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Bildwissenschaft. Probleme und Perspektiven eines Forschungsprogramms


Project Details
Project duration: 01/200304/2004


Abstract
Die Beschäftigung mit den Phänomenen ?Bild? und ?Bildlichkeit? ist gegenwärtig nicht mehr nur das randständige Interesse einer Minderheit von Kunstwissenschaftlern oder philosophischen Ästhetikern, sondern seit Anfang der neunziger Jahre so nachdrücklich ins Zentrum der Aufmerksamkeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen gerückt, daß manche Autoren bereits einen generellen ?iconic turn? (bzw. ?imagic? oder ?pictorial turn?) in den Humanwis?sen?schaften konstatierten. Die Gründe für das zunehmende Interesse am Bild liegen auf der Hand: Photographien, Gemälde, Filme, Zeichnungen, Piktogramme sind nicht nur aus den Wissenschaften, sondern auch aus unserer Lebenswelt seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken. Insbesondere die sog. ?Neuen?, digi?talen ?Medien? haben auf Grund der mit ihnen verbundenen einfachen, nahezu grenzenlosen Erzeugbarkeit von Bildern zu einer nachgerade inflationären Vervielfältigung von lebensweltlich wirksamen Bildern geführt. Gerade sie machen bewußt, wie und in welchem Maße Bilder unsere Wirklichkeit bestimmen, ja häufig überhaupt erst festlegen, was als Wirklichkeit erscheint.
Eine in Reaktion auf diese Problemlage von verschiedener Seite geforderte "Allgemeine Bildwissenschaft", die die Konstitution von ikonischem Sinn in syste?mati?scher, interdisziplinär orientierter Perspektive erörterte, steckt heute bestenfalls in den Anfängen. Im Blick auf ihre Etablierung stellen sich die folgenden Fragen, die im Februar 2004 im Rahmen einer Kasseler Tagung erörtert werden sollen:
1.) Ist eine ?Allgemeine Bildwissenschaft? im Sinne einer Meta-Wissenschaft neben den traditionellen, Bilder thematisierenden Disziplinen überhaupt notwendig? Hin und wieder melden sich diesbezüglich auch skeptische Stimmen, denn manchen scheint es, als reichten die Methoden und begrifflichen Instrumentarien, die z.B. die Kunstgeschichte seit etwa 150 Jahren entwickelte, im fraglichen Zusammenhang völlig aus.
2.) Doch falls ihre Etablierung geboten erscheint: Was könnten ihre spezifischen Fragestellungen und methodologischen Grundlagen sein? Kann sie sich beispielsweise ohne weiteres am Vorbild der Allgemeinen Sprachwissenschaften orientieren, oder verstellen deren Ansätze und Methoden gerade einen angemessenen Blick auf Bilder?
3.) Gibt es überhaupt einen allgemeinen Begriff vom Bild, der alle Arten von Bildern unter sich befaßt: Trivialbilder des Alltags ebenso wie Kunstbilder der Hochkultur? Und welche Perspektive kann, muß oder sollte eine genuin bildwissenschaftliche Fragestellung einnehmen, um hier für weitergehende Klärungen zu sorgen?
4.) Welche Perspektiven und Chancen eröffnen sich gegenwärtig für die akademischen Etablierung eines bildwissenschaftlichen Forschungsansatzes?
Die geplante Tagung soll zur Erörterung dieser Fragestellungen Vertreter der beteiligten Wissenschaften Philosophie, Kunst- und Medienwissenschaft, Psychologie, Psychoanalyse, Semiotik und Theologie in ein Gespräch bringen. Dabei sollen keineswegs allein methodologische Debatten geführt werden. Vielmehr sollen auch Vorschläge zu einem allgemeinen, disziplinenübergreifenden Bildbegriff diskutiert oder exemplarische Formen bildwissenschaftlicher Untersuchung vorgestellt werden.


Principal Investigator


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2005
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Last updated on 2017-11-07 at 15:04