Hochschulschrift, Bericht einer Institution
Reflexionen zu den Voraussetzungen und möglichen Hemmnissen eines zielführenden Wissenstransfers am Beispiel der Tiergesundheit in der ökologischen Nutztierhaltung



Details zur Publikation
Autor(inn)en:
Hoischen-Taubner, S.; Bielecke, A.; Sundrum, A.
Publikationsjahr:
2014
Sprachen:
Deutsch

Zusammenfassung, Abstract

Im Forschungsvorhaben wurden die Vorstellungen und Einschätzungen zum
Themenfeld „Tiergesundheit“, welche Vertreter verschiedener
Stakeholder-Gruppen (Landwirte, Berater, Tierärzte, Wissenschaftler,
Berufsverbände und NGO’s) in unterschiedlichen Workshops äußerten, einer
umfassenden Reflexion aus kommunikationswissenschaftlicher und
erkenntnistheoretischer Sicht unterzogen.
Die Einschätzungen waren
durch eine große Heterogenität innerhalb und zwischen den Gruppierungen
charakterisiert. Ein vorrangig selbstreferentielles Rollenverständnis
und Bemühungen zur Rechtfertigung der eigenen Standpunkte boten kaum
Anknüpfungspunkte für ein konzertiertes Vorgehen zur Verbesserung der
suboptimalen Praxisverhältnisse.
Während ein „Wissenstransfer“ im
eigentlichen Sinne nicht stattfindet, sind Verbreitung von zielführenden
Informationen und die Überwindung bestehender Hindernisse an diverse
Vorrausetzungen geknüpft. So ist der Informationstransfer nicht zu
trennen vom Kontext, in dem Informationsgenerierung und -verbreitung
stattfinden. Er ist nur dann zielführend, wenn er auf einen zuvor
eingegrenzten Informationsbedarf im Hinblick auf ein Ziel zugeschnitten
ist, dessen Erreichen durch die Integration von Informationen in den
vorhandenen Wissenspool befördert werden kann. Dagegen läuft eine
Überflutung mit eingängigen „Informationshäppchen“ Gefahr, die
Bereitschaft zur Reflexion über den erforderlichen Informationsbedarf
herabzusetzen.
Der Begriff „Tiergesundheit“ erweist sich als nicht
operationalisierbar und ungeeignet, um Verbesserungen in der
Nutztierhaltung zu befördern. Zielgerichtete Verbesserungen sollten auf
den Begriff und die Begriffsinhalte ausgewählter
„Produktionskrankheiten“ zurückgreifen. Ausgangspunkt und Voraussetzung
für Verbesserungen ist die Festlegung von Zielgrößen (z.B. zulässige
Prävalenzraten von ausgewählten Produktionskrankheiten) durch die
Politik, welche allen Stakeholder-Gruppen als gemeinsame Orientierung
dienen.
Die bisherige Konzeption und Organisation des
„Wissenstransfers“ in Form eines „Technologietransfers“ ist im Kontext
der Tiergesundheit nicht zielführend und bedarf einer grundlegenden
Revision, sofern der Transfer zu einer Verbesserung der Situation
beitragen soll.



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Zuletzt aktualisiert 2019-25-07 um 14:26