Journal article
Aisakos: Verlust und Trennung bewältigen. Suizidalität bei Männern



Publication Details
Authors:
Lindner, R.
Publication year:
2007
Journal:
Suizidprophylaxe
Pages range:
164-171
Volume number:
34
Issue number:
3
ISSN:
0173-458X

Abstract
Basierend auf der empirischen Evidenz geschlechtstypischer Unterschiede bei Suizid und Suizidversuch werden psychodynamische Hypothesen zu geschlechtsspezifischen biografischen, intrapsychischen und Behandlungsaspekten bei suizidalen Männern entwickelt. Dies erfolgt mit der qualitativen Methode der "verstehenden Typenbildung" durch die systematische Analyse von Ähnlichkeits- und Differenzbezügen, die zu Idealtypen suizidaler Männer führt. Eine Zufallsstichprobe von 20 suizidalen Männern wurde ausgewählt, die am Beginn einer psychodynamischen Psychotherapie standen. Vier Idealtypen suizidaler Männer wurden entwickelt: (1) Idealtyp "Unverbunden": Hier herrschen Gefühle der Unverbundenheit vor, assoziiert mit Ablehnungserfahrungen. (2) Idealtyp "Gekränkt": Aggressive Konflikte und die Realisierung einer desillusionierenden Lebensrealität sind verbunden mit realen traumatischen Verlusterfahrungen. (3) Idealtyp"Stürmisch": Ein anhänglich-symbiotisches übertragungsangebot mobilisiert unrealistische Helferwünsche vor dem Hintergrund ungelöster Autonomiekonflikte. (4) Idealtyp"Objektabhängig": Allein Konkretes wird in Beziehungen wichtig, im Fall einer Trennung muss die Frau real zurückgewonnen werden, eine Erfahrung emotionalen Mangels wird kompensiert. Die Suizidgefahr, besonders zu Beginn einer Psychotherapie, ist besonders akut bei Patienten, die den Therapeuten nicht emotional erreichen und umgekehrt von ihm nicht erreicht werden. Störungen früher Erfahrungen von Ungetrenntheit von der Mutter, geschlechtsspezifische Separations- und Individuationskonflikte sowie eine fehlgeschlagene Triangulierung sind für die Psychodynamik bedeutsam.


Authors/Editors

Last updated on 2019-23-08 at 13:31