Project without external funding

Ethik der Globalisierung


Project Details
Project duration: 10/200810/2013


Abstract
Im Rahmen des Schwerpunkts Forschungsschwerpunkts Ethik der Globalisierung lassen sich folgende Teilprojekte abgrenzen, die zugleich sinnvolle Themen für Qualifikationsarbeiten darstellen:

(1) Die transkulturelle Rechtfertigung moralischer Normen:

Kann man einen hinreichend präzisen Kernbestand universell gültiger Menschenrechte rechtfertigen? Der genaue Umfang solcher Menschenrechte und -pflichten ist bereits zwischen den Hauptströmungen der angelsächsischen Philosophie umstritten. Die Identifizierung eines universell gültigen Kerns wird noch schwieriger, sobald man sich auf einen Diskurs mit entfernteren Kulturkreisen einläßt. Zu klären sind dann Fragen wie: Welche Variations- und Gewichtungsbreite lassen die Menschenrechte in spezifischen lokalen und historischen Rahmenbedingungen zu? Wo endet deren legitime politische Auslegung gemäß lokaler Traditionen und Werte und wo beginnt deren Verletzung?
Diesen Aspekt des Problems werde ich selbst bearbeiten. Teilaspekte dieser Problematik können in spezifischeren Qualifikationsarbeiten behandelt werden.
Zur philosophischen Rekonstruktion des Menschenrechtsdiskurses im chinesischen Kulturraum wurde eine Stelle für einen promovierten Sinologen eingerichtet und zum 1.2.2009 mit Dr. Philippe Brunozzi besetzt. Eine weitere Stelle soll zur Erforschung des Menschenrechts-Diskurses in der islamischen Kultur eingerichtet werden.

(2) Ethische Probleme supranationaler Austauschprozesse:

Hier ist es notwendig, sich zuerst mit den realen Prozessen vertraut zu machen und dann ein Instrumentarium zu entwickeln, mit dem die moralisch legitimen Interessen aller Betroffenen sowohl identifiziert wie gewichtet werden können. Dabei geht es u.a. um folgende Aspekte:
- Wie läßt sich in supranationalen Kontexten die Verantwortlichkeit der Agenten bestimmen? Was sind plausible Kriterien für eine unterschiedliche Grade der Verantwortlichkeit? Was bedeutet das insbesondere für den Umfang positiver Pflichten?
- Welche Auflagen hinsichtlich sozialer Rechte, sowie hinsichtlich Kinderarbeit und Umweltverträglichkeit sind für den zwischenstaatlichen Leistungsaustausch zulässig sind und welche stellen eine unfaire Form des Protektionismus dar?
- Wie sind die Partizipationsrechte aller an den kontingenterweise ungleich verteilten natürlichen Ressourcen zu bestimmen?
Dieser Teil des Projekts wird seit dem 1.10.2008 von Dr. Henning Hahn bearbeitet.

(3) Nationale Autonomie:

Dazu gehören zwei Problembereiche

(3.1.) Migration:
Hier wäre zu erforschen, wie weit das Interesse eines Staatsvolkes an der Ausschließung anderer von seinem Territorium legitimerweise reicht. Da der Schutz vor Verfolgung und elementarer Not den Kernbereich der Menschenrechte bezeichnet, besteht hier prima facie eine starke Hilfspflicht. Besonders deutlich ist, dass diese Rechte einer moralisch überzeugenden Auslegung bedürfen, um zu bestimmen, wie weit die moralischen Verpflichtungen eines Staates reichen.

(3.2.) Humanitäre Interventionen:
Hier geht es um das Recht und die Pflicht, in die Souveränität eines anderen Staates einzugreifen, um innerhalb desselben schwere MR-Verletzungen zu verhindern. Ein wichtiger Teilaspekt ist die Frage, wie weit es eine kollektive Verantwortlichkeit für staatliche Verfolgung gibt und ob eine solche Verantwortlichkeit auch die Schädigung im engen Sinn Unbeteiligter durch intervenierende Kräfte rechtfertigen kann.

(4) Globale Externalitäten:

Viele Produktionsformen haben negative Folgen, die von den Konsumenten nicht über den Produktpreis kompensiert werden. Solche Externalitäten können zu globalen Formen von Ungerechtigkeit werden. Hier wäre zu untersuchen, wie eine moralisch ausreichende Internalisierung solcher Folgen aussehen muß. Ein zentrales Teilproblem ist dabei das der transgenerationalen Gerechtigkeit. Inwieweit hat die jetzige Bevölkerung eines Staates die Verantwortung für das Handeln ihrer Vorgängergenerationen zu übernehmen? Inwieweit wird zum Beispiel der gerechte Anteil einer Nation an der globalen Umweltbelastung durch die in der Vergangenheit von dieser Nation produzierten Belastungen mitbestimmt? Der Umfang einer solchen Verantwortlichkeit zu bestimmen ist insbesondere dort unabweislich, wo die jetzigen Staatsbürger von den einschlägigen Handlungen ihrer Vorgängergenerationen profitieren.



Publications
Go to first page Go to previous page 1 of 2 Go to next page Go to last page

2011
2010
2009
2009
2009
2008
2008
2008
2008
2008

Last updated on 2017-11-07 at 15:01