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Chronik der Hessischen Heimstätte / Wohnstadt


Project Details
Project duration: 01/200702/2008


Abstract

Ein beträchtlicher Anteil des öffentlich geförderten Wohnungsbestandes in Deutschland verdankt seine Entstehung der Regie der Heimstättengesellschaften. Dieser Sachverhalt steht außer Zweifel, obgleich sich genauere Zahlen, die jeweils über den Geschäftsbereich einzelner "Heimstätten" hinausgehen, kaum auffinden lassen. Tatsächlich steht die große Bedeutung dieser Institutionen in einem auffälligen Gegensatz zum Grad der Aufmerksamkeit, die die wissenschaftliche Forschung - außerhalb der Selbstdarstellung der Heimstätten - diesem Bereich gewidmet hat.

Die große Welle der Untersuchungen der 1970er und 1980er, die sich auf der Suche nach Auswegen aus der permanenten Wohnungskrise um die Aufarbeitung der historischen Zusammenhänge in der Herausbildung von Wohnungsnot und Wohn(ungs)reform bemüht haben, ist am Phänomen Heimstätte weitgehend vorbeigegangen, und auch in den 90-er Jahren hat sich an diesem Befund kaum etwas geändert.

Das Erkenntnisinteresse dieser Untersuchungen richtete sich auf gestalterisch und gesellschaftspolitisch innovative Ansätze, die als "progressiv" begriffen wurden. Vom Genossenschaftswesen (hier galt die Aufmerksamkeit vor allem den Arbeitergenossenschaften) über das neue Bauen im kommunalen Wohnungsbau der Weimarer Republik bis hin zu deren Transformationen in der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Heimstätten entsprachen- zumindest auf den ersten Blick - in mehrfacher Hinsicht nicht diesen Kriterien. Den Vorstellungen des Progressiven widersprachen - die zumindest ursprünglich starke Konzentration auf das Eigenheim - der im Begriff der Wohnungsfürsorge anklingende eher paternalistische als emanzipierte Geist ("Verbürgerlichung statt Arbeiteremanzipation") - und die verbreitete Bevorzugung einer Architektur der Einfachheit, Bescheidenheit und Sparsamkeit, die sich freilich nicht der Formensprache der Moderne, des neuen Bauens bediente, sondern sich aus der Heimatschutzarchitektur herleitete.

Dies sind Annahmen, die es aus der Warte der 1990er Jahre zu hinterfragen und neu zu bewerten gilt. Die Untersuchung trägt, auch zu diesen Fragen, Grundmaterial zusammen, das auf der einen Seite einen wichtigen Mosaikstein im Bild der deutschen Wohnungsbaugeschichte sichtbar macht, auf der anderen Seite auch eine Anzahl neuer Forschungsfragen aufwirft.

Die Untersuchung analysiert Geschichte, Ziele und Produkte der Hessischen Heimstätte:

  • von ihrer Gründung mit dem Ziel der technischen Förderung des Kleinwohnungsbaus in den 1920er Jahren
  • über ihre Rolle in der Siedlungspolitik des Nationalsozialismus
  • ihre Beiträge in der Zeit des Wiederaufbaus - nicht zuletzt der Kasseler Altstadt -
  • die Boom- und Krisenjahre des öffentlichen Wohnungsbaus
  • bis zu den tief greifenden Veränderungen der 1990er Jahre durch die Privatisierung (Aufhebung der Wohnungsgemeinnützigkeit, explosionsartige Ausweitung der Aufgabenbereiche, Konversion usw.), die zu einem neuen Gesellschaftsvertrag, zur Umbenennung in "Wohnstadt" und schließlich, im Januar 2005, zum Verkauf an die Nassauische Heimstätte mit Sitz in Frankfurt führten.

Diese jüngsten Veränderungen sind, nach dem Abschluss des Projekts 2002, Gegenstand einer nachgeschalteten, kurzen Projektphase, die mit der Veröffentlichung in Buchform ein Jahr nach dem Verkauf der Wohnstadt endet.


Last updated on 2017-11-07 at 13:48