Externally funded project

Burchards Dekret Digital


Project Details
Project duration: 01/202012/2038


Abstract

Das Forschungsvorhaben ‚Burchards Dekret digital‘ unter Leitung von
Prof. Dr. Ingrid Baumgärtner (Universität Kassel), Prof. Dr. Klaus
Herbers (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof.
Dr. Ludger Körntgen (Johannes Gutenberg-Universität Mainz), alle
Mittelalterliche Geschichte, ist in das Akademienprogramm aufgenommen
worden, mit dem die Union der deutschen Akademien langfristig angelegte
Forschungsvorhaben fördert, darunter besonders zentrale Editionen,
Wörterbücher und Textcorpora als Wissensspeicher für die Zukunft in
Wissenschaft und Öffentlichkeit. Das neue Projekt unter dem Dach der
Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz ist auf eine
Förderdauer von 18 Jahren (2020-2037) veranschlagt, das Fördervolumen
beträgt knapp 6 Mio.
Im Zentrum steht eine der einflussreichsten
Sammlungen des mittelalterlichen Kirchenrechts, das Dekret Bischof
Burchards von Worms (1000–1025). Die Ziele des Forschungsprojekts
richten sich erstens auf eine multiperspektivische Analyse der
Überlieferung, Rezeption und rechts- und kulturgeschichtlichen
Bedeutung, zweitens auf eine kritische Edition in Print und Online sowie
drittens auf eine digitale Arbeitsplattform internationalen Zuschnitts.
Ausgangspunkt
des Projekts ist die Feststellung, dass kirchliches Recht die
Entwicklung in West- und Mitteleuropa bis ins 20. Jahrhundert nachhaltig
geprägt und fundamental zur Entstehung gemeinsamer europäischer
Rechtsgrundlagen beigetragen hat. Die Grundlagen und Vermittlungswege
dieser Einflüsse sind vielfältig und reichen weit zurück. Denn Europa
entwickelte sich nicht erst seit dem 12. Jahrhundert, wie oft behauptet,
im Zuge einer Ausgestaltung des kanonischen und römischen Rechts zu
einem in vielerlei Hinsicht einheitlichen Raum. Große Bedeutung kommt
vielmehr den Bemühungen um die Sammlung, Systematisierung und
Fortentwicklung des Kirchenrechts zu, die in der häufig unterschätzten
Epoche zwischen den karolingischen Reformen und dem wissenschaftlichen
Aufbruch des 12. Jahrhunderts in Kanonistik und Scholastik unternommen
wurden.
Die bei weitem wichtigste Sammlung dieser Zeit, das sogenannte Decretum Burchardi, galt im 11. und 12. Jahrhundert als das kirchliche Rechtsbuch par excellence und konnte mit dem einfachen Verweis ex Burch(ardo)
zitiert werden. Nicht nur Gelehrte des Kirchenrechts, sondern auch
Praktiker der Diözesanverwaltung wussten sofort, was gemeint war. Nicht
zuletzt aufgrund dieser rechtspraktischen Bedeutung konnte sich die
Kompilation des Wormser Bischofs als Standardwerk gegenüber später
verfassten Zusammenstellungen behaupten. Sogar das um 1140 entstandene Decretum Gratiani,
Grundlage jeder weiteren Entwicklung in Kirchenrecht und
wissenschaftlicher Kanonistik, wurde mit Auszügen aus Burchards Werk
ergänzt und kommentiert.
Das Projekt stellt, in enger Kooperation mit Partnern aus aller Welt, das Decretum Burchardi
in den Mittelpunkt grundlegender, multiperspektivischer Forschungen: Es
erschließt die europaweite Handschriftenüberlieferung; es erarbeitet
erstmals eine kritische Edition und sichtet die reichen Rezeptionsspuren
vor allem in Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien. Methodisch
innovativ ist sowohl die digitale Erschließung als auch die
rezeptionsgeschichtliche Ausrichtung, die einen Eindruck von der
gewaltigen Dynamik europäischer Rechtskulturen vermittelt. Zur
Bewältigung dieser vielfältigen Aufgaben dient der Aufbau einer
digitalen Arbeitsplattform, die nicht nur die Publikation einer
umfassenden digitalen Edition ermöglicht, sondern künftig auch
Materialien wie Handschriften, Kataloge und Quelleneditionen zur
Verfügung stellt, den wissenschaftlichen Austausch auf internationaler
Ebene fördert sowie die regen Forschungsaktivitäten zu Quellen und
Rezeption mittelalterlichen Kirchenrechts bündelt, um der enormen
Verbreitung und epochenübergreifenden Wirkung des Decretum Burchardi gerecht zu werden.



Principal Investigator

Last updated on 2020-13-07 at 12:02