Conference proceedings article
Eine randomisierte Vergleichsstudie zur Verwendung von Homöopathie und internen Zitzenversieglern zum Trockenstellen von Milchkühen.



Publication Details
Authors:
Maeschli, A.; Ivemeyer, S.; Notz, C.; Walkenhorst, M.; Heil, F.; Klocke, P.
Editor:
Leithold, G. et al.
Publisher:
Verlag Dr. Köster
Place:
Berlin
Publication year:
2011
Pages range:
70-73
Book title:
Beiträge zur 11. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Gießen
Title of series:
Tagungsbände Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau

Abstract
102 Kühe aus 13 Schweizer Biomilchviehbetrieben wurden in die Studie aufgenommen. In den letzten 10 Tagen vor dem Trockenstellen wurden 2 Milchproben von allen 4 Eutervierteln steril entnommen. Abhängig vom bakteriologischen Befund dieser Untersuchung und dem Resultat der klinischen Euteruntersuchung wurden die Kühe eingestuft und zufällig in drei Trockenstell-Behandlungsgruppen eingeteilt. Kühe mit chronischen Infektionen mit ?Major Pathogenen? (Staphylococcus aureus, Streptococcus uberis, Streptococcus agalactiae und dysgalactiae) wurden von der Studie ausgeschlossen. Im Falle unterschiedlicher mikrobiologischer Diagnosen beider Viertelgemelksproben wurde eine dritte Milchprobe genommen. Bei negativem bakteriologischem Befund in beiden Milchproben wurde nach der Zellzahl (SCC) der zweiten Probe die Einteilung in "normale Sekretion" (SCC {\ensuremath{<}}}100 000/ ml) oder "erhöhte SCC" (SCC ? 100 000/ml) vorgenommen. Die Kühe wurden wie folgt behandelt: Gruppe ITS: Teat Sealer Orbeseal (PFIZER Inc., Zürich): Applikation von 4g Teat Sealer pro Viertel (n = 36 Kühe mit 144 Vierteln). Gruppe HDT: Für die Gruppe, welche mittels Homöopathie trockengestellt wurde, wurde ein herdenspezifisches Mittel eruiert (n = 32 mit 128 Vierteln). Die Auswahl des Mittels erfolgte aufgrund des Körperbaus, der in der Herde vorherrschenden Krankheiten und der Charaktereigenschaften der Tiere). Dieses sogenannte Herdenkonstitutionsmittel wurde zusammen mit dem homöopathischen Mittel Silicea alle in der 6. Dezimalpotenz (D6) den Tieren eingegeben. Die Verabreichung erfolgte an den 5 letzten Laktationstagen 1x täglich per os. Eine Woche nach dem Trockenstellen wurde der Behandlungszyklus wiederholt. Gruppe U: ist die unbehandelte Kontrollgruppe (n = 34 mit 136 Vierteln). 7 bis 14 Tage nach dem Abkalben wurden Viertelgemelksproben aller Tiere zytobakteriologisch untersucht. Die Befunde wurden in 5 Viertelskategorien eingeteilt: (1) ohne Erregerbefund und SCC {\ensuremath{<}}} 100.000 Zellen/ml, (2) ohne Erregerbefund und erhöhter SCC mit {\ensuremath{>}}}100.000 Zellen/ml, (3) infiziert mit Staphylococcus ssp., (4) infiziert mit kuhassoziierten ?Major Pathogenen? (Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae und dysgalactiae) und (5) infiziert mit Umweltkeimen (Streptococcus uberis, Enterokokken, Coliforme Bakterien). Diejenigen Viertel, die post partum (p.p.) nicht infiziert waren und eine SCC {\ensuremath{<}}}100'000/ml aufwiesen (Kategorie 1), wurden als abhängige Variable in ein logistisches Regressionsmodell mit schrittweisem Ausschluss nicht-signifikanter Faktoren einbezogen. Die Effekte der Behandlungsgruppe bzw. Befunde der Viertel a.p. wurde auf das Ergebnis der normalen Sekretion p.p. berechnet. Während den ersten 100 Tage der nachfolgenden Laktation wurden gesamthaft 8 Fälle von klinischer Mastitis beobachtet. Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (U: 3\%; HDT: 9\%; ITS: 11\%). Unter Berücksichtigung aller beteiligten Viertel war der Anteil der Viertel mit normaler Sekretion in den Versuchsgruppen p.p. 68\% (87 von 128), 70\% (101 von 144), und 65\% (110 von 136) für die Gruppe HDT, ITS und U (nicht signifikant). Auch in den Zellzahlresultaten der Milchleistungsprüfungen in den drei Monaten nach der Kalbung waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Behandlungsgruppen feststellbar. Die Ergebnisse des logistischen Regressionsmodells innerhalb der Behandlungsgruppen sind in der Tabelle 1 zu sehen. Ein signifikanter Effekt, Odds Ratio 9,69 (95\% CI 2,73 bis 34,47), konnte bei homöopathisch behandelten Kühen, welche {\ensuremath{<}}}200'000 Zellen/ml in der letzten Milchleistungsprüfung vor dem Trockenstellen aufwiesen, gegenüber Gruppe U festgestellt werden. Die Gruppe ITS zeigt mit einer OR von 3,09 (0,86-11,14) einen nicht-signifikanten Effekt im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle. Ein knapp nicht-signifikanter Effekt (p = 0.055; post hoc Power 31,3\%, OR 18,93 [0,94 bis 380,73]) wurde in den Vierteln mit ?Minor Pathogenen? nach ihrer Behandlung mit ITS ermittelt. Dass ITS Infektionen mit umweltassoziierten Keimen vorbeugen (Huxley et al., 2002), konnte mit dieser Studie nicht bestätigt werden. Es wurden jedoch Tendenzen gefunden, 5\% infizierte Viertel nach dem Abkalben in der ITS-Gruppe gegenüber 10\% in den anderen Gruppen, welche diese früheren Resultate teilweise bestätigen. Das Ergebnis, dass die Häufigkeit klinischer Mastitiden p.p. in der Kontrollgruppe am niedrigsten war, rechtfertigt möglicherweise den Verzicht auf jegliche Therapie in Herden mit kleinem Infektionsdruck und gutem Allgemeinzustand. Die Studie zeigt zudem, dass Tiere mit niedrigen Zellzahlen vor dem Trockenstellen (SCC {\ensuremath{<}}}200?000/ml), wirksam mit einer homöopathischen Prophylaxe geschützt werden können. Das geprüfte homöopathische Trockenstellkonzept ist in der Lage, bei Tieren mit niedriger Zellzahl einen gegenüber unbehandelten Tieren wirksamen Euterschutz darzustellen. Es kann daher für Biomilchbetriebe ohne grosse Eutergesundheitsprobleme empfohlen werden.


Keywords
Homöopathie, Mastitits, Milchkuh, Teat Sealer, Trockenstellen


Authors/Editors

Last updated on 2019-24-07 at 08:55