Aufsatz in einer Fachzeitschrift
Professionelle Urteilsbildung in der Sozialen Arbeit. Übersicht zur Forschung über den Vollzug und die Herstellung professioneller Urteile



Details zur Publikation
Autor(inn)en:
Bastian, P.; Schrödter, M.
Publikationsjahr:
2014
Zeitschrift:
Soziale Passagen
Seitenbereich:
275-297
Jahrgang/Band:
6
ISSN:
1867-0180

Zusammenfassung, Abstract
Die Urteilsbildung ist ein zentraler Modus professioneller Sozialer Arbeit. Fachkräfte sind nur dadurch handlungsfähig, dass sie trotz einer oftmals unklaren Informationslage und unzureichender Ressourcen, Situationen beurteilen und Prognosen erstellen um dadurch zu Handlungsentscheidungen zu gelangen. Allerdings fehlt es an Wissen darüber, wie Fachkräften dies im praktischen Vollzug gelingt. In der Urteils- und Entscheidungsforschung finden sich zumeist Ansätze, die von einer Idee „idealer“ Urteilsfindung ausgehen und daran gemessen der professionellen Praxis ihre Fehlleistungen aufzeigen. Dieser Beitrag gibt am Beispiel des Kinderschutzes einen Überblick bisheriger Forschungen zur Urteilsbildung in der Sozialen Arbeit und anderer Professionen und bietet eine Systematisierung des aktuellen Wissensstand darüber, wie Fachkräfte Urteile fällen und zu Entscheidungen in einer von paradoxalen Anforderungen und kontingenten Bedingungen geprägten Praxis gelangen. Dabei zeigen sich einige Hinweise auf Forschungsdesiderate, wie etwa der Anteil der Adressat_innen an der Produktion fachlicher Urteile oder aber die Relevanz des ersten Hausbesuches auf Risikourteile im Kinderschutz die weiterer empirischer Vergewisserungen bedürfen. Der Beitrag zeigt zudem den Nutzen eines ethnomethodologischen Zugangs für die Erforschung professioneller Urteilspraxis.

Zuletzt aktualisiert 2019-04-11 um 16:18