögen. Ein besonderer Vorteil dieser Methode ist, dass sich ohne großen Aufwand multimediale Elemente in Befragungen integrieren lassen. Den Befragten können also nicht nur schriftsprachliche Fragebögen vorgelegt werden, man kann sie vielmehr mit einer Reihe unterschiedlicher multimedialer Stimuli konfrontieren. Dies reicht von Grafiken, Bildern, animierten GIFs, über akustische Elemente, wie vorgelesene Text, Originaltöne, Klänge oder Musik, bis hin zu Videoaufnahmen, bei denen ein Interviewer die zuvor aufgezeichneter Fragen verliest wobei der akustische und der visuelle Kommunikationskanal gleichzeitig eingesetzt werden. Mit der Durchsetzung von Breitband-Internet-Zugängen auch in Privathaushalten macht die Praxis der Umfrageforschung zunehmend von die-sen Möglichkeiten Gebrauch - jedoch ohne dass eine fundiert methodische Begleitung des Einsatzes dieser multimedialen Elemente erfolgen würde.

In dem hier Projekt sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, den Einfluss von solchen multimedialen Elementen systematisch abzuschätzen. Dazu sollen zunächst die technischen Voraussetzungen überprüft werden und anschließend 2-3 kleinere feldexperimentelle Studien zum Einfluss von Audio- und Video-Elementen durchgeführt werden. Mit Hilfe dieser Vorstudien soll zum einen die technische Machbarkeit solcher Studien belegt und zu anderen die Messbarkeit von Methoden-Effekten nachgewiesen werden.


Principal Investigator

Last updated on 2017-11-07 at 15:01