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Rentengesellschaften


Project Details
Project duration: 01/201410/2018


Abstract
Das Entwicklungsmodell ‚Rohstoffexport‘ ist wieder en vogue. Wurde die Ausrichtung auf die Ausbeutung und den Export von Rohstoffen bis vor Kurzem noch als veritabler entwicklungspolitischer Fluch und Quelle autoritärer Regime und gewaltsamer Konflikte diskutiert, mehren sich Stimmen, die auf die Entwicklungspotentiale des Rohstoffexports hinweisen. Im Fahrtwasser wachsender Nachfrage aus den Schwellenländern und insbesondere Chinas sowie anhaltend hoher Weltmarktpreise hat sich in Wissenschaft und internationalen (Entwicklungs-) Organisationen ein neuer Rohstoffoptimismus herausgebildet. Tatsächlich lässt sich in vielen Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas eine forcierte Ausrichtung auf ein derartiges rohstoffbasiertes Entwicklungsmodell beobachten, die mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten sowie teilweise auch mit einer Verbesserung der sozialen Situation der Bevölkerung einhergeht. Wie das Scheitern des von der Weltbank massiv geförderten Projekts zur Vermeidung der Resource Curse im Tschad illustriert, erweisen sich trotz umfangreicher Forschungen und Debatten zum Thema jedoch selbst aufwendig konzipierte politische Steuerungsinitiativen in Erdölstaaten häufig als wenig erfolgreich. Das Paper argumentiert, dass die Gründe für dieses Scheitern gleichzeitig auf zentrale Leerstellen der rententheoretischen Forschung verweisen. Statt bei der Untersuchung des Zusammenhangs von Rente und Entwicklung mittels der Verfeinerung methodischer Instrumente die gleichen Wege anders zu beschreiten, wird für eine methodische und konzeptionelle Neuausrichtung sowie eine Rejustierung der forschugsleitenden Fragestellungen und Erkenntnisinteressen plädiert und ein neues Analysemodell zur Erforschung von ‚Rentengesellschaften‘ vorgestellt. Analytisch wird dabei zwischen der Dimension des Staates bzw. der staatlichen Praktiken und deren Bedeutung für die Gesellschaft sowie der gesellschaftlichen Dimension bzw. der sozio-kulturellen Prägung durch die Renteneinnahmen und deren Rückbindung an den Staat unterschieden. Dieses Modell zielt zunächst auf die Generierung eines umfangreicheren Verständnisses der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Prägekraft der Renteneinnahmen und spürt den allgemeinen Charakteristika ebenso wie fallspezifischen Besonderheiten und Veränderungen von Rentengesellschaften nach. Auf diese Weise sollen neue - politikrelevante - Erkenntnisse über Staat und Entwicklung in Rentengesellschaften gewonnen werden.

Last updated on 2017-11-07 at 15:02