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Automobile (Reise)Kultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Gender and Mobility Culture


Project Details
Project duration: 04/200304/2008


Abstract
Forschungsdisziplinen wie „History of Transport” und „Mobility Culture” konzentrieren sich nicht mehr wie die interne Verkehrsgeschichte auf die Darstellungen der verkehrstechnischen Erfindungen, auf das Wirken der Ingenieure und Unternehmer. Vielmehr geht es um die Aneignung und Konsumtion von Verkehrstechnik, wobei auch literarische Texte als eine soziokulturelle Quelle erschlossen werden. Diesem kulturwissenschaftlichen Ansatz folgend, legt das Projekt den Schwerpunkt auf literarische Texte aus der Frühzeit des Automobils. Es zeigte sich, dass sich an den Texten nicht nur noch heute gültige Handlungsmuster des Verkehrsmittels ablesen lassen, sondern auch die Diskurse in der Auseinandersetzung mit der Moderne. An Primärquellen zu den Selbstreflexionen der Neuen Sachlichkeit konnte herausgearbeitet werden, dass das Diskursfeld Automobilität in den Verhandlungen um ästhetische Kriterien zum bevorzugten Topos wird, um sich den Anforderungen der Moderne angstfrei und konstruktiv, im Sinne der Sicherung einer Handlungskompetenz, zu stellen. Dass dabei das Prinzip von Männlichkeit und Technik betont wird, zeigt sich sowohl in der neusachlichen Programmatik als auch in den literarischen Texten, nicht nur der Neuen Sachlichkeit. Die schon in der frühen Automobilkultur durch den „Herrenfahrer” symbolisch vermittelte Verfügbarkeit von Raum und Zeit kann somit als symbolische Verteidigung der „männlichen” Ordnung gelesen werden. In einem nächsten Arbeitsschritt soll diese Gender-Perspektive hinsichtlich der Frage nach den Selbstzuschreibungen automobiler Frauen erweitert werden. An den seit kurzem wieder aufgelegten Texten von Erika Mann, Ruth Landshoff-Yorck, Clärenore Stinnes und Annemarie Schwarzenbach wird sowohl der Bruch mit traditionellen weiblichen Rollenmustern deutlich als auch die Absage an eine „männliche” Automobilkultur. Das Projekt soll den Prozess des „Engenderings” des „kulturellen Gedächtnisses” um ein heute allgegenwärtiges Verkehrsmittel eruieren. Die Ergebnisse des Projekts sind Teil eines Dissertationsvorhabens, welches im Sommer 2003 im Fachbereich Germanistik eingereicht wurde.


Principal Investigator


Co-Investigators

Last updated on 2017-11-07 at 15:04