Dissertation
Untersuchung der Eignung alternativer Putenherkünfte für ein ökologisches Haltungssystem



Details zur Publikation
Autor(inn)en:
Olschewsky, A.
Verlag:
Universität Kassel
Publikationsjahr:
2019

Zusammenfassung, Abstract

Obwohl der Anteil ökologischer Putenhaltung in Deutschland mit weniger als 2 % vergleichsweise gering ist, erfährt die Branche insbesondere wegen des Einsatzes schnell wachsender konventioneller Linien und teilweise hohen Prävalenzen verschiedener leistungs- und hal-tungsbedingter Krankheiten Aufmerksamkeit. Zum Umfang dieser Probleme bei alternativen langsamer wachsenden Putenherkünften liegen bislang nur wenige Informationen vor. 

In der vorliegenden Untersuchung wurde daher überprüft, welche Ergebnisse langsamer wachsende Putenherkünfte unter ökologischen Praxisbedingungen hinsichtlich Verhalten, Gesundheit, Fleischqualität und Leistung erbringen. Verglichen wurden die Herkünfte Hockenhull Black (robust mit reduziertem Leistungspotenzial) und Hockenhull Large Bronze (Eignung für Freilandhaltung mit ähnlichen Leistungen wie Kelly BBB) jeweils mit der Referenzgenetik Kelly BBB, die als langsamer wachsende Genetik bereits häufiger eingesetzt wird. Aufzucht und Mast von jeweils etwa 2 x 50 Hähnen pro Genetik in drei Durchgängen (insgesamt 844 Tiere) auf einem biologisch-dynamischen Praxisbetrieb in einem Mobilstall wurden von 2015 bis 2018 mit folgenden Untersuchungen wissenschaftlich begleitet: kontinuierliche Dokumentation der Mortalität und Abgangsursachen; Erfassung der Nutzungsdauer bestimmter Haltungsbereiche mittels Direkt- und Videobeobachtung mit Instantaneous Scan Sampling, Bonitur des Gefieder- und Hautzustandes als Indikator für Federpicken, Kannibalismus und soziale Auseinandersetzungen, sowie Erfassung der Gehfähigkeit, Beinstellung und des Fußballenzustands in der 7., 16. und 25. Lebenswoche. Nach den Teilschlachtungen in der 17., 20. und 25. Lebenswoche wurden am Schlachtkörper Fußballen- und Brusthautzustand sowie das Vorkommen von Verletzungen und Kratzern beurteilt. Darüber hinaus wurden zu diesen Zeitpunkten Lebend- und Schlachtkörpergewichte, Gewichte wertvoller Teilstücke, pH-Werte, Tropfsaftverluste und Blutpunkte erfasst. Zusätzlich wurden tägliche Zunahmen und die Futterverwertung berechnet. Die Daten wurden auf mögliche Effekte von „Genetik“ und „Lebenswoche“ und deren Interaktion mit linearen bzw. generalisierten linearen gemischten Modellen analysiert und Effektstärken berechnet. Ein Teil der Daten wurden wegen geringer Stichprobengröße bzw. wegen Verletzungen der Normalverteilung mit nicht parametrischen Verfahren ausgewertet. 

Im Ergebnis wurden nur wenige signifikante Unterschiede mit hauptsächlich kleinen Effektstärken zwischen den Genetiken festgestellt. Ausnahmen stellte eine signifikant schlechtere Beingesundheit von Hockenhull Bronze, verstärktes Vorkommen von Brustblasen bei Kelly BBB sowie ein hoher Anteil an Fußballenveränderungen bei Hockenhull Black dar. Letztere zeichneten sich allerdings durch eine geringe Mortalität, weniger Fehlstellungen der Beine sowie eine reduzierte Verletzungsrate aus. Insgesamt waren die Schadensprävalenzen zum überwiegenden Teil geringer als in Vergleichsuntersuchungen. Es kann daher geschlossen werden, dass sowohl die zwei alternativen Herkünfte als auch die Referenzgenetik unter ökologischen Praxisbedingungen mit 100 % ökologischer Fütterung bei gutem Management so aufgezogen und gemästet werden können, dass bei vergleichsweise hohen Leistungen ein akzeptabler bis guter Status hinsichtlich Verhalten, Gesundheit und Fleischqualität erreicht wird.


Zuletzt aktualisiert 2021-08-01 um 17:33