Externally funded project

Kurfürstliche Koordinaten


Project Details
Project duration: 01/201112/2013


Abstract
Kurfürstliche Koordinaten. Landesvermessung und Herrschaftsvisualisierung im frühneuzeitlichen Sachsen unter Leitung von Prof. Dr. Ingrid Baumgärtner (Mittelalterliche Geschichte, Universität Kassel) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Winfried Müller (Sächsische Landesgeschichte, Technische Universität Dresden, und Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde) und dem Mathematisch-Physikalischen Salon, Staatliche Kunstsammlungen Dresden Förderung: Gerda Henkel Stiftung Laufzeit: bis Ende 2013 Die von frühneuzeitlichen Territorialherren in Auftrag gegebenen und im Falle Kurfürst Augusts von Sachsen (1553-1586) sogar eigenhändig durchgeführten Landesvermessungen stellen eine besonders aufschlussreiche Entwicklungsphase der Kartographiegeschichte dar. In kaum einem anderen Kurfürstentum dokumentieren die heute noch erhaltenen Bestände an geodätischen Instrumenten, kartographischen Erzeugnissen und zugehörige Archivalien die frühneuzeitliche Landesvermessung so umfassend wie in Sachsen. In jüngster Vergangenheit konnte sogar nachgewiesen werden, dass die 1560 erfolgte Gründung der Dresdener Kunstkammer in engem Zusammenhang mit Kurfürst Augusts ausgeprägtem Interesse an Geodäsie und Kartographie stand. Denn die damaligen Sammlungsschwerpunkte unter seiner Regierung entsprachen nicht dem gängigen Kanon. Die erhaltenen Bestände zeigen vielmehr, dass die Kunstkammer sowohl Prototypensammlung und Technologiezentrum für geodätische Instrumente als auch ein Ausgangspunkt für die Durchführung von Vermessungen und Kartierungen war. Das Projekt zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen der Ausbildung eines frühneuzeitlichen Flächenstaates und dessen Herrschaftsdurchdringung mittels Geodäsie und Kartographie am Beispiel von Kursachsen genauer in den Blick zu nehmen. Denn die politische Bedeutung von Karten in der Frühen Neuzeit verbindet sich mit der Frage, wie (kur)fürstliche Territorialherren mittels Vermessung und Kartierung in der Zeit von Mitte des 16. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts ihre Hoheitsgebiete behaupteten. Es ist zu eruieren, wie Fürsten ihre Ansprüche auf Macht und Besitz kartographisch umsetzten und welchen Beitrag die Vermessung des Territoriums zur Herrschaftssicherung leistete. Zu analysieren sind die Rolle der Kartographie und Geodäsie für die Herrschaftsausübung und die Bedeutung räumlich-geographische Vorstellungsbilder für die Durchsetzung von Macht. Diese allgemeinen Fragen sind am konkreten Beispiel von Sachsen zu erforschen und im Vergleich mit anderen Territorien zu erörtern. Die für das sächsische Kurfürstentum erarbeiteten Thesen sind deshalb im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Territorien zu überprüfen. Dafür eignen sich vor allem die Landgrafschaft Hessen, das Herzogtum Bayern, die Schweizer Stadtkantone, norditalienische Stadtstaaten und die Niederlande.


Principal Investigator


Research Areas


Last updated on 2020-13-07 at 12:02