Technische Dokumentation
Analyse der Einflüsse von zusätzlichen Textanzeigen im Bereich von Streckenbeeinflussungsanlagen



Details zur Publikation
Autor(inn)en:
Harz, B.; Saighani, A.; Deml, B.; Barby, K.
Verlag:
Carl Schünemann Verlag GmbH
Verlagsort / Veröffentlichungsort:
Bremen
Publikationsjahr:
2016
Titel der Buchreihe:
Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen
Bandnr.:
Heft V 267
ISBN:
978-3-95606-219-3
Sprachen:
Deutsch

Zusammenfassung, Abstract

Auf deutschen Bundesfernstraßen werden kollek tive Verkehrsbeeinflussungsmaßnahmen unter Verwendung von Streckenbeeinflussungsanlagen (SBA) und Netzbeeinflussungsanlagen (NBA) betrieben. SBA sind ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur auf Bundes autobahnen in Deutschland. Sie warnen die Verkehrsteilnehmer vor Gefahren und harmonisieren den Verkehrsfluss durch veränderbare, der jeweiligen Verkehrs- und Gefahrensituation angepassten (dynamischen) Anzeigen. Als Anzeigen werden Verkehrszeichen gemäß StVO wie zulässige Höchstgeschwindig keiten und Gefahrenzeichen verwendet. Voraussetzungen für die Wirksamkeit dieser Anlagen für die Verkehrssicherheit und für die Verbesserung des Verkehrsablaufs sind die Wahrnehmbarkeit, die Verständlichkeit und die Akzeptanz der Anzeigen durch die Verkehrsteilnehmer.

In den entsprechenden Richtlinien wurden dazu für SBA ein bestimmter Vorrat an anzeigbaren Verkehrszeichen und einheitliche Anzeigen für verschiedene Gefahren- und Verkehrssituationen definiert. In jüngs ter Zeit wurden Ideen für die Weitergabe von zusätz lichen Informationen in Textform entwickelt, die u. a. gleichzeitig mit den dynamischen Verkehrszeichen gezeigt werden sollen. Dazu gehören zusätzliche Text-anzeigen, die als sogenannte Zeichen „D“ unter den Wechsel verkehrsanzeigen (WVZ) im Bereich von SBA angebracht werden sollen.

Bei der Gestaltung der dynamischen Anzeigen und deren Inhalte ist zu berücksichtigen, dass das menschliche Gehirn eine begrenzte Anzahl an Informationen gleichzeitig aufnehmen und verarbeiten kann. Die Fahrzeuglenker müssen die angezeigten Informationen in einem relativ kurzen Zeitraum zusätzlich zu der eigentlichen Fahraufgabe vollständig erfassen, begreifen und die richtige Entscheidung treffen.

Die Auswirkungen von zusätzlich angebrachten Text-anzeigen auf den Anzeigequerschnitten von SBA wurden in diesem Projekt wahrnehmungspsychologisch, verkehrstechnisch und -rechtlich untersucht. Dabei wurde analysiert, ob die Fahrzeugführer mit den zusätzlichen Informationen überlastet oder verunsichert werden und dies zu ungewollten und gefährlichen Fahr- und Bremsma növern bzw. zu Nichtbeachtung von StVO – verbindlichen WVZ führen kann. Neben der Betrachtung möglicher Gefahrenpotentiale wurde auch der Einfluss auf die Wirksamkeit von SBA betrachtet.

Nach einer Darstellung der Ergebnisse der Literaturanalyse wurden verschiedene Laborunter suchungen durchgeführt. Dazu gehörte eine Befragung, eine Experimentalfahrt im Fahrsimulator auf einer Autobahn mit integrierten SBA- und D-Zeilen an den Anzeigequerschnitten sowie einem wahrnehmungspsychologischen Posttest mit 60 Probanden. Die Auswahl der Probanden und Interpretation der Ergebnisse wurde auch hinsichtlich der unterschiedlichen Voraussetzungen der Verkehrsteil nehmer („Pendler“, Fernfahrer, nicht-deutschsprachige Fahrer etc.) ausgerichtet, welche Einfluss auf die Begreifbarkeit der Anzeigen und das damit verbundene Verhalten der Verkehrsteilnehmer hat.

Die Literaturstudie hat gezeigt, dass die begrenzte menschliche Informationsverarbeitung, zu nega tiven Folgen im Fahr- und Blickverhalten führen kann.

Die Folgen sind:

• deutlich längere Lesezeit und dadurch längere Abwendung vom Straßenverkehr,

• erhöhter Anteil von Geschwindigkeitsreduk tionen, Bremsmanövern und Spurwechselvorgängen,

• gleichzeitige Abnahme der Blickdauer für die WVZ A, B und C,

• fehlerhafte Identifikation des Textes kann zu Fehlverhalten führen.

Sowohl die Blickdaten aus der Simulation, als auch die Ergebnisse aus dem Posttest stützen die Erkenntnisse aus der Literatur. Je mehr Zeichen präsentiert und je länger die Texte der D-Zeile werden, desto fehlerhafter ist die Informationsverarbeitung, insbesondere für die D-Zeile.

Eine eindeutige Zuordnung der Zeichen als Zusatz zeichen oder Richtzeichen gelingt nicht. Sie stehen zudem den derzeitigen Gestaltungsgrundsätzen der durch das BMVBS eingeführten entsprechenden Richtlinien ent gegen. Mit der Einführung der D-Zeile würde darüber hinaus eine Vermischung der bisher in Deutschland bewährten und bekannten, getrennten Systeme der Streckenbeeinflussung und der Netz beeinflussung entstehen.

Aus Sicht der wahrnehmungspsychologischen, der verkehrsrechtlichen und -technischen Ergebnisse und Erkenntnisse kann eine D-Zeile für Bundesfernstraßen in Deutschland nicht empfohlen werden.

Der vorliegende Bericht enthält zusätzlich einen Anhang und liegt der Bundesanstalt für Straßenwesen vor und ist dort einsehbar bzw. abrufbar. Zur Information des Lesers sind die Verweise auf den Anhang in den folgenden Texten beibehalten worden.


Zuletzt aktualisiert 2019-25-07 um 10:12