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Theologische Gespräche mit Jugendlichen


Project Details
Project duration: 01/200812/2011


Abstract

In den letzten Jahren hat die Kindertheologie aufgrund zahlreicher Forschungsprojekte eine deutliche Profilierung erfahren; insbesondere der Primar-, aber auch der Elementarbereich sind hierzu untersucht worden. Das Theologisieren mit Jugendlichen in der Sekundarstufe ist jedoch nahezu unerforscht. Ziel der Studie ist es, Einblicke in das theologische Denken (und Sprechen) von SchülerInnnen in der Pubertät zu erhalten, um daraus Schlüsse für ein Konzept der Jugendtheologie zu ziehen. Kennzeichnend für den Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe ist der beginnende Umbruch im Denken und Weltbild der SchülerInnen: Die magische Vorstellungswelt des Kindes wandelt sich zum naturwissenschaftlichen Erklärungsmodell des Jugendlichen.

In der Begegnung mit biblischen Wundererzählungen innerhalb der angesprochenen Altersphase treten dieser Übergang sowie damit einhergehende Konflikte offen zu Tage. In der Mitte der Sekundarstufe I hat das naturwissenschaftliche Weltbild die magischen Vorstellungen der Kindheit in der Regel vollständig verdrängt - mit der Konsequenz, dass Jugendliche Gott entweder außerhalb, also nicht in das weltliche Geschehen eingreifend, denken oder auch in ihrem Inneren als ein Gefühl ansiedeln. In den biblischen Wundergeschichten wird aber gerade von einem Eingreifen Gottes in die Welt erzählt; das neutestamentliche Wirklichkeitsverständnis lässt keinen Zweifel an Gottes Möglichkeit, in und an der Welt zu handeln. Es ist also zu erwarten, dass die Beschäftigung mit Wundererzählungen eine wesentliche Einbruchstelle im Glauben Jugendlicher berührt. Es werden aber auch zentrale theologische Fragen, die in die christliche Dogmatik hineinführen, berührt: Wer ist Jesus? (Christologie); Wen rettet Jesus? (Soterologie); Was ist der Mensch vor Gott? (Theologische Anthropologie). Von daher erscheint die Wunderthematik geeignet, mit Jugendlichen in das Gespräch über ihre Vorstellungen von Gott und Jesus Christus sowie ihre (zu erwartenden) Zweifel zu kommen.

Aufgrund der fehlenden oder nur geringfügig vorhandenen Forschungsarbeiten zur Jugendtheologie und zur Wunderdidaktik in der Sekundarstufe I können für das Forschungsvorhaben zunächst nur offene und vorläufige Fragen formuliert werden. Diesen Fragen soll im Rahmen einer neu begründeten Forschungswerkstatt in der Religionsdidaktik der Universität Kassel (Titel: Forschungswerkstatt "Theologische Gespräche mit Jugendlichen") nachgegangen werden. Dabei knüpft das Konzept der Kasseler Forschungswerkstatt an die Erfahrungen der Karlsruher Forschungswerkstatt zu Theologischen Gesprächen mit Grundschulkindern an. Im Rahmen der Kasseler Forschungswerkstatt zu Theologischen Gesprächen mit Jugendlichen unterrichten ca. 10 Studierende SchülerInnen einer 8. Klasse in Kleingruppen. Im Sinne der Aktionsforschung lernen die Studierenden eine forschende Haltung ihrem eigenen Unterricht gegenüber einzunehmen. Sie transkribieren entscheidende Unterrichtssequenzen, die sie gemeinsam mit den Dozierenden unter bestimmten Fragestellungen reflektieren. Das Durchlaufen dieses Zirkels von Aktion und Reflexion trägt zur Professionalisierung der Studierenden bei. Darüber hinaus ist die Arbeit in der Forschungswerkstatt mit einem übergreifenden Forschungsauftrag verbunden: Aufgrund der charakteristischen Prozessorientierung der Forschungswerkstatt werden vorläufige Erkenntnisse im Blick auf die Theoriegewinnung benannt und beeinflussen den weiteren Verlauf der Forschungsarbeit.

Ziel des Projektes ist es, einen ersten empirisch erhobenen und gegenstandsverankerten Forschungsbeitrag zur Jugendtheologie zu liefern. Desweitern soll die Forschung zur Wunderdidaktik in der Sekundarstufe vorangetrieben werden.



Principal Investigator

Last updated on 2017-11-07 at 15:05