Projekt ohne Drittmittelfinanzierung

Expositionen-Ausstellungen und Ausstellungsästhetiken


Details zum Projekt
Projektlaufzeit: 01/200301/2006


Zusammenfassung
Vom Fachbereichsrat des FB 09 wurde der Antrag auf ein Forschungsfreisemester zum WS 04/05 un-terstützt mit dem Ziel, das DFG-Forschungsprojekt „Expositionen“ abschließen zu können. Dieses Projekt war mir von der DFG für zwei Jahre mit einer BAT IIa-Stelle und einer Wissenschaftlichen Hilfs-kraftstelle gewährt worden und lief am 31.12. 2004 aus. In dieser Abschlussphase des Projekts waren von den Mitarbeitern und mir als Projektleiter die Forschungserträge in Form von Publikationen einzu-bringen.
Dieses DFG-Projekt setzte sich mit der Ästhetik, der Typologie und der Geschichte von Ausstellungen auseinander und wurde verstanden als ein Element einer möglichen Kasseler Profilbildung. Insofern war vom Projekt auch von Anfang eine enge Kooperation mit dem documenta-Archiv der Stadt Kassel intendiert. Literaturausstellungen, auch wenn sie nach wie vor eine nicht unbedeutende Rolle in der literarischen Öffentlichkeit spielen, sind von der Literaturwissenschaft selbst bislang allenfalls in An-sätzen als ihr genuiner Gegenstandsbereich begriffen worden. Das Projekt, das eine Rekonstruktion von Literaturausstellungen nur leisten konnte in Berücksichtigung von Entwicklungen im Bereich der Ausstellungstheorie und –praxis von Bildender Kunst, war von daher notwendigerweise interdisziplinär angelegt und fand damit in der IAG Kulturforschung an der Universität Kassel seinen institutionellen Rahmen. Ohne die historische Dimension zu vernachlässigen, legte das Projekt seinen Fokus auf die Veränderungen in der Ausstellungspraxis, die mit dem Medienumbruch der Jahrtausendwende einher-gingen. Auf diesen (digitalen) Medienumbruch, zu dem seit den neunziger Jahren die politischen Um-brüche mit ihren inhaltlichen und ästhetischen Auswirkungen auf die literarische und künstlerische Ausstellungspraxis kamen, reagierten Expositionen sehr unterschiedlich. Einerseits präsentierten sie sich als Refugien von „Authentizität“ und medialer Abstinenz, andererseits definierten sich z.B. Litera-turmuseen, Literaturausstellung neu, indem sie sich unmittelbar im Medienumbruch situierten.
Als Beitrag zur historischen Rekonstruktion von Literaturausstellungen im (analogen) Medienumbruch um 1900 entstand im Forschungsfreisemester eine Studie von mir über eine der ersten großen Litera-turausstellungen am Ende des 19 Jahrhunderts (in Stuttgart), an der beispielhaft gezeigt werden sollte, wie sich Literaturausstellungen als spezifische Möglichkeit der literarhistorischen Konstruktion bzw. von historischer Erkenntnis verstehen. Die Studie wird im Frühjahr 2005 in der „Zeitschrift für Litera-turwissenschaft und Linguistik (LiLi)“ erscheinen.
Eine zweite im Forschungsfreisemester entstandene Studie thematisiert die Entwicklung von Exillitera-turausstellungen (an ausgewählten Beispielen) von Expositionen, die noch von den Autoren im Exil selbst als Teil ihrer Gegenpropaganda zur nationalsozialistischen Literaturpolitik in den Exilländern veranstaltet wurden (hier z.B. im Kontext der Pariser Weltausstellung und als Reaktion auf den deut-schen Pavillon), bis zu aktuellen Ausstellungen, die „authentische“ Orte expositorisch einbeziehen, damit den Ausstellungsraum neu begreifen und zugleich andere Zeitdimensionen eröffnen. Auch diese Studie wird im Frühsommer 2005 erscheinen.
Zur Publikation vorbereitet wurde im Forschungsfreisemester ein Sammelband „Atelier und Künstler-häuser in neuen Medienwelten“. Der Band, den ich mit den Mitarbeitern des Projekts herausgebe, wirft einen Blick aus deutscher und internationaler Perspektive auf einen aktuellen Ausstellungssektor, der eng verknüpft ist nicht nur mit Umgruppierungen in der literarischen und künstlerischen Erinnerungs-landschaft, sondern auch wichtige Zuschreibungen an künstlerisches Schaffen unter veränderten me-dialen Bedingungen reflektiert. In dem Band werden Vertreter der (Ausstellungs-)Theorie und Praxis vertreten sein; zentrale Ausstellungskonzepte – von der documenta bis zum gerade entstehenden Mar-bacher „Museum für die Literatur der Moderne“ – kommen zur Diskussion. Der Band erscheint 2005 beim renommierten Bielefelder transcript-Verlag.
Aus diesem, damit beendeten DFG-Projekt ist der Antrag auf ein Nachfolgeprojekt hervorgegangen, der inzwischen bei der DFG eingereicht wurde.
Neben diesen Arbeiten zum Abschluss des DFG-Projekts wurde im Forschungsfreisemester eine weite-re Publikation vorbereitet, die auf der mit den Kollegen Barsch und Förster organisierten Ringvorlesung „Märchen und Medien“ beruht. Zu diesem Sammelband entstand im Forschungsfreisemester zudem ein Beitrag über die Imaginierung von Oralität in den Märchen, die als Buchmärchen im 19. Jahrhundert zugleich an prominenter Stelle der Medienentwicklung nach 1815 standen. Der Sammelband soll gleichfalls im Sommer 2005 auf dem Buchmarkt erhältlich sein.

Zuletzt aktualisiert 2017-11-07 um 15:04